Ich hielt das Telefon in der Hand und starrte auf das Foto, das er gerade gepostet hatte – ein harmloses Bild, angeblich von zu Hause aus. Doch unsere Technik zeigte etwas anderes: Sein Handy war…

Ich hielt das Telefon in der Hand und starrte auf das Foto, das er gerade gepostet hatte – ein harmloses Bild, angeblich von zu Hause aus. Doch unsere Technik zeigte etwas anderes: Sein Handy war...

Vier Kopfschüsse. So wurde Dominik F. in einem Waldstück nahe der Autobahn A10 gefunden. Drei Freunde hatten tagelang nach dem 27-Jährigen gesucht, bis sie seine Leiche entdeckten – nur wenige Meter vom Weg entfernt, in einem Gebüsch.

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Sein Körper war mit Gurten umwickelt, die Hose heruntergezogen, als hätte ihn jemand zum Fundort transportiert. Die Kriminalpolizei Frankfurt Oder übernahm den Fall. Kriminalhauptkommissar Mike Zimmermann leitete die Ermittlungen. Schnell stand fest: Dominik stammte aus der Gegend, war hier groß geworden – und hatte jahrelang mit Drogen gedealt.

Doch in den letzten Monaten hatte er sich grundlegend verändert. Er war junger Vater geworden, kümmerte sich intensiv um seinen kleinen Sohn und hatte wieder Kontakt zur Mutter des Kindes. Eigentlich war alles auf einem guten Weg. Doch Dominik hatte keine Waffen, kein Auto und keinen Führerschein.

Sein bester Freund Lukas S. fuhr ihn überall hin – zur Ausbildung, zur Arbeit, sogar zum Friseur. Lukas gab an, Dominik am Tag seines Todes noch lebend gesehen zu haben, als er in das Auto eines Bekannten stieg: in den Wagen von Sascha K. Die beiden kannten sich aus der Zeit, als Dominik Sozialstunden in einer Forellenaufzuchtsanlage geleistet hatte.

Seitdem hatten sie sich aus den Augen verloren, doch kurz vor der Tat sollen sie sich wieder häufiger getroffen haben. Zimmermann sah sich Sascha K. genauer an und fand heraus: Der 41-Jährige war Jäger – und hatte eine besondere Vorliebe. Er tötete Tiere mit Kopfschüssen.

Bei den anderen Jägern war er deshalb verhasst, in einem bestimmten Jagdgebiet durfte er nicht mehr jagen. Im Freundeskreis prahlte er damit, Tiere auf brutale Art zu töten. Sascha K. wurde als Zeuge vernommen.

Auf die Frage, ob er Dominik am Tattag getroffen habe, sagte er: Er sei an dem Tag auf keinen Fall in Rüdersdorf gewesen, habe kein Treffen gehabt und sei zu Hause gewesen. Beweis: ein Facebook-Foto, das er angeblich an dem Abend gepostet hatte. Doch die Ermittler ordneten die Zeiten zu – und stellten fest: Sascha K. s Handy wurde sehr wohl in Rüdersdorf geortet.

Er hatte gelogen. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Da er wegen Verstößen gegen das Waffenrecht vorbestraft war, übernahm ein Spezialeinsatzkommando die Festnahme. In seiner Wohnung fanden die Ermittler mehrere Gewehre und Pistolen – und nebenbei einen kleinen Alligator und eine Schlange im Terrarium.

Auch sein Auto wurde sichergestellt. Die Spur des Opfers war deutlich sichtbar: Blut- und DNA-Spuren von Dominik fanden sich im Fahrzeug, dazu Schmauchspuren. Die Ermittler waren überzeugt: Die Tötung hatte im Auto stattgefunden, der Körper war später zum Waldstück gebracht worden – mit Industriegurten, die nachweislich vom Arbeitsplatz von Sascha K. stammten.

Dort waren sie gestohlen worden. Im Verhör rückte Sascha K. schließlich mit einer Geschichte heraus: Er habe Dominik getroffen, weil dieser in den illegalen Waffenhandel einsteigen wollte. Zwei Revolver der Marke Magnum sollten besorgt werden – einer für Dominik selbst, einer zum Weiterverkauf.

Sascha behauptete, er habe ihm dabei helfen wollen. Doch dann wechselte er seine Aussage. Der wahre Täter sei ein Mitglied einer Rockergang gewesen, ein Mann von den Hells Angels. Angeblich hätten ihn zwei Rocker Tage zuvor aufgesucht und ihn gezwungen, das Treffen mit Dominik zu arrangieren.

Bei dem Treffen habe es geregnet, der Rocker sei sauer und nass ins Auto gestiegen, habe die Waffe gefunden und Dominik erschossen. Danach habe die Waffe einen Klemmer gehabt, sonst hätte der Rocker auch ihn getötet. Doch an der Leiche und im Auto fanden sich keine Spuren einer zweiten Person. In sämtlichen Rockerkreisen wurde ermittelt – solche Personen existierten nicht.

Die Geschichte war frei erfunden. Das Gericht sah es anders: Sascha K. hatte Dominik in eine tödliche Falle gelockt. Das Motiv?

Geld. Dominik hatte kurz vor dem Treffen 3. 000 bis 3. 500 Euro von seiner Großmutter abgeholt – Ersparnisse, die er dort für schlechte Zeiten gebunkert hatte.

Sascha K. war überschuldet, stand in Privatinsolvenz und hatte kurz zuvor noch die Abschiedsfeier eines engen Freundes finanziert. Im April wurde Sascha K. am Landgericht Frankfurt Oder wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Gericht war überzeugt: Er hatte nach außen den guten, zuverlässigen Freund gespielt – und war in Wahrheit ein kaltblütiger Mörder. Für rund 3. 500 Euro musste Dominik F. sterben.

Ein anderer Fall, der die Ermittler lange beschäftigte: Im April 2023 wurde Philipp F. tot in einer Wohnung in Hamburg-Steilshoop aufgefunden. Der 39-Jährige war nach einer Kneipentour nicht nach Hause gekommen. Seine Lebensgefährtin hörte nachts Geräusche, doch am nächsten Morgen fehlte jede Spur von ihm – ebenso wie ihr Laptop.

Die Polizei erhielt einen anonymen Hinweis, dass in einer Hochhauswohnung eine Leiche liegen solle. Dort fand sie Philipp F. , zugedeckt auf einem Sofa, Spuren einer wilden Partynacht um ihn herum. Vor seinem Mund Schaumsekret – ein Zeichen, das auf eine Überdosis hindeutete.

Es handelte sich nicht um Philipps eigene Wohnung, sondern um die von Igor G. , wo auch Milenko K. lebte. Beide gaben an, sie hätten keine Ahnung, wie Philipp gestorben sei.

Man habe sich in einer Kneipe getroffen, gemeinsam Alkohol und Kokain konsumiert, das Ganze später in der Wohnung fortgesetzt. Plötzlich habe sich Philipp schlafen gelegt und sei verstorben. Die Rechtsmedizin fand im Blut des Toten eine hohe Dosis Kokain, Alkohol – und Methadon. Das war bemerkenswert: Philipp war kein Drogenabhängiger, er hatte nie eine Substitutionstherapie gemacht.

Methadon ist ein starkes Opiat, das bei Nicht-Gewöhnten zum Atemstillstand führen kann. In seinen Haaren fand sich nur eine minimale Dosis – er war kein regelmäßiger Konsument. Wurde Philipp F. umgebracht?

Die Ermittler setzten Fahndungsplakate ein und bekamen Hinweise auf eine Kneipe. Dort soll Philipp sich mit drei Männern unterhalten haben, bevor er die Kneipe verließ. In Steilshoop, einem Stadtteil mit dörflicher Atmosphäre, kursierten Gerüchte – ausgelöst von den Angeklagten selbst. Sie sollen damit geprahlt haben, dass Philipp F.

etwas ins Getränk gemischt worden sei, um ihn auszunehmen und zu berauben. Die Angeklagten: Igor G. , Milenko K. – und Ali A.

, der selbst mit Methadon substituiert wurde. Die Ermittler vermuteten, dass die Männer Philipp für vermögend hielten. Er hatte vor der Tat wiederholt erzählt, er habe geerbt und verfüge über etwa 100. 000 Euro.

Tatsächlich stimmte das nicht – aber die Angeklagten glaubten es. Zuerst überredeten sie Philipp, per Handy zwei Überweisungen von je etwa 700 Euro auf das Konto von Ali A. zu tätigen. Kurz darauf hob Ali das Geld am Automaten ab.

Als ihre Kontozugänge gesperrt wurden, entwickelten die drei einen neuen Plan: Sie nahmen Philipp mit in die Wohnung – und verabreichten ihm heimlich Methadon. Das Gericht war sich sicher: Die Männer wussten, dass Philipp durch die Kombination von Alkohol, Kokain und Methadon sterben konnte. Sie nahmen seinen Tod billigend in Kauf. Noch während er im Sterben lag, raubten sie ihn aus: Armbanduhr, Personalausweis, Handy, Wohnungsschlüssel – später plünderten sie die Wohnung und verkauften die elektronischen Geräte.

Niemand rief einen Krankenwagen oder die Polizei. Im Dezember 2023 verurteilte das Landgericht Hamburg alle drei Angeklagten wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge zu lebenslanger Haft. Ein 83-jähriger Mann wurde im Mai 2003 in Tüngersheim brutal ermordet. Blut und Verwüstung überall.

Kriminalhauptkommissar Karl Erhard wurde um 6:30 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Der alte Mann lebte zurückgezogen, war stark sehbehindert und gebrechlich. Nachbarn berichteten, er habe regelmäßig Prostituierte empfangen und dafür viel Geld ausgegeben. Die Ermittler gingen diesem Hinweis nach.

Eine Prostituierte erzählte, sie sei am Tattag bei dem Opfer gewesen. Der alte Mann habe ihr erzählt, ein Bekannter wolle eine Säge abholen – und dieser Bekannte schulde ihm Geld. Sie konnte den Mann beschreiben. Die Ermittler führten zu Paul S.

, einem Mann mit krimineller Vergangenheit: 15 Jahre Haft, unter anderem wegen Bankraubs. Paul S. gab an, mit dem alten Mann in Würzburg gewesen zu sein, um Geld abzuheben. Danach sei er in seinem Garten gewesen.

Seine Vorstrafen und die Ungereimtheiten in seinem Alibi reichten für einen Haftbefehl. Doch Paul S. hatte sich ins Ausland abgesetzt – und einen kuriosen Brief an seinen Vermieter geschrieben: „Werter Herr R. , ich bedauere, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich den M.

nach einer Auseinandersetzung getötet habe. ”

Er behauptete, das Opfer habe ihn sexuell belästigt und ihn mit einer Säge angegriffen. Er habe nur in Notwehr gehandelt. Doch die Spuren am Tatort sprachen eine andere Sprache: Das 83-jährige, gebrechliche Opfer hatte Abwehrverletzungen und Hämatome am ganzen Körper.

Er wurde mit einem schweren Gegenstand erschlagen – von einem Mann, der früher bei der Fremdenlegion gewesen sein soll und zu einem brutalen Täter wurde. Paul S. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein ganz anderer Fall erschütterte Berlin im Frühjahr 2023: Ein Taxifahrer wurde morgens im Grunewald mit schweren Messerverletzungen gefunden.

Mustafa A. war 49 Jahre alt, Vater von zwei Kindern. Er arbeitete eigentlich als Zugdisponent und war nur an diesem Tag für einen Verwandten eingesprungen. Er starb noch im Krankenhaus.

Er hatte einen Fahrgast in eine ruhige Wohngegend gefahren. Gegen 8:30 Uhr kamen sie dort an. Der Fahrgast wartete, bis ein anderes Auto vorbeigefahren war – den perfekten unbeobachteten Moment. Dann zog er von der Rückbank aus ein Klappmesser und stach in den Hals seines Opfers.

Mustafa konnte sich schwer verletzt aus dem Taxi befreien, wählte noch den Notruf – aber er konnte nicht mehr sprechen. Der Täter griff sich die 10 Euro aus der Mittelkonsole und ging in normalem Tempo davon. Für 10 Euro musste Mustafa A. sterben.

Ein komplettes Zufallsopfer – jedes andere Taxi hätte es auch treffen können. Der Täter, Hassem B. , ein 24-jähriger Tunesier, wurde in Flensburg festgenommen. Er war wenige Tage zuvor aus Brüssel geflohen, wo er seine frühere Lebensgefährtin getötet hatte.

In den Vernehmungen schilderte er die Tat mit völliger Emotionlosigkeit. Er sagte offen, dass er es für eine gute Lösung hielt, Menschen zu töten, um an Geld zu kommen. Sein Ziel war eigentlich Oslo, doch ab dem 5. April hatte er kein Geld mehr für Essen – also fasste er den Plan, jemanden zu töten.

Bei dem Täter wurde eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Er litt unter Wahnvorstellungen, sagte, der Teufel störe seine Konzentration, Dämonen würden mit seinem Gehirn spielen. Er war in einem akuten Schub und in seiner Steuerungsfähigkeit vermindert. Doch das Gericht stellte fest: Er wusste, dass sein Handeln verboten war – er wählte einen unbeobachteten Tatort und wartete auf den perfekten Moment.

Hassem B. wurde wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge zu 14 Jahren Haft verurteilt und in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Dort bleibt er, solange er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Das Verfahren wegen des Mordes an seiner früheren Lebensgefährtin in Brüssel steht noch aus.

Fast 40 Jahre nach der Tat löste Uwe Pik einen Cold Case in Bremen: den Mord an der 17-jährigen Carmen Kampa, die im Mai 1971 auf einer Brachfläche am Bahnhof Oslebshausen gefunden wurde. Sie war vergewaltigt und umgebracht worden. Zwei Tage vor ihrem Tod war sie in einer Diskothek gewesen und wollte den Zug nach Bremen-Nord nehmen. Ein Fahrgast beobachtete aus dem Zug einen Mann mit einem jungen Mädchen am Bahndamm – sie schienen sich zu streiten, er hörte Hilferufe.

Der Zeuge informierte den Zugbegleiter, doch die Polizei fand nichts. Die Ermittler vermuteten, dass Carmen die Böschung hinabgestiegen war, um auszutreten. Möglicherweise wurde sie auf dem Rückweg vom Täter überrascht. In Verdacht geriet damals auch ein Wachmann, der im Gewerbegebiet neben dem Bahnhof Dienst hatte.

Doch er behauptete, in einer Firma geschlafen zu haben – und man glaubte ihm. Jahre später nahm sich Uwe Pik die Akte wieder vor. Der Wachmann Hermann R. war inzwischen verstorben, aber seine damalige Ehefrau und andere Zeugen beschrieben ihn als gewalttätigen, trinkfesten Mann ohne Empathie.

Pik fand heraus: Hermann R. hatte die Stechuhr erst um 23:48 Uhr betätigt – mehr als 20 Minuten nach dem mutmaßlichen Tatzeitpunkt. Er wurde von Zeugen später gegen 0:30 Uhr auf seinem Moped auf einem dunklen Weg gefahren – wo die Leiche später abgelegt wurde. Er hatte Schlüssel zu mehreren Gebäuden im Gewerbegebiet.

Es war offensichtlich, dass er die Leiche dort zwischenzeitlich versteckt hatte. Der entscheidende Beweis war ein einziges Haar: Auf dem Mantel von Carmen Kampa waren 1971 Haare gesichert worden, die damals nicht weiterhalfen. Jahrzehnte später ergab der DNA-Abgleich mit einer Speichelprobe von Hermann R. s Schwester: Das Haar stammte eindeutig von ihm.

Er hatte es verloren, als er Carmen trug. Der Fall war gelöst. Hermann R.

konnte nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden – aber die Ermittler hatten die Botschaft: Kein Opfer ist je vergessen.