Es war Ende Juli 2021, und die Welt kam langsam wieder in Schwung. Die Kinos hatten wieder geöffnet, und für viele war das ein Stück Normalität. Auch Riley Goodridge, 18 Jahre alt, und Anthony Barachas, 19, freuten sich auf ihren ersten richtigen Date-Abend. Beide hatten sich nur wenige Wochen zuvor auf einer Party zum Unabhängigkeitstag kennengelernt und seitdem fast täglich miteinander geschrieben.

Riley war aufgeregt. Sie hatte sich lange für das Date zurechtgemacht, ihre Locken perfekt gestylt. Anthony war ein beliebter TikTok-Star mit fast einer Million Followern, aber privat eigentlich bodenständig, wie ihre Eltern nach einem ersten Treffen feststellten. Er kam sogar mit Souvenirs von seinem Urlaub auf Hawaii für Rileys Familie vorbei.
Sogar ihr Vater, der anfangs skeptisch war, mochte ihn nach diesem Besuch. Das gemeinsame Abendessen im „Wood Ranch“, Rileys Lieblingsrestaurant, verlief wunderbar. Danach ging es ins Kino, in die „Crossings Mall“ in Corona, südöstlich von Los Angeles. Im Saal 15 des „Regal Edwards Cinema“ lief um 21:35 Uhr der Horrorfilm „The Forever Purge“.
Der Saal war fast leer, nur sechs Tickets waren verkauft worden. Anthony und Riley setzten sich in die Mitte, Reihe F. Während des Films schrieb Riley ihrer Mutter eine SMS. Sie schrieb, der Film sei ein kompletter Reinfall und einfach nur bescheuert.
Es sollte ihre letzte Nachricht sein. Kurz nach 23:30 Uhr ging das Licht im Saal an. Ein Mitarbeiter betrat den Raum, um Popcorn und Becher einzusammeln. Doch dann sah er zwei Personen in der Mitte des Saals, die zusammengesackt in ihren Sitzen hingen, blutüberströmt.
Der Notarzt und die Polizei wurden sofort gerufen. Für Riley kam jede Hilfe zu spät. Sie wurde noch im Kinosaal für tot erklärt, erschossen von hinten in den Kopf. Anthony wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, doch auch er starb fünf Tage später.
Die Kugel war durch sein Auge in den Kopf eingedrungen. Erst nach seinem Tod konnten durch eine Organspende mehrere andere Menschen gerettet werden. Der Doppelmord an den beiden Teenagern schockierte ganz Kalifornien. Doch niemand konnte sich erklären, wie der Täter unentdeckt entkommen konnte.
Gehört hatte die Schüsse niemand. Die Polizei stand vor einem Rätsel. Im Saal gab es kaum verwertbare Spuren, nur ein Projektil und drei Patronenhülsen. Die Hoffnung lag auf den Verkaufsdaten der Tickets.
Sechs Karten waren verkauft worden. Zwei gehörten Riley und Anthony. Die anderen vier wurden als zusammenhängende Plätze von einer Person online gekauft. Schon am nächsten Tag stand die Polizei vor der Tür des Käufers.
Der junge Mann, etwa im gleichen Alter wie die Opfer, gab an, mit drei Freunden im Kino gewesen zu sein. Doch der Abend sei nicht normal verlaufen. Die drei Freunde wurden befragt und erzählten immer wieder dieselbe Geschichte: Mitten im Film sei ihr Freund Joseph aufgestanden, hinausgegangen und mit einer Tasche zurückgekommen. Er habe gesagt, dass eine Schusswaffe darin sei.
Dann habe er angefangen, mit sich selbst zu reden. Sie hätten Angst bekommen, so getan, als müssten sie auf die Toilette, und den Saal verlassen. Zwei von ihnen sahen danach noch, wie ihr Freund aus dem Kino rannte und in seinem Auto davonraste. Um 23:28 Uhr.
Sieben Minuten bevor die Leichen gefunden wurden. Alle drei sagten, sie hätten sofort gewusst, dass Joseph Rimenes der Täter sein müsse. Sie hatten sogar in den Nachrichten von dem Doppelmord gelesen. Doch keiner von ihnen meldete sich bei der Polizei.
Am Abend des 27. Juli setzte Joseph Rimenes selbst einen Notruf ab. Er sagte, er werde verfolgt. Das stimmte.
Undercover-Polizisten waren ihm auf den Fersen und nahmen ihn fest. Bei seiner Verhaftung war er bewaffnet. In seinem Wohnwagen wurde eine Waffe gefunden, die zum Tatkaliber passte. Dazu ein illegales Schnellfeuer-Magazin.
In seinem Auto lag Rileys Portemonnaie. Joseph Rimenes leugnete die Tat nicht. Er ging in die Offensive. Aus dem Gefängnis gab er ein Interview.
Er sagte, er leide unter Schizophrenie und habe monatelang Stimmen gehört. Die Diagnose habe er Ende 2020 erhalten, doch seine Medikamente seien ihm ausgegangen und er habe sich nicht um neue gekümmert. Die Stimmen hätten ihm gedroht, Dinge wegzunehmen, und manchmal gesagt, dass seine Familie und Freunde getötet würden. Der Journalist fragte, ob er deshalb die beiden getötet habe, um seine Familie zu schützen.
Joseph antwortete mit „im Grunde ja“. Er erzählte, dass die Stimmen an diesem Abend unerträglich gewesen seien. Er sei im Kino aufgestanden, zu seinem Auto gegangen und habe eine Waffe aus dem Kofferraum geholt. Eine sogenannte Ghost Gun, die er online gekauft hatte, zusammengesetzt aus Teilen verschiedener Waffen, ohne Hintergrundprüfung.
Als er zurückkam, flohen seine Freunde. Nur Riley und Anthony saßen noch im Saal. Und nur deshalb, sagte er, habe er sie ermordet. Weil sie die einzigen anderen Menschen waren und seine Familie in Gefahr schien.
Vor Gericht erklärte Joseph, er habe geglaubt, die Stimmen kämen aus der Mitte des Saals, direkt aus dem Bereich, in dem Riley und Anthony saßen. Es seien zwei Stimmen gewesen, die ihn seit Monaten quälten. Eine weibliche, die er „Abigael“ nannte. Sie hätten gesagt: „Wir kommen, um euch zu holen.
“ Immer wieder. Schon im Restaurant vor dem Kino habe er Stimmen aus der Küche gehört. Trotzdem habe er nach dem Essen sogar noch einen Nachtisch bestellt. Joseph Rimenes stand nicht nur wegen zweifachen Mordes vor Gericht.
Nach der Tat hatte er über den schwer verletzten Anthony geklettert, um an Rileys Portemonnaie zu kommen. Seine Verteidigung stützte sich auf seine psychische Erkrankung. Doch der Richter erkannte sie nicht als Grund für eine verminderte Schuldfähigkeit an. Ja, die Schizophrenie-Diagnose stand außer Frage.
Ja, er hatte seine Medikamente abgesetzt. Aber: Er hatte noch nach dem Mord das Portemonnaie gestohlen. Er hatte vor dem Film eine Mitarbeiterin des Kinos ganz normal nach ihrer Nummer gefragt. Er hatte seine eigenen Freunde gewarnt und ihnen signalisiert, den Saal zu verlassen.
Und von den Stimmen hatte er nach seiner Festnahme zunächst nichts erzählt. Diese Punkte sprachen für eine volle Schuldfähigkeit. Das Gericht verurteilte Joseph Rimenes zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Bewährung, plus 50 weitere Jahre. Sein Pflichtverteidiger kritisierte das Gesundheitssystem, das Menschen mit psychischen Problemen im Stich lasse.
Ein Einwand, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Doch die Ermittler fanden heraus, dass Joseph mehrfach stationär behandelt und immer wieder darauf hingewiesen worden war, seine Medikamente zu nehmen und keine Drogen zu konsumieren. Er hatte Alkohol und Marihuana konsumiert und seine Tabletten wiederholt abgesetzt. Millionen Menschen weltweit leben mit Schizophrenie und stellen keine Gefahr für andere dar.
Joseph Rimenes hatte Hilfe bekommen und sie wissentlich ignoriert. Wenn das Gericht richtig lag, hat er mit seiner Tat nicht nur zwei unschuldige Leben ausgelöscht. Er hat auch allen geschadet, die wirklich unter dieser Krankheit leiden.


