„Selbst im Dezember sparen wir richtig Geld”, sage ich zu mir selbst, während ich über das triste Gemüsebeet blicke. Es ist frisch, es ist kalt, aber wer genau hinschaut, findet wahre Schätze. Also los, wir gehen auf Ernterunde. Der erste Fund ist ein Blumenkohl.

Er ist nicht mehr der Größte, den Großteil haben wir längst gegessen, aber heute kommt er in ein Curry mit Quinoa, Hokkaido-Kürbis und ganz viel Gewürzen. Super, oder? Meine Stimme ist etwas heiser – mich hat eine Erkältung erwischt. Wer kein Hühnchensuppe mag, macht sich einfach eine Suppe aus Brokkoli und Linsen.
Die hilft genauso gut. Und genau dafür hole ich mir nachher noch Brokkoli. Unsere Brokkoli-Sorte hat übrigens einen tollen Trick: Wir schneiden den Strunk schräg ab, und aus den Seiten wachsen immer wieder neue Röschen nach. Wenn man fünf bis zehn Pflanzen stehen lässt, bekommt man noch ein, zwei Mahlzeiten extra.
Das ist echtes Gartenglück. Jetzt aber zu den Kartoffeltonnen. Zwischen all dem anderen Gemüse steckt auch noch Chinakohl. Die erste Frostwelle hatten wir schon, jetzt heißt es: abernten, solange es geht.
Und auch wenn er äußerlich nicht so hübsch aussieht – man muss ihn nur auspacken wie ein Weihnachtsgeschenk. Ob als Kimchi, gedünstet in der Pfanne oder als Rohkostsalat mit Zitrone, Joghurt und Gewürzen – der Chinakohl schmeckt einfach richtig gut. Und dann der Rosenkohl. Sobald die Ernte beginnt, muss für uns Weihnachten sein.
Diese kleinen Kügelchen sind Tradition. Ich freue mich jedes Jahr darauf. Weiter geht’s im Gemüsebeet. Hier wachsen Haferwurzeln, ein eher unbekanntes Wurzelgemüse.
Ich lockere den Boden mit meinem Multispalter an, damit die Wurzel nicht abbricht. Und dann: knack. Sieht erstmal etwas wild aus, aber nach dem Abspülen sieht man, wie schön sie ist. Mit dem Sparschäler schälen, in die Pfanne, und schon hat man etwas Feines mit Zitrone und Kräutern.
Passt prima zu Quinoa. In den Beeten wartet auch der winterharte Porree. Den können wir bis in den März, sogar bis in den April ernten. Immer die größten Stangen nehme ich für Suppen oder Gemüsegerichte.
Das Beste: Wühlmäuse meiden Zwiebelgewächse. Hier gibt es also kaum Probleme. Für heute Abend brauche ich noch grüne Blätter – Spinat. Beim Ernten muss man schon ein bisschen selektieren, ein paar Frostschäden sind da, aber es ist immer noch genug da.
Die frischen Blätter kommen heute ins Curry. Wenn man über die Beete blickt, sieht der Garten im Dezember ziemlich trist aus. Aber man muss nur genauer hinsehen, und überall verstecken sich noch farbige, knackige Blätter – selbst beim Mangold in den Herzen. Es ist ein Kreislauf.
Jetzt rüber auf den Acker. Dort steht der Thymian. Im März gesät, im Mai gepflanzt, und er ist winterhart. Dieses Jahr habe ich ihn schon zweimal zurückgeschnitten, das Kraut getrocknet und gerebelt – einfach in Schraubgläser, fertig ist der Wintervorrat.
Aber wer genug anpflanzt, kann auch im Winter jederzeit frisch ernten. Wichtig ist nur, nicht zu tief runterzuschneiden. Und gegen meine Halsschmerzen hilft auch Salbei. Davon haben wir jede Menge gesät – es ist erstaunlich, wie einfach das geht.
Keine teuren Jungpflanzen kaufen, einfach selbst aus Samen ziehen. Die große Ernte habe ich schon hereingeholt, getrocknet und in Gläser gefüllt. Ein paar frische Spitzen nehme ich jetzt noch mit für einen Tee. Auf dem Acker gibt es noch Stangensellerie, Frühlingszwiebeln, Rosenkohl und Grünkohl.
Der Grünkohl ist hier durch Wind und Wühlmäuse umgekippt, aber das ist kein Problem. Wenn man die Blätter erntet, wachsen am Stiel immer wieder neue, zarte Blättchen nach – und die schmecken besonders roh. Gut zubereitet, sogar als Chips. Zum Schluss schauen wir noch in unseren Geodom, unserem Frühbeet.
Hier ist es richtig, richtig schön. Man kann zwischendurch eine kleine Runde meditieren und innehalten. Das ganze Grün gedeiht prächtig. Ich will euch ermutigen: Schaut, ob ihr nicht auch eine kleine sonnige Ecke habt – Gemüseanbau geht auch im Winter, und je mehr wir uns selbst versorgen, desto günstiger wird frische, gute Nahrung.
Jeder Kübel auf dem Balkon zählt. Vor zwanzig Jahren hätte ich nie gedacht, dass man im Winter Salat ernten kann oder Paprika im Freiland, aber es funktioniert. Wir nehmen euch mit.


