„Er hat mir einmal gesagt, der Job als Taxifahrer sei zu gefährlich“, erinnert sich der Sohn. 1994 wurde mein Vater mit zwanzig Messerstichen getötet, sein Körper hinter dem eigenen Taxi…

„Er hat mir einmal gesagt, der Job als Taxifahrer sei zu gefährlich“, erinnert sich der Sohn. 1994 wurde mein Vater mit zwanzig Messerstichen getötet, sein Körper hinter dem eigenen Taxi...

Der Anruf kam aus einer Telefonzelle im Zentrum von Paderborn. Es war kurz vor Mitternacht, der 15. April 1994, und Johannes Funke, den alle nur Hansi nannten, nahm den Auftrag an. Seine Fahrt sollte ins benachbarte Hövelhof gehen.

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Er funkte noch an die Taxizentrale zurück, dann verlor sich seine Spur. Kurz darauf ging in der Zentrale ein Notsignal ein. Hansi Funke hatte den stillen Alarm in seinem Taxi gedrückt. Der Disponent konnte die Geräusche aus dem Wagen mithören – ein starkes Stöhnen, dann nichts mehr.

Er alarmierte sofort die Polizei. Die Beamten fanden den 43-Jährigen wenig später auf einer einsamen Landstraße bei Hövelhof. Er lag mittig auf der Fahrbahn, blutüberströmt, leblos. Eine breite Schleifspur zog sich von seinem Körper über den Asphalt.

Von seinem Taxi fehlte jede Spur. Das Taxi tauchte wenig später auf einem Parkplatz im Süden Paderborns auf. Der Innenraum war voller Blut. Der Dachhimmel war mit Messerstichen übersät, auch die Kopfstützen und Sicherheitsgurte wiesen Stichverletzungen auf.

Der Anschnallgurt hing aus der Tür und war verschmutzt. Es war klar: Hansi Funke war nicht einfach verunglückt. Er war mit zwanzig Messerstichen getötet worden, und sein Körper war eine Zeitlang hinter dem eigenen Auto hergeschleift worden. „Der Täter muss mit unglaublicher Wut und Wucht vorgegangen sein“, sagt Markus Mertens, Erster Kriminalhauptkommissar, der den Fall Jahrzehnte später neu aufrollt.

Für die Ermittler von damals stand schnell fest: Es war ein Raubmord. Die Geldbörse mit den Tageseinnahmen – ein paar hundert Mark – fehlte. Die Ermittlungen im Umfeld des Opfers brachten nichts. Hansi Funke war ein ruhiger, freundlicher Mann, der nach seiner Scheidung bei einer Pflegefamilie lebte und viel Zeit mit seinen zwei Söhnen verbrachte.

Er hatte sich oft darüber beklagt, dass der Job als Taxifahrer zu gefährlich sei. Aber er hatte es nie geschafft, sich etwas anderes zu suchen. Der Anrufer aus der Telefonzelle war die einzige Spur. Der Disponent erinnerte sich: Der Mann hatte sehr leise gesprochen, fehlerfrei und hochdeutsch.

Mehr nicht. Der Täter war offenbar mit dem Taxi in die Stadt zurückgefahren, hatte das Auto auf dem Parkplatz abgestellt und war in der Dunkelheit verschwunden. Die Schleifspur hatte abrupt an einer Weggabelung geendet. Ab dort war Hansi Funke nicht mehr mitgeschleift worden, sondern liegen geblieben.

Die Polizei verfolgte mehr als 160 Spuren, alles vergeblich. Der Fall wurde zu einem Cold Case. Dreißig Jahre lang tat sich nichts. Dann, im Jahr 2024, entschied die Polizei Bielefeld, den Mord erneut aufzurollen.

Die Ermittler der Cold-Case-Abteilung hofften auf die modernen DNA-Analysen, die es zur Tatzeit noch nicht gab. „Vielleicht haben wir noch ein paar Trümpfe in der Hand“, sagt Kommissar Mertens. Sie untersuchten alle Spurenträger aus dem Taxi erneut, auch Dinge, die damals gar nicht ausgewertet werden konnten. Falls eine fremde DNA gefunden würde, könnte man sie mit den Datenbanken abgleichen.

Auch die Öffentlichkeit wurde wieder um Mithilfe gebeten. Die Staatsanwaltschaft lobte eine Belohnung von 5. 000 Euro aus für sachdienliche Hinweise. Die Ermittler hielten es für wahrscheinlich, dass der oder die Täter auch in den Jahren danach Gewaltdelikte begangen hatten.

Christian Funke, der Sohn des Getöteten, verfolgt die neuen Ermittlungen mit gemischten Gefühlen. Er war 14, als sein Vater starb. „Wenn es nach mir ginge, würde ich mir natürlich hundert Prozent erhoffen, dass der Täter gefasst wird“, sagt er. Aber die Angst, wieder enttäuscht zu werden, ist groß.

„Man ist euphorisch, aber man weiß auch nicht, ob am Ende etwas dabei herauskommt. “

Die Ermittler geben sich kämpferisch. „Wir werden weiterarbeiten und alles versuchen, damit dieses Tötungsdelikt noch geklärt werden kann“, sagt Kommissar Mertens. Die Hoffnung, dass der Mord an Hansi Funke doch noch gesühnt wird, lebt.

Dreißig Jahre nach der Tat.