Der Albtraum einer Bilderbuchfamilie: Wie ein Freund zum Monster wurde und eine Zwölfjährige entführte

Es begann mit einem freundlichen Lächeln in der Kirche und endete in einem Albtraum aus Missbrauch, Erpressung und Entführung. Der Fall der kleinen Jan Broberg aus Pocatello, Idaho, ist eine der erschütterndsten Geschichten von Manipulation und Verrat, die die amerikanische Kriminalgeschichte kennt. Ein Mann, der sich als bester Freund der Familie tarnte, zerstörte systematisch das Leben der Brobergs und entführte ihre Tochter nicht einmal, sondern gleich zweimal.
Die Familie Broberg schien das perfekte Leben zu führen. Der Vater Bob betrieb einen Blumenladen, die Mutter Mary Ann kümmerte sich um den Haushalt und die drei Töchter. Jan, die am 31.
Juli 1962 geboren wurde, war ein aufgewecktes, musikalisches Mädchen, das vor Lebensfreude sprühte. Die Familie war tief in der Kirchengemeinde verwurzelt, und Mary Ann leitete den Chor. Jeden Morgen begannen sie den Tag mit dem gemeinsamen Ruf: „Heute wird ein toller Tag.
“ Doch dieses Idyll sollte im Juni 1972 jäh zerstört werden.
An einem Sonntag entdeckte Mary Ann in der Kirche eine neue Familie: die Berchtolds mit ihren fünf Kindern. Der Vater Robert, ein Mann mit hellen Augen und einem freundlichen Lächeln, gewann sofort ihr Herz. „Wir haben die netteste Familie getroffen“, erzählte sie ihrem Mann noch am selben Abend.
Die Familien freundeten sich schnell an, und Robert wurde zum ständigen Gast im Hause Broberg. Er spielte mit den Kindern, organisierte Pyjama-Partys und schien der perfekte Familienvater zu sein.
Doch hinter der freundlichen Fassade verbarg sich ein kaltblütiger Manipulator. Robert Berchtold hatte ein klares Ziel: die kleine Jan. Um sie zu isolieren, begann er zunächst, die Eltern zu umgarnen.
Er flirtete offen mit Mary Ann, machte ihr Komplimente über ihren Körper und weckte in ihr Gefühle, die sie längst vergessen glaubte. „Er hatte dieses Charisma, das Bob nicht hatte“, erinnerte sie sich später. Die Affäre begann auf einer Kirchenfahrt, und Mary Ann verfiel seinem Charme.
Doch Robert begnügte sich nicht damit, nur die Mutter zu manipulieren. Auch Bob wurde in sein Netz gezogen. Bei einem gemeinsamen Ausflug beklagte sich Robert über sein unbefriedigendes Liebesleben und bat Bob um einen intimen Gefallen.
Der Familienvater willigte ein und schuf damit eine weitere Druckwaffe für den Pädophilen. Robert hatte nun beide Eltern in der Hand und konnte sie jederzeit erpressen.
Der 17. Oktober 1974 war der Tag, an dem der Albtraum begann. Robert holte die inzwischen zwölfjährige Jan nach dem Klavierunterricht ab, um mit ihr reiten zu gehen.
Mary Ann hatte unter der Bedingung zugestimmt, dass die beiden pünktlich zum Abendessen zurück sein würden. Robert nickte und sagte: „Ich bringe sie zurück. “ Es waren die letzten Worte, die die Familie in den nächsten Tagen von ihm hörte.
Stunden vergingen, das Abendessen wurde kalt, doch Jan und Robert blieben verschwunden. Erst um 21 Uhr erschien Roberts Frau Gail an der Tür, ebenfalls aufgelöst. Sie bat die Brobergs, nicht die Polizei zu rufen – Robert würde schon zurückkommen.
Fünf Tage lang wartete die Familie, bis das FBI endlich eingeschaltet wurde. Die Beamten fanden Roberts Auto mit eingeschlagenem Fenster und Blutspuren, doch die Inszenierung war amateurhaft: Das Fenster war von innen nach außen eingeschlagen worden.
Die Ermittler waren sich schnell sicher: Robert hatte Jan entführt. Eine landesweite Fahndung wurde eingeleitet. Wochen vergingen, bis Robert sich bei seinem Bruder meldete und eine schriftliche Erlaubnis forderte, dass Jan und er in den USA heiraten könnten.
Die Wahrheit war noch grauenvoller: In Mexiko hatte der 40-Jährige die Zwölfjährige bereits geheiratet. Das FBI konnte das Gespräch orten und fand die beiden in einem Hotel in Mazatlán.
Als die Beamten den Wohnwagen stürmten, fanden sie Jan, die völlig verängstigt wirkte. Robert versuchte noch, einen Polizisten mit einem goldenen Ring zu bestechen, um zu dem Mädchen gelassen zu werden. Unglaublicherweise ging der Beamte darauf ein, und Robert konnte Jan ein letztes Mal manipulieren.
Er redete auf sie ein, sie dürfe niemandem von der „Mission“ erzählen, die in Mexiko stattgefunden hatte.
Die Mission war eine perfide Lüge, die Robert sich ausgedacht hatte. Er hatte Jan mit Schlafmitteln betäubt, gefesselt und in eine Gegensprechanlage gesprochen, die sich als „Aliens“ ausgab. Diese Stimmen befahlen Jan, ein Kind zu zeugen, um den Planeten der Außerirdischen zu retten.
Wenn sie sich weigerte, würden ihre Schwestern erblinden oder ihr Vater sterben. Robert hatte sich selbst verletzt, um die Inszenierung glaubwürdiger zu machen.
Jan glaubte jede Lüge. Sie war überzeugt, dass ihre Familie in Gefahr war, und weigerte sich nicht, als Robert sie nach Mexiko verschleppte und heiratete. Selbst nach ihrer Befreiung blieb die Angst in ihr.
Robert tauchte immer wieder nachts in ihrem Zimmer auf, schickte Liebesbriefe und drohte mit den Konsequenzen der „Mission“. Ihre Eltern waren zu verängstigt, um etwas zu unternehmen – sie wurden selbst erpresst.
Bob und Mary Ann hatten die Anzeige gegen Robert zurückgezogen, aus Angst vor der Enthüllung ihrer Affären. Robert drohte, die intimen Details öffentlich zu machen, wenn die Familie nicht kooperierte. So unterschrieben sie eine eidesstattliche Erklärung, dass Jan freiwillig mit Robert gegangen sei.
Der Entführer wurde freigelassen und konnte sich frei bewegen.
Im Sommer 1975, nur ein Jahr nach der ersten Entführung, geschah das Unfassbare: Jan verschwand erneut. Robert hatte sie aus dem Haus geholt, und diesmal dauerte es über 100 Tage, bis sie gefunden wurde. Er hatte sie unter falschem Namen an einer katholischen Mädchenschule in Kalifornien angemeldet und den Nonnen erzählt, er sei ein CIA-Agent, der mit seiner Tochter aus dem Libanon geflohen sei.
Die Nonnen glaubten ihm, und Jan blieb verschwunden, bis das FBI eine Telefonnummer zurückverfolgen konnte. Robert wurde erneut festgenommen, doch auch dieses Mal blieb die Strafe milde. Ein Gericht befand ihn aufgrund einer angeblichen geistigen Störung für nicht schuldig und wies ihn in eine Psychiatrie ein.
Nach nur sechs Monaten wurde er entlassen.
Der Albtraum für Jan endete erst an ihrem 16. Geburtstag. Bis zu diesem Tag sollte sie laut der „Mission“ ein Kind von Robert bekommen.
Als die Uhr Mitternacht schlug und nichts geschah, begann sie zu begreifen: Die Aliens, die Drohungen, die Mission – alles war eine Lüge. Robert hatte sie jahrelang manipuliert, missbraucht und kontrolliert.
Jan brach zusammen, aber dann fand sie die Kraft zu sprechen. Sie schrieb mit ihrer Mutter ein Buch, gründete die Jan Broberg Foundation und half anderen Opfern, ihre Stimme zu finden. Robert nahm sich 2005 das Leben, nachdem er eine Überdosis Medikamente geschluckt hatte.
Seine letzten Worte gehörten Jan, die ihm vor Gericht ins Gesicht gesagt hatte: „Du hast keine Seele. “
Der Fall Jan Broberg ist eine Mahnung, wie schnell Vertrauen in Missbrauch umschlagen kann. Robert Berchtold war kein Fremder, sondern der „beste Freund der Familie“. Er nutzte die Naivität der Eltern, die Liebe der Kinder und die Macht der Manipulation, um ein unvorstellbares Verbrechen zu begehen.
Jan überlebte, aber die Narben werden für immer bleiben. Ihre Geschichte ist ein Aufruf, niemals blind zu vertrauen und immer auf die leise Stimme der Warnung zu hören.


