Am 1. Februar 1986 fanden die Bewohner eines Wiener Mietshauses Blutspuren, die bis zur Decke reichten – über zwei Liter menschliches Blut. Doch von einem Opfer fehlte jede Spur. Dann verschwand…

Am 1. Februar 1986 fanden die Bewohner eines Wiener Mietshauses Blutspuren, die bis zur Decke reichten – über zwei Liter menschliches Blut. Doch von einem Opfer fehlte jede Spur. Dann verschwand...

Am 1. Februar 1986 wurden die Bewohner eines Mietshauses in der Lessingasse im Wiener Bezirk Leopoldstadt mit einer grausigen Entdeckung konfrontiert. Im Treppenhaus fanden sich zahlreiche Blutspuren, die bis zu einer Höhe von drei Metern reichten. Die herbeigerufenen Forensiker kamen zu dem Schluss, dass hier mindestens zwei Liter menschlichen Blutes vergossen worden waren.

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Einen so großen Blutverlust überlebt niemand. Doch eine Leiche gab es nicht – nur eine Aktentasche voller blutdurchtränkter Tücher. Die Ermittler der Wiener Mordkommission unter der Leitung von Hofrat Josef Siska standen vor einem Rätsel: Mord ohne Leiche. Die Bewohner des Hauses, die vorwiegend aus Ungarn stammten, berichteten von einem Besucher, der am Vortag dort gewesen sein soll.

Es handelte sich um den 34-jährigen Ungarn Laszlo S. , einen Mann mit einer ungewöhnlichen Persönlichkeit. Er gab sich als Dr. S.

aus, behauptete, ein finnischer Sportarzt, Physiotherapeut und Sportler zu sein, und betrieb ein Fitnessstudio im zweiten Bezirk. In der Schweiz war er bereits wegen Diebstahls, Betrugs und Fälschungen polizeilich in Erscheinung getreten. Er fuhr einen BMW mit Schweizer Kennzeichen, was seinen Status bei den Bewohnern des Hauses offenbar erhöhte. Doch Laszlo S.

war wie vom Erdboden verschwunden. Sowohl er als auch sein BMW wurden nicht gefunden. Eine Meldung vom Flughafen Wien-Schwechat brachte die Ermittler schließlich weiter: Der BMW von Laszlo S. wurde dort entdeckt.

Im Auto fanden sich blutige Verschmierungen am Lenkrad. Die Beamten vermuteten, die Leiche im Kofferraum zu finden – doch der Kofferraum war leer. Mithilfe von Interpol konnte die Blutgruppe von Laszlo S. mit den Blutspuren aus dem Treppenhaus abgeglichen werden – es gab eine Übereinstimmung.

Jetzt war klar: Laszlo S. war offenbar der Tote. Aber wo war er? Die Ermittler befragten erneut die Bewohner des Hauses und stießen auf eine Familie, deren 17-jährige Tochter Sibille eine Beziehung zu Laszlo S.

gehabt hatte. Sibille hatte in seinem Fitnessstudio gearbeitet und war von ihm so beeindruckt gewesen, dass sie eine intime Beziehung mit ihm eingegangen war. Doch Sibille hatte bereits einen Freund, den 24-jährigen Ex-Polizisten Roland K. Dieser hatte ihr einen Urlaub in Spanien gebucht, doch Sibille war stattdessen mit Laszlo S.

verreist. Roland K. kündigte an, um Sibille zu kämpfen. Er geriet schnell in Verdacht, Laszlo S.

getötet zu haben. Zwar präsentierte er der Polizei ein Alibi für die Tatnacht, doch dieses stellte sich als falsch heraus. In seiner Wohnung wurde zudem blutdurchtränkte Kleidung gefunden. Der Durchbruch kam durch eine erneute Befragung von Sibille.

Sie berichtete von einem Zusammentreffen der beiden Männer wenige Tage vor dem Mord. Roland K. war bei ihr zu Besuch, als Laszlo S. an der Tür klingelte.

Sibille versteckte Roland im Bad, doch Laszlo ging ebenfalls dorthin und traf auf seinen Konkurrenten. Mit brutalen Worten warf er Roland aus der Wohnung. Dabei machte Laszlo einen verhängnisvollen Fehler: „Du kannst die Sibille nach einiger Zeit wieder haben. Sie ist jetzt für mich da, und wenn ich sie nicht mehr möchte, dann kannst du sie ja wieder zurückhaben.

“ Diese Worte verletzten Roland zutiefst. Roland K. gestand schließlich die Tat. Er hatte gewusst, dass Laszlo S.

am Abend des 31. Januar Sibille besuchen würde. Er selbst hatte stundenlang im Treppenhaus gesessen und eine Flasche Schnaps getrunken. Gegen 2 Uhr morgens kam Laszlo aus Sibilles Wohnung.

Roland griff ihn mit der Schnapsflasche an und schlug ihm mehrfach auf den Kopf. Die heftigen Schläge erklärten die Blutspritzer, die bis an die Decke reichten. Nach der Tat ging Roland zu Sibille, gestand ihr den Mord und bat sie, ihm zu helfen, das Blut zu beseitigen. Doch Sibille lehnte ab und sagte zunächst kein Wort davon.

Roland K. schleifte die Leiche in den BMW und brachte ihn zum Flughafen Schwechat, um den Anschein zu erwecken, Laszlo wäre verreist. Später gab er an, die Leiche in einen Bach in der Nähe von Schwechat geworfen zu haben. Eine große Suchaktion blieb ohne Erfolg.

Schließlich rückte Roland mit der Wahrheit heraus: Er hatte die Leiche zu einer Mülldeponie gebracht. Die Beamten gruben an der von ihm bezeichneten Stelle und fanden tatsächlich den Toten. Im Juni 1986 wurde Roland K. vom Landesgericht Wien wegen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Die junge Sibille blieb mit einer Erfahrung zurück, die sie ihr ganzes Leben belasten würde. Ein völlig anderer Fall ereignete sich in Hamburg. Am 26. August 2018, kurz vor Mitternacht, hielt ein hellblauer Bentley an einer Ampel nahe der Reeperbahn.

Ein anderes Auto hielt direkt daneben, fünf Schüsse fielen, alle trafen den Fahrer des Bentleys. Es war Dariusch F. , der 38-jährige Chef der Hamburger Hells Angels. Er überlebte schwer verletzt, ist seitdem querschnittsgelähmt.

Der Verdacht fiel schnell auf Aras R. , den Vizechef der rivalisierenden Rockergang „Mongols“, der damals in Haft saß. Zwischen den beiden Gangs hatte es seit Jahren Spannungen und Provokationen gegeben. Im Juni 2016 waren Aras R.

und seine damalige Freundin Lisa S. in deren Einfamilienhaus überfallen und angeschossen worden. Lisa S. wurde lebensgefährlich verletzt.

Die Familie R. machte die Hells Angels dafür verantwortlich. Die Ermittler der Soko Rocker kamen den Tätern durch akribische Arbeit auf die Spur. Ein Zeuge konnte das Fluchtfahrzeug als weißen Mercedes Coupé identifizieren.

Überwachungskameras zeigten das Auto in den Tagen vor der Tat an Orten, an denen sich Dariusch F. aufhielt. Über ein Kennzeichenfragment konnten die Beamten das Fahrzeug ausfindig machen. Die Observationsmaßnahmen führten zu Lisa S.

, die das Auto fuhr. Sie besuchte Aras R. regelmäßig im Gefängnis. Am 3.

September 2018 wurde der Besucherraum verwanzt. In dem Gespräch unterhielten sich die beiden über die Tat und bezeichneten sich selbst als „richtige Gangster wie Bonnie und Clyde“. Lisa S. wurde festgenommen.

Auf ihrem Handy fanden die Beamten SMS-Nachrichten an Aras R. , die sie über den RTL-Teletext auf seinen Fernseher in der JVA geschickt hatte. Am Tattag schrieb sie ihm: „Schatz, ich habe das schönste Kleid gefunden. Zu schön.

“ Damit hatte sie verklausuliert ausgedrückt, dass Dariusch F. gefunden worden war und die Tat ausgeführt werden würde. Die Beamten fahndeten nach dem Schützen. In dem abgehörten Gespräch erwähnte Aras R.

zwei Brüder, und Lisa S. sprach von einem Schützen mit auffälligem Aussehen. Die Ermittler stießen auf zwei Brüder aus Bulgarien, die zuvor mit Aras R. in Haft gesessen hatten.

Deren Komplize Anel I. passte genau auf die Beschreibung des Schützen: Er war als Kind Opfer eines Stromschlags geworden und hatte schwere Verbrennungen im Gesicht. Anel I. wurde in Sofia festgenommen.

Er gestand die Tat und belastete Aras R. und dessen Vater Toriali schwer. Toriali, ein 71-jähriger Taxifahrer, hatte ihn beauftragt, Dariusch F. zu erschießen, weil dieser „damals auf meinen Sohn geschossen“ habe.

Wenn er jünger wäre, hätte er die Tat selbst ausgeführt. Anel I. gab an, er habe erst kurz vor der Tat gewusst, um wen es geht, und sei nur nach Bulgarien zurückwollen. Die Aussagen wurden durch Verkehrs- und Standortdaten bestätigt.

Aras R. wurde wegen Auftragsmordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, sein Vater zu neuneinhalb Jahren und Anel I. zu sechs Jahren und neun Monaten in einer forensischen Klinik. Ein weiterer Fall führte die Ermittler nach Rotenburg an der Wümme.

Am 9. Januar 2017 wurde der 47-jährige Albaner Q. auf dem Weg zum Supermarkt von einem vorbeifahrenden Motorrad aus mit zwölf Schüssen attackiert. Er überlebte zunächst schwer verletzt, starb aber vier Tage später im Krankenhaus.

Zeugen berichteten von zwei Männern auf dem Motorrad, eine Frau konnte sich das Kennzeichen merken. Kommissar Christian Waschke und sein Team stießen schnell auf den Hintergrund der Tat: Q. hatte 2011 in Albanien einen Mann getötet und stand seitdem im Verdacht, im Fokus einer Blutrache zu stehen. Die Familie des Getöteten hatte am Grab Blutrache geschworen.

Der Verdacht fiel auf den Cousin des Getöteten, Florian F. , einen 23-jährigen Albaner, der in Hannover lebte. Die Ermittler werteten 42 Millionen Funkzellendaten aus und konnten drei Handys identifizieren, die von den Tätern genutzt wurden. Am Lenker des Motorrads wurde DNA von Florian F.

gefunden. In einer abgehörten Unterhaltung in einem Auto belastete er sich selbst. Bei seiner Festnahme gestand er, das Motorrad gefahren zu haben, und belastete seinen Cousin Paulin P. als Schützen.

Paulin P. wurde jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Florian F. wurde im März 2018 wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Im Oktober 1995 verschwand in Bozen in Südtirol die Prostituierte Heidi Niederbacher nach einer Verabredung mit einem Freier namens Erich. Zwei Kolleginnen meldeten sie als vermisst. Die Ermittlungen führten zu Ernst Schrott, einem 51-jährigen Landarbeiter, der in einer Baracke hauste. Bei einer Durchsuchung seiner Hütte fanden die Ermittler ein Lederetui mit einem Zettel, auf dem der Name einer weiteren vermissten Prostituierten stand: Petra Lunardi, die seit Februar 1993 verschwunden war.

Kommissar Alexander Zelger überführte Schrott schließlich mit einer List. Er versprach ihm, dass er heute nicht ins Gefängnis kommen würde, wenn er die Wahrheit sage. Schrott gestand, beide Frauen getötet zu haben. Petra Lunardi hatte er nach einem Streit geschlagen, bis sie nicht mehr reagierte, und ihre Leiche in den Tiesener Bach geworfen.

Heidi Niederbacher hatte er ebenfalls erschlagen und ihre Leiche im Flussbett des Finsterbachs mit Steinen abgedeckt. Die Leiche von Heidi wurde gefunden, die von Petra nie. Schrott wurde 1996 wegen Totschlags zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, im Fall von Petra Lunardi reichte es ohne Leiche nicht zu einer Verurteilung. Ein besonders außergewöhnlicher Fall beschäftigte die Frankfurter Mordkommission ab Oktober 2019.

Die 43-jährige Irina U. wurde zuletzt am 23. Oktober gesehen. Ihr Ehemann Stefan U.

meldete sie als vermisst, gab an, sie sei nach einem Streit nicht nach Hause gekommen. Die Ermittler fanden schnell heraus, dass Stefan U. eine Geliebte hatte, die er im Handy als „Baby“ mit Herzchen gespeichert hatte. Drei Tage später übernachtete die Geliebte mit ihren zwei Kindern in der ehelichen Wohnung.

Stefan U. wirkte bei der Vernehmung ungewöhnlich ruhig und gefasst. Die Ermittler kamen auf die Idee, die Müllpresscontainer an seinem Arbeitsplatz zu überprüfen. Es stellte sich heraus, dass Stefan U.

nur wenige Stunden nach der Vermisstenmeldung eine Abholung des Containers beauftragt hatte – der Inhalt war bereits verbrannt. In der Müllverbrennungsanlage durchsuchten Ermittler wochenlang die Schlacke und fanden tatsächlich drei menschliche Knochenfragmente. Die DNA-Analyse bestätigte: Es war die DNA von Irina U. In WhatsApp-Nachrichten an seine Geliebte hatte Stefan U.

am Morgen nach der Tat geschrieben: „Ich glaube, dass meine Frau schon komplett weg ist. “ Er hatte seiner Geliebten außerdem ein goldenes Herz geschenkt, das zuvor seiner Frau gehört hatte. Stefan U. wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

In Helmstedt in Niedersachsen wurde im November 2020 die 34-jährige Anne-Katrin S. tot in ihrem Bett aufgefunden, mit 21 Schnitt- und Stichverletzungen. Ihr Ehemann Marco S. gab an, sie so vorgefunden zu haben.

Die Ermittler fanden schnell heraus, dass Marco S. eine Affäre hatte, die angeblich beendet war, aber heimlich weiterging. In WhatsApp-Verläufen zwischen Marco und seiner Geliebten wurde deutlich, dass sich beide mit dem Thema „Ehefrau muss weg“ beschäftigt hatten. Marco hatte sogar von Vergiftung und einem Auftragskiller gesprochen.

Sein Verhalten nach der Tat war auffällig: Er nahm nicht am Trauergottesdienst teil, tapezierte kurz nach der Tat das Schlafzimmer und entfernte alle Fotos seiner Frau aus der Wohnung. Anhand eines elektronischen Türöffners am Arbeitsplatz konnte nachgewiesen werden, dass Marco S. den Tatort in der Tatzeit verlassen hatte. Das Gericht rekonstruierte, dass er seine Frau vor der Arbeit tötete und nur zurückkehrte, um Spuren zu beseitigen.

Er wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Ein Mordfall, der erst nach 16 Jahren gelöst wurde, beschäftigte die Düsseldorfer Mordkommission. Am 1. Februar 2007 wurde die 47-jährige Claudia K.

in ihrer Wohnung in Heiligenhaus bei Düsseldorf tot aufgefunden. Sie lag blutüberströmt in der Küche, eine Plastiktüte über dem Kopf. Ihr 14-jähriger Sohn fand sie, als er aus der Schule kam. Der Angriff war unvermittelt gekommen, Claudia hatte keine Chance gehabt.

Der Verdacht fiel auf ihren Ex-Mann Hartmut K. , von dem sie sich ein Jahr zuvor getrennt hatte. Er hatte die Trennung nicht verkraftet und soll gedroht haben: „Wenn das nicht mehr klappt mit uns, dann passiert hier irgendwas. “ Doch Hartmut K.

hatte ein wasserdichtes Alibi für den Tatzeitpunkt. Wenige Tage nach dem Mord erschoss er sich. Die Ermittlungen verliefen im Sande, der Fall wurde zu einem Cold Case. Im Jahr 2023 wurden die Asservate erneut untersucht.

An den Klebestreifen, mit denen die Kleidung von Claudia abgeklebt worden war, fanden Wissenschaftler eine DNA-Spur. Sie gehörte Sven K. , einem Bekannten von Hartmut K. , der damals ausgesagt hatte, Claudia nie gekannt zu haben und nie in ihrer Wohnung gewesen zu sein.

Die Ermittler stellten fest, dass Sven K. zur Tatzeit eine Schulung besucht hatte – er war Ende 2006 bis Ende 2007 für elf Tankstellenüberfälle verantwortlich gewesen. Er wurde wegen Mordes an Claudia K. angeklagt.

Die Ermittler sind sich sicher, dass Hartmut K. ihn beauftragt hatte, seine Frau zu töten. Sven K.

wurde vom Landgericht Düsseldorf zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.