„Ja, geh schon raus und leg dich unters Auto, ich muss mal eben austreten“, rief ich ihr zu. Aber ich wusste genau, was ich tun würde. Als sie wieder einstieg, setzte ich mich auf die Rückbank…

„Ja, geh schon raus und leg dich unters Auto, ich muss mal eben austreten“, rief ich ihr zu. Aber ich wusste genau, was ich tun würde. Als sie wieder einstieg, setzte ich mich auf die Rückbank...

„Ja, okay, ich gebe dir jetzt ab“, sagte er. Nach zwei Monaten des Vertröstens hatte Gregor Schmidt den Mann endlich so weit. Auf dem Parkplatz der Polizei nahm er ihm die Speichelprobe ab. Der Fall, der ein ganzes Dorf über zwei Jahrzehnte in Atem gehalten hatte, stand kurz vor seiner Lösung.

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An einem Abend im Mai 1987 feierte die kleine Gemeinde Ostönnen den Aufstieg ihres Fußballvereins. In einer umgebauten Scheune wurde ausgelassen gefeiert, 120 Gäste waren geladen. Auch die 26-jährige Ursula S. war mit ihrem Verlobten gekommen.

Sie half hinter der Theke aus, tanzte, lachte. Das Paar wollte nur einen Monat später heiraten. Gegen 3 Uhr morgens verließ Ursula das Fest, um nach Hause zu gehen. Ihr Verlobter blieb zurück, um auf die Musikanlage und die Getränke aufzupassen.

Er hatte keinen Schlüssel zur Wohnung. Als er am nächsten Tag zurückkehrte, war Ursula nicht da. Er suchte sie in der Scheune, bei Freunden, überall. Erst am Abend öffneten ihm Nachbarn die Tür der gemeinsamen Wohnung.

Im Schlafzimmer fand er die Leiche seiner Verlobten. Blutüberströmt. Die Obduktion ergab: Der Täter hatte über siebzig Mal auf die junge Frau eingestochen. Die Ermittler stellten fest, dass die Tür keine Aufbruchspuren aufwies.

Ursula trug Jogginghose und T-Shirt. Sie hatte ihren Mörder offenbar hereingelassen – wahrscheinlich kannte sie ihn. Die Tatzeit wurde auf die frühen Morgenstunden zwischen 3:30 und 6 Uhr eingegrenzt. Wenn sie ihren Mörder kannte, war er vermutlich auf dem Fest gewesen.

Alle 120 Gäste wurden befragt. Doch viele konnten sich wegen des Alkohols kaum erinnern und mussten mehrfach vernommen werden. Manche bezichtigten sich sogar selbst, weil sie Angst hatten, in einem Blackout die Tat begangen zu haben. Die Kripo Dortmund setzte eine Belohnung von 3000 D-Mark aus, sammelte die Kleidung der Feiernden ein und untersuchte sie auf Faserspuren.

Ein Gast gab zunächst falsche Kleidung ab, die er mit Fotos vom Abend widerlegen konnte. Er behauptete, sich übergeben und umgezogen zu haben. Als die Ermittler seine richtige Kleidung holen wollten, hing sie bereits in der Waschmaschine – unbrauchbar für die Spurensuche. Trotz des enormen Aufwands: Der Mörder von Ursula S.

wurde nicht gefunden. Die Ermittlungen wurden eingestellt, die Akte blieb offen. Doch das Dorf fand keine Ruhe. Gerüchte und Verdächtigungen machten jahrzehntelang die Runde.

Gregor Schmidt wuchs in der Nähe auf und spielte sogar zeitweise in Ostönnen Fußball. Jahre später, bei einem Skurlaub mit der Landjugend, nahm ihn ein Betreuer zur Seite: „Du bist doch jetzt bei der Polizei. Sieh zu, dass du nach Dortmund kommst, zur Mordkommission, und diesen Fall neu aufrollst. Damit dieser Ort endlich zur Ruhe kommt.

2008 wechselte Gregor Schmidt tatsächlich zur Mordkommission nach Dortmund. Am ersten Tag erklärte ihm sein Dienststellenleiter, dass jeder Sachbearbeiter eine Patenschaft für einen ungeklärten Altfall übernehmen müsse. Schmidt meldete sich sofort für den Fall Ursula S. Zusammen mit seinem Team befragte er alle Zeugen von damals erneut.

Zeitgleich erhielt Hauptkommissar Norbert Krüger den Auftrag, alle Asservate mit den neuesten technischen Methoden zu untersuchen. Die Staatsanwaltschaft wollte den Fall endgültig abschließen. Krüger bekam grünes Licht, auch wenn die Untersuchungen die Beweismittel unwiederbringlich zerstören könnten. Das sogenannte Ethanol-Verfahren sollte angewendet werden.

Die Asservate – darunter eine gelbe Wolldecke vom Bett und die Jogginghose des Opfers – wurden in Plastikbeutel gelegt und mit Ethanol ausgewaschen. Über Monate hinweg arbeiteten die Experten im Labor, mussten zunächst die dominierenden Blutspuren des Opfers herausschneiden. Jedes Teil wurde abgeklebt, zerteilt, nummeriert und gewaschen. Im Dezember 2008 war es geschafft.

An mehreren Gegenständen wurden DNA-Spuren einer unbekannten männlichen Person gefunden. Die Hauptspur befand sich auf der gelben Wolldecke – mit dem höchsten biostatistischen Wert. Die Ermittler stellten eine Liste mit 14 möglichen Tatverdächtigen auf. Dreizehn von ihnen gaben freiwillig Speichelproben ab.

Nur einer nicht: Thomas R. Er erklärte, er habe keine Zeit. Seine Frau dürfe nichts davon erfahren. Zwei Monate lang ließ er die Ermittler auflaufen.

Eines Abends rief Schmidt ihn an und machte klar: „Wenn Sie jetzt nicht freiwillig eine Probe abgeben, besorge ich mir einen Beschluss vom Amtsgericht. Dann komme ich auch abends – und Ihre Frau und Ihre Mutter werden es mitbekommen. “ Da gab Thomas R. nach.

Während des Verfahrens meldete sich ein Anwohner aus Ostönnen bei den Ermittlern. Er hatte in der Tatnacht einen lauten Schrei aus Richtung der Tatortwohnung gehört. Am selben Tag habe er Thomas R. mehrfach die Straße rauf- und runtergehen sehen, immer wieder in Richtung Tatort blickend.

Vorher habe er ihn dort nie gesehen. Im Februar 2009 kam das Ergebnis: Die DNA-Spur von der gelben Decke stimmte mit der DNA von Thomas R. überein. Der 40-jährige Familienvater, ein beliebter und erfolgreicher Fußballspieler im Ort, war der Mörder von Ursula S.

Der Haftbefehl wurde vollstreckt. Thomas R. bestritt die Tat zunächst nicht, begann zu weinen, schwieg dann aber bis zum Prozess. Im Herbst 2009 wurde er vor der Jugendkammer des Landgerichts Arnsberg angeklagt, da er zur Tatzeit 18 Jahre alt war.

Er verweigerte jede Aussage. Die Richter waren dennoch überzeugt: Thomas R. hatte das Fest verlassen, war zu Ursulas Wohnung gegangen, um sie zu vergewaltigen. Als sie sich wehrte, schlug er sie bewusstlos und stach anschließend siebzig Mal auf sie ein, um seine Tat zu vertuschen.

Er wurde wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. „Man redet immer davon, dass dieser Fall 30 Jahre alt ist“, sagte Gregor Schmidt. „Aber wenn man es hinkriegt, dass er geklärt wird, merkt man, wie wichtig es für die Angehörigen ist. Nach so vielen Jahren zu erfahren, dass der Täter gefasst wird – das ist eine gute Sache.

Andere Fälle ließen die Ermittler nicht los. Im baden-württembergischen Heidenheim verschwand am 11. März 1983 die 18-jährige Sabine Rahn. Sie wollte ihre Schwester und Freundinnen in der Innenstadt treffen, kam aber nie an.

Zwei Tage später fanden spielende Kinder ihre Leiche in einem Waldstück bei Natheim – zunächst hielten sie sie für eine Puppe. Die Obduktion ergab: Sabine war erwürgt worden, vor ihrem Tod kam es zum Geschlechtsverkehr. Der Täter hatte kontrolliert gehandelt, keine unnötige Gewalt angewendet. Die Ermittler sicherten eine DNA-Spur und fremdes Blut, doch in den 1980er Jahren half das kaum weiter.

Erst mit den modernen Methoden konnte Jahrzehnte später bestimmt werden: Der Täter hatte blonde Haare, blaue Augen und helle Haut. Kriminalhauptkommissar Manuel Köhler übernahm 2022 den Fall erneut. Etwa 800 Personen wurden überprüft, unzählige Hinweise bearbeitet. Eine Anwohnerin hatte damals Schreie gehört und ein Auto mit hoher Geschwindigkeit davonfahren sehen.

Doch der Täter von Sabine Rahn wurde trotz aller Bemühungen nicht gefunden. „Mord verjährt nicht“, sagte Köhler. „Ich glaube daran, dass dieser Fall gelöst werden kann. “

In Knittelfeld in der Steiermark wurde der Briefträger Johann Fritz am 2.

Dezember 1975 brutal niedergeschlagen. Er trug Renten aus und klammerte sich sterbend an seiner Geldtasche fest. Obwohl er 900. 000 Schilling bei sich hatte, erbeutete der Mörder nur einen Bruchteil.

Der Familienvater erlag am nächsten Tag seinen Verletzungen, ohne dass seine Frau ihn noch einmal sehen durfte. Seine Witwe Aloisa wurde von den Ermittlern hart angegangen. „Sie lügen“, habe man ihr vorgeworfen, als sie sagte, die Familie habe keine Feinde. „Wir haben wirklich keine Feinde gehabt“, betonte sie noch Jahrzehnte später.

Ein 18-jähriger Gymnasiast geriet in Verdacht, weil seine Jeans Blutspuren aufwies – Blut der Gruppe B, wie es auch Johann Fritz hatte. Doch der Schüler wurde freigesprochen. Erst 2022 stellte sich heraus: Das vermeintliche Blut war vermutlich Schlamm. In einem Stofftaschentuch vom Tatort fanden die Ermittler DNA-Spuren eines unbekannten Mannes.

Das BKA sucht bis heute nach ihm. In Thüringen verschwand kurz vor Weihnachten 2010 die hochschwangere Bianca P. Eine Freundin wurde misstrauisch, als eine SMS ankam, sie sei mit einem Freund nach Dänemark gereist, um dort ein neues Leben zu beginnen. In ihrer Wohnung fanden die Beamten ihr Zahnputzzeug, aufgetautes Fleisch in der Küche – alles deutete auf ein abruptes Verlassen hin.

Der Verlobte Jens J. war der Vater des ungeborenen Kindes. Er führte ein Doppelleben: Er war bereits verheiratet, seine Frau erwartete ebenfalls ein Kind. In der Garage der Familie wurde Biancas Handtasche mit Ausweis, Führerschein und Schwangerschaftsausweis gefunden.

Jens J. erzählte eine Geschichte von einem tragischen Unfall. Doch die Obduktion zeigte: Bianca wurde Opfer massiver Gewalt, erdrosselt und geschlagen. Sie hatte sein Doppelleben entdeckt und Kontakt zu seiner Frau aufnehmen wollen – da überredete er sie zu einem letzten Treffen.

Ihr Todesurteil. Die Beamten fanden ihre Leiche unter Steinen und Ästen im Flussbett. Jens J. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

In Norddeutschland verschwand die 15-jährige Sandra C. im August 2004 nach einem Treffen auf dem Schulhof. Sechs Wochen später wurde ihre Leiche an einem Regenrückhaltebecken gefunden. Der Fall blieb zwei Jahre lang ungelöst.

Dann wurde der 41-jährige Erntehelfer Dirk W. in seinem Auto erschossen – viermal aus nächster Nähe in den Kopf. Ein entscheidendes Plastikteil am Tatort führte die Ermittler zu Stefan B. , einem 21-jährigen Erntehelfer.

Er gab zunächst an, von Dirk W. genötigt worden zu sein. Doch ein Überwachungsvideo widerlegte seine Aussage: Stefan B. war bereits 15 Minuten vor dem Opfer am Tatort vorbeigefahren.

Die Wahrheit war erschreckend. Stefan B. war wegen einer abfälligen Bemerkung über sein Auto so wütend gewesen, dass er beschloss, den nächsten Vorbeifahrenden zu erschießen. Er wartete am Ortsausgang, überholte Dirk W.

, bremste ihn aus und schoss ihm in den Kopf. „Wenn es eine Frau mit Kindern gewesen wäre, hätte ich Abstand genommen“, sagte er. Doch dann erinnerte sich Kriminalhauptkommissar Marco Klein: Stefan B. war im Fall Sandra C.

als Zeuge vernommen worden. Er hatte in derselben Nacht mit dem Mädchen gefeiert. Unter Druck brach Stefan B. zusammen und weinte: „Ich habe sie erdrosselt.

Um seine Wut loszuwerden, hatte er Sandra unter einem Vorwand ins Auto gelockt. Auf einem Feldweg würgte er sie. Dann entsorgte er ihre Leiche am Regenrückhaltebecken. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und in eine Psychiatrie eingewiesen.

„Es hätte vielleicht weitergehen können“, hatte er gesagt.