Ich habe mit siebzehn meinen ersten richtigen Freund gehabt. Wir haben uns verlobt, unsere Familien hielten uns für unzertrennlich. Bis ich herausfand, dass er eine andere geküsst hatte. Ich bin…

Ich habe mit siebzehn meinen ersten richtigen Freund gehabt. Wir haben uns verlobt, unsere Familien hielten uns für unzertrennlich. Bis ich herausfand, dass er eine andere geküsst hatte. Ich bin...

Der 6. Juni 2009, ein warmer Sommerabend in Stockholm. Auf einer Party in der Nähe der alten Skisprunganlage treffen sich etwa fünfzig Jugendliche, um das Schuljahresende zu feiern. Musik läuft, es wird gelacht und getrunken.

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Niemand ahnt, dass diese Nacht in einer Tragödie enden wird. Unter den Feiernden sind auch die sechzehnjährige Tove und ihr fünfzehnjähriger Freund Tim. Die beiden sind seit Herbst 2007 ein Paar. Tim war früher oft lustlos in der Schule, aber seit er Tove kennt, hat er sich gefangen.

Er spielt Fußball, seine Noten sind wieder gut, und er trinkt kaum Alkohol. Auch Tove ist eine Musterschülerin, geht in ihrer Freizeit in die Kirche und engagiert sich dort. Schon Anfang 2009 haben sich die beiden Hals über Kopf verlobt – mit sechzehn Jahren. Ihre Eltern und Lehrer fragen sich, ob das nicht ein bisschen zu viel ist.

Zwischen die beiden passt einfach kein Blatt. Doch im Frühjahr 2009 geht an ihrer Schule ein Gerücht um: Tim soll die fünfzehnjährige Therese geküsst haben. Es passiert in der Walpurgisnacht am 30. April, als sich die beiden zufällig an einem Lagerfeuer treffen.

Sie haben sich nur unterhalten, dann funkte es kurz – ein flüchtiger Kuss, mehr nicht. Tim hat sofort ein schlechtes Gewissen und bittet Therese, niemandem davon zu erzählen. Aber auch sie fühlt sich schuldig und vertraut sich ihren Freundinnen an. Ihre Freundinnen erzählen es weiter, und nach ein paar Tagen ist das Gerücht in der ganzen Schule bekannt.

Als Tove davon erfährt, rastet sie völlig aus. Mitten in der Schule greift sie Tim körperlich an: Sie beißt ihn in den Arm, schlägt und boxt ihn, bis er einen Vorderzahn verliert. Sie schreit, sie werde sich vor eine U-Bahn werfen, und stürmt davon. Am selben Tag schickt sie ihm eine SMS: „Du bist durch und durch unehrlich.

Ich kann dir nie wieder vertrauen. “ Sie macht Schluss. Im Mai ist Tove auf Klassenfahrt, und Tim ist am Boden zerstört. Seine Eltern versuchen, ihn zu trösten, aber er schwört, dass er Tove zu sehr liebt und alles tun wird, um sie zurückzugewinnen.

Als sie zurückkommt, sucht er das Gespräch. Er bittet sie um eine zweite Chance – und sie gibt sie ihm. Es scheint, als hätte Tove ihm den Seitensprung verziehen. Alles ist wieder normal, bis zu einem Kinobesuch am 22.

Mai. Dort sprechen die beiden zum ersten Mal aus, dass Therese sterben soll. Ein paar Tage später schickt Tove Tim eine SMS. Sie sei auf dem Heimweg von der Schule und sei zufällig Therese in der U-Bahn begegnet.

Sie schreibt: „Ich halte es nicht aus, hier drei Sitze von ihr entfernt zu sitzen. Sie muss sterben. “

Der 6. Juni bricht an.

Tim zieht von Feier zu Feier, erst zu einem Verwandten, dann zur alten Skisprunganlage in Skärholmen, wo sich ein paar Dutzend Jugendliche treffen. Auch Therese ist da, mit ihrer Freundin. Sie haben sich extra schön gemacht und heimlich Wodka und Zigaretten besorgt. Sie ahnen nichts von der Gefahr.

Noch am Nachmittag hat Tim Tove geschrieben: „Wenn sie hier ist, schaffe ich es heute Abend. “

Auf der Party scheint alles friedlich. Die Jugendlichen feiern ausgelassen. Gegen Mitternacht geht Tove nach Hause, Tim bleibt.

Auch Therese ist noch da. Sie sagt ihren Freundinnen, dass sie kurz in den Wald geht. Tim bietet sich an, sie zu begleiten. Er sagt, er wolle unter vier Augen noch einmal über alles reden, was zwischen ihnen passiert ist.

Therese willigt ein. Die beiden verschwinden ein paar hundert Meter von der Party. Therese kommt nicht zurück. Ihre Freundinnen machen sich Sorgen, teilen sich auf und suchen sie zwischen den Bäumen.

Plötzlich hören sie einen Schrei: „Sie ist hier! “ Eine Freundin eilt herbei und kann kaum fassen, was sie sieht. Therese liegt auf dem Waldboden, Blut läuft ihr Gesicht herunter, ihre Haut ist blau angelaufen. Sie bewegt sich nicht.

Die Jugendlichen rufen sofort Polizei und Krankenwagen. Im Krankenhaus versuchen die Ärzte, ihr Leben zu retten, doch sie stirbt kurz nach ihrer Einlieferung. Therese wurde mit einem Ast gegen den Kopf geschlagen und dann gewürgt. Die Polizei befragt die Jugendlichen noch am Tatort.

Alle sagen dasselbe: Es gibt nur eine Person, mit der Therese zuletzt gesehen wurde – Tim. Er und Tove werden schnell festgenommen. Tim gesteht in der Vernehmung, er habe Therese umgebracht, weil er unter enormem Druck gestanden habe. Druck von Tove.

Sie habe ihn immer wieder gedrängt, Therese „endgültig auszuschalten“. Er behauptet, sie habe ihm ein Ultimatum gestellt, als sie Ende Mai nach Paris in den Urlaub fuhr: Bis sie zurück sei, müsse Therese tot sein, sonst mache sie Schluss. Sie schrieb ihm sogar: „Du weißt, was du am Wochenende zu tun hast. “ Er antwortete: „Ich schaffe das nicht.

Ich halte diesen Druck nicht aus, dass ich es tun muss, bevor du nach Hause kommst. “ Aber als Tove zurückkehrte, lebte Therese noch. Danach gab Tove ihm eine letzte Chance – und die nutzte er dann auch. Tim gibt außerdem zu, dass er die Kontrolle verlor: „Wenn ich wütend werde, kann ich mich nicht mehr kontrollieren.

Das ist schon so, seit ich klein war. “ Er habe Therese geschlagen und getreten, erst mit einem Ast, dann mit bloßen Händen. Zwischen den Schlägen habe sie ihn gefragt, was er da tue. Er habe einfach weitergemacht.

Das Schlimmste: Als Tim davonlief, lebte Therese noch. Er hätte Hilfe holen können, die Party war nur ein paar hundert Meter entfernt. Stattdessen rannte er nach Hause, nahm unterwegs sogar einen Anruf seiner Mutter entgegen und sagte ihr ruhig, er sei gleich da. In den frühen Morgenstunden telefonierte er mehrfach mit Tove, die ihn beruhigte, ihr Plan werde schon aufgehen.

Doch am Morgen des 7. Juni steht die Polizei bei beiden vor der Tür. Tove bestreitet zunächst alles, gibt aber später zu, von Tims Plänen gewusst zu haben – sie habe nur nicht geglaubt, dass er es wirklich durchziehen würde. Die SMS-Verläufe zeigen, wie beide einander ständig Eifersucht und Verzweiflung schrieben.

Sie drohten einander sogar mehrfach mit Suizid. Tim schrieb einmal: „Ich könnte töten, um dich zurückzubekommen. Ohne dich sterbe ich selbst. “ In einer anderen SMS an Tove heißt es: „Ich weiß genau, was ich tun werde.

Werde sie bitten, mir zu helfen, mein Wodka zu finden. Und dann kommt der perfekte Moment, wenn sie sich bückt. “

Der Prozess beginnt schon am 19. August 2009, nur zwei Monate nach dem Mord.

Tim bricht während seiner Aussage weinend zusammen und muss mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Gutachten stellt fest, dass keiner der beiden zum Zeitpunkt der Tat psychisch beeinträchtigt war. Im juristischen Sinne sind das ganz normale Teenager – voll schuldfähig. Deshalb ist das Urteil für viele ein Schock: Tim wird wegen Mordes an Therese verurteilt, Tove wegen Anstiftung.

Beide bekommen ein Jahr und acht Monate Jugendstrafe in einer geschlossenen Anstalt, dazu Schadensersatz von umgerechnet etwa 13. 500 Euro. Es ist das kürzeste Mordurteil, das je bekannt geworden ist. Thereses Familie ist fassungslos.

Ihr Onkel sagt: „Die Familie ist unglaublich aufgebracht. Es fühlt sich wie eine Verhöhnung an, als würde man das Vertrauen in die Justiz verlieren. “ Eine Mitschülerin findet einen treffenden Vergleich: „Ein Jahr und acht Monate, das ist, als würden sie als Austauschschüler ins Ausland gehen. Sie werden zurück sein, bevor wir das zweite Jahr der Oberstufe beginnen.

Im Januar 2010 legt Thereses Familie Berufung ein, auch Tove hofft auf Freispruch. Doch das Berufungsgericht bestätigt das Urteil. Beide werden zu ihrem achtzehnten Geburtstag aus der Haft entlassen und können ein Erwachsenenleben beginnen – ein Leben, das Therese verwehrt geblieben ist. Der Mord an Therese Johansson Royo hat in Schweden eine große Debatte über das Jugendstrafrecht ausgelöst.

Die Eltern des Opfers fühlen sich wie vor den Kopf gestoßen, und auch viele andere fragen sich, wie man das Ende eines Menschenlebens mit einem Jahr und acht Monaten aufwiegen kann.