WELCH EIN GRAUEN! Warum musste ein ahnungsloser Kollege sterben – und was geschah WIRKLICH HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN?

WELCH EIN GRAUEN! Warum musste ein ahnungsloser Kollege sterben – und was geschah WIRKLICH HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN?

Witten, Ruhrgebiet – Ein Mann wird kaltblütig hingerichtet, weil ein Pärchen glaubt, der Teufel habe es befohlen. Der Fall des Satansmordes von Witten erschüttert Deutschland und wirft Fragen nach Fanatismus, krankhaftem Narzissmus und der Grenze zwischen Wahn und bewusster Kriminalität auf. Die Tat im Juli 2001 ist ein grausames Kapitel deutscher Kriminalgeschichte, das bis heute nachwirkt.

Das Opfer ist Sven A. , ein 33-jähriger Arbeitskollege des Täters Daniel R. Er wird in eine tödliche Falle gelockt.

Unter dem Vorwand einer Abschiedsparty, da das Paar angeblich nach Transsilvanien auswandern wolle, lädt Daniel R. sein Opfer in die gemeinsame Wohnung in Witten ein. Sven A.

freut sich auf den Abend und sagt sogar bei der Arbeit Bescheid, dass er am nächsten Tag eine Stunde später kommen werde. Er ahnt nicht, dass dies sein letzter Abend sein wird.

Gegen 19:30 Uhr sitzt Sven A. ahnungslos im Wohnzimmer. Daniel R.

steht plötzlich auf, verlässt den Raum und kehrt mit einem Hammer zurück. Ohne Vorwarnung schlägt er Sven A. damit auf den Hinterkopf.

Dann befiehlt er seiner Frau Manuela, mit einem Messer zuzustechen. Die Obduktion ergibt später etwa 66 Stich- und Schlagverletzungen im Bereich des Kopfes und des Rumpfes. Die Tatwaffen sind ein Zimmermannshammer und mehrere Messer.

Nach der brutalen Tat ritzt Manuela R. ein Pentagramm in den Bauch des Opfers. Gemeinsam mit ihrem Mann spricht sie ein Gebet zu Satan.

Die beiden sind überzeugt, durch dieses Menschenopfer in Satans Armee aufgenommen zu werden. „Wir müssen hier von einer regelrechten Hinrichtung sprechen“, sagte ein Ermittler später. Der Fall macht bundesweit Schlagzeilen und löst Entsetzen aus.

Die Täter sind Daniel und Manuela R. , ein Ehepaar aus Witten. Sie haben sich ein Jahr zuvor über eine Kontaktanzeige in einer Metal-Zeitschrift kennengelernt.

Daniel R. , damals 25 Jahre alt, suchte darin nach einer Partnerin. Die drei Jahre jüngere Manuela meldete sich.

Ihre Treffen fanden an ungewöhnlichen Orten statt: Burgruinen, Friedhöfe. Was zunächst als skurril erscheint, entwickelt sich zu einer mörderischen Verbindung.

Manuela R. beschäftigt sich seit ihrer Jugend mit Okkultismus und später mit Satanismus. Sie trifft sich mit Fremden aus dem Internet auf Friedhöfen und trinkt ihr Blut.

Daniel R. ritzt sich ein umgedrehtes Kreuz in die Stirn. Beide teilen eine obsessive Faszination für das Übernatürliche und eine tiefe Verachtung für das Christentum.

Ihre Wohnung ist ein Schauplatz des Grauens: ein riesiger Sarg dient als Bett, an der Wand hängt eine Todesliste mit mehreren Namen.

Auf dieser Liste ist Sven A. mit einem grünen Haken abgehakt. Daniel R.

hatte ihn als Opfer ausgewählt, weil er einer der wenigen Menschen war, die noch regelmäßigen Kontakt zu ihm hatten. „Ich finde es total schrecklich, dass dieser eine nette Mensch, der noch Kontakt zu Daniel hielt, obwohl er im Alltag immer unangenehmer, dominanter und aggressiver wurde, am Ende als Opfer ausgewählt wurde“, sagte ein Bekannter später.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Satanismus-Szene in Deutschland. Sabine Riede, Leiterin der Sekteninfo NRW, erklärt: „Satanismus ist gar nicht so einfach zu definieren, weil es hier eher um eine Szene, um ein Milieu geht. Es gibt kommerziellen Satanismus, es gibt Satanismus nur als Protestbewegung.

Allen zusammengefasst ist etwas, was sie gemeinsam haben: Im Glaube und in der Ritualpraxis geht es gar nicht um die Verehrung von Satan, sondern darum, dass die Selbstvergottung des Menschen im Mittelpunkt steht. “

Daniel R. ist schon immer ein Außenseiter. Mit einem überdurchschnittlichen IQ von fast 140 hätte er jedes Studium problemlos bewältigen können.

Stattdessen fühlt er sich in der satanistischen Kult-Szene zuhause. „Er hat sich selbst mit seiner Großartigkeit eigentlich ins Aus geschossen und konnte damit auch, obwohl er intelligent war, nur schwer in so was wie einen Klassenverband oder einer Schule andocken“, so Riede. „In seiner eigenen Andersartigkeit, in diesem ‚ich bin großartig‘, hat er in diesem satanistischen Kult total Anklang gefunden.

Auch Manuela R. entwickelt aus einer jugendlichen Identitätskrise die Überzeugung, sie sei anders als alle anderen, geradezu grandios. „Beide haben diese narzisstischen Anteile in sich tragend.

Das bedeutet, wir haben hier zwei Personen, die sich jeder für sich schon für sehr großartig hält und die treffen aufeinander und haben so was wie ihr Gegenstück gefunden“, erklärt die Sektenexpertin.

Ihre Auslegung des Satanismus bestärkt die beiden in ihrem Handeln. „Der Mensch wird verherrlicht, einschließlich auch all seiner Schattenseiten und dunklen Seiten, und ich kann schließlich meine eigenen Wünsche ausleben, auch wenn ich damit andere verletze, ohne dass ich hier ein schlechtes Gewissen haben muss“, sagt Riede. Diese Einstellung senkt die Hemmschwelle zu töten dramatisch.

Im März 2001 hört Daniel R. angeblich Stimmen und erhält Befehle vom Satan. Vor Gericht werden beide später aussagen, sie hätten geglaubt, durch ein Menschenopfer in Satans Armee aufgenommen zu werden.

„Die waren sicherlich eine Ausnahmeerscheinung, wenn man die Brutalität der Tat ins Auge fasst. Es war aber ein gesellschaftlicher Hintergrund oder ein Zeitraum, in dem viel über Satanismus berichtet wurde“, so Riede.

Nach der Tat am 6. Juli 2001 fliehen Daniel und Manuela R. Sie planen einen Suizid, führen ihn aber nicht aus.

Stattdessen beginnt eine Jagd. Das Paar fährt mit dem Auto Richtung Sondershausen in Ostdeutschland, einer Wallfahrtsstätte für Satanisten. Sie haben eine Kettensäge und einen Benzinkanister dabei, um eine Kapelle auf einem Friedhof anzuzünden.

Unterwegs überfallen sie eine Apotheke.

Sechs Tage nach dem Mord, am 12. Juli 2001, werden die beiden in Jena gefasst. „Um 9:30 Uhr heute Vormittag endete die Flucht von Manuela und Daniel in Jena.

Im Stadtteil Mauer unweit der Autobahn 4 konnten die beiden überwältigt werden, als sie zu ihrem Wagen zurückkehrten“, berichteten die Behörden. Der helle Opel Vectra mit Aufschriften wie „Kadaververwertungsanstalt“ und „Soko Friedhof“ war bereits am Montag an einer Tankstelle in Sondershausen aufgefallen.

Die Festnahme erfolgt ohne Widerstand. „Beide haben von Anfang an zugegeben, dass sie am Freitagabend in der Wohnung in Witten den Arbeitskollegen des Herrn getötet haben. Sie haben von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass sie es waren, sie haben nichts bestritten, nichts beschönigt“, sagte ein Polizeisprecher.

Noch am Nachmittag werden sie mit einem Hubschrauber nach Bochum geflogen.

Der Prozess gegen das Paar beginnt im Januar 2002 und wird zu einer medialen Sensation. Die Täter inszenieren sich vor den Kameras. Manuela R.

präsentiert stolz ihre Tattoos, scheint den Auftritt zu genießen. „Sie hat ja gesagt, es war nichts Persönliches, wir haben den sogar ganz lieb gehabt, aber wir mussten eine Opfergabe bringen, das bedeutete für ihn doch nur, dass wir ihn von seinem schäbigen, hässlichen, menschlichen Fleisch befreit haben“, berichtete ein Prozessbeobachter.

Die Verteidigung argumentiert, die Täter hätten im Wahn gehandelt. Ein psychiatrisches Gutachten kommt jedoch zu einem anderen Schluss: „Die beiden Tatverdächtigen sind nach Einschätzung der Psychiater schuldfähig“, heißt es in einem Zeitungsbericht. „Beiden wurde attestiert, an einem krankhaften Narzissmus zu leiden.

Die Folge ist, dass das Gericht angeordnet hat, eine psychiatrische Behandlung in einem forensischen Einrichtung durchzuführen“, sagte der Verteidiger Hans Reinhardt.

Daniel R. wird zu 15 Jahren, Manuela R. zu 13 Jahren Haft verurteilt.

Die Therapie zeigt bei Manuela R. Erfolge: Sie wird nach neun oder zehn Jahren als geheilt entlassen. Daniel R.

hingegen fühlt sich in der Psychiatrie als Fremdkörper. „Er war zwei Jahre in Düren und stellte dann fest: ‚Ich weiß gar nicht, was ich hier soll. Alle um mich herum sind verrückt, aber ich bin eigentlich ganz normal‘ und ist dann wieder zurückgegangen in die JVA Bochum“, so Reinhardt.

Daniel R. sitzt seine gesamte Strafe ab, muss sogar noch ein Jahr länger im Gefängnis bleiben, weil neue Mordvorwürfe gegen ihn laut werden. Diese stellen sich jedoch als falsch heraus.

Manuela R. kann ihre Haftstrafe durch die Therapie verkürzen. Heute sind beide frei.

„Beide haben für sich ein völlig neues Leben beschritten, was sie genau machen ist geheim und bleibt völlig inkognito aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes. Sie leben in familiären Verbänden, auch an einem anderen Ort, nicht mehr hier im Ruhrgebiet und in der Umgebung“, sagte Reinhardt.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Satanismus-Szene, die sich von solchen Taten distanziert. Silence, ein moderner Satanist, erklärt: „Der moderne Satanismus ist atheistisch geprägt. Wir glauben an keinen realen Teufel und auch nicht an Gott und letzten Endes sehen wir Satan als Symbol für die Urkraft in uns selbst, die uns antreibt.

“ Er betont: „Wir Satanisten schätzen das Leben und nicht den Tod. Mit unserer Philosophie hat das rein gar nichts zu tun. “

Dennoch bleibt die Frage: War der Glaube an den Teufel echt oder nur eine Ausrede? „Der Glaube an Satan und auch an diese Möglichkeit, als Diener Satans sich immer weiter in der Grandiosität zu steigern, das war sicherlich ernsthaft und auch echt geglaubt. Aber es ist dringend nötig, das auch von einer Psychose, einer Wahnvorstellung abzugrenzen.

Das sind eher kognitive Verzerrungen, innere Einstellungen, Werte und Normen, die man so integriert hat, dass man nach denen lebt“, erklärt Sabine Riede.

Der Satansmord von Witten bleibt ein Mahnmal für die Gefahren von Fanatismus und Narzissmus. Die Tat zeigt, wie zwei Menschen, die sich für etwas Besseres halten, zu Mördern werden. „Blanker Wahnsinn, Perversion“, kommentierte ein Ermittler.

„Für mich sind diese Leute wahnsinnig“, sagte ein Nachbar. Die Justiz hat ihre Strafe gesühnt, doch das Opfer Sven A. ist für immer tot.

Seine Familie und Freunde müssen mit dem Verlust leben.

Die Ermittlungen und der Prozess haben auch die gesellschaftliche Debatte über Satanismus beeinflusst. „Es war ein gesellschaftlicher Hintergrund oder ein Zeitraum, in dem viel über Satanismus berichtet wurde, eigentlich waren die Zeitungen fast jeden Tag mit irgendeinem Thema aus diese Richtung voll, und ich denke, dass das die beiden zumindest inspiriert hat“, sagt Riede. Die Medienberichterstattung über den Fall war intensiv und oft reißerisch.

Die Täter selbst zeigten sich unbeeindruckt von der öffentlichen Aufmerksamkeit. „Unbeeindruckt vom Blitzlichtgewitter der Fotografen von den Fernsehkameras, die aus nächster Nähe auf sie gerichtet sind. Alle sind sie wegen ihr gekommen, und entsprechend setzt sie sich in Szene, präsentiert stolz ihre Tattoos.

Fast scheint sie ihren Auftritt vor den Kameras zu genießen“, beschrieb ein Journalist die Szene im Gerichtssaal.

Die Verteidigung versuchte, die Tat als Folge einer psychischen Störung darzustellen. „Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, befand er sich in einer Haftzelle in Polizeigewahrsam in Bochum. Er war am Boden angekettet, sein Kopf war kahl geschoren, es war gespenstisch.

Und die Polizei sagte auch ganz klar: Wir können ihn nicht einschätzen. Man muss ja seine Person im Lichte dieser damaligen Tatausführung sehen, und da halten wir alles für denkbar, seien sie vorsichtig“, erinnerte sich Verteidiger Reinhardt.

Die Wohnung der Täter war ein Hort des Okkulten. „Unterm Dach die Wohnung: Man geht hinein, man findet sofort einen riesengroßen Sarg, in dem die beiden als Ersatz für ein Bett geschlafen haben. An der Wand eine Todesliste mit diversen Personen namentlich erwähnt.

Der Arbeitskollege, also das Opfer dieser Tat, abgehakt mit einem grünen Haken“, berichtete Reinhardt. „An ihrem Fenster hingen Fotos von schwarzen Messen und der englische Schriftzug: ‚Wenn Satan lebt. ‘“

Die Sektenexpertin Sabine Riede analysiert die Dynamik zwischen den Tätern: „Beide haben sich gegenseitig hochgeschaukelt, jeder hatte natürlich ein Problem, nach Aussagen der Psychiater war jeder für sich narzisstisch, aber dadurch dass man zusammen gefunden hatte, hat jeder dem anderen noch die eigene narzisstische Seite mitgegeben, quasi als zweite Seele als zweiter Teil, und das Ganze gab dann die tödliche Mixtur.“

Der Fall hat auch heute noch Relevanz. Er zeigt, wie Menschen durch Ideologien und narzisstische Persönlichkeitszüge zu extremen Taten getrieben werden können. Die Justiz hat ihre Arbeit getan, doch die Frage nach der Schuld und der Verantwortung bleibt komplex.

„Ja, Menschen verdienen eine zweite Chance, aber diese Chance hatte das Opfer nicht“, resümiert ein Kommentator.

Die Geschichte des Satansmordes von Witten ist eine tragische und brutale, die zeigt, wie weit Fanatismus und Selbstüberschätzung führen können. Die Täter sind heute frei, das Opfer ist tot. Die Gesellschaft muss aus diesem Fall lernen, um ähnliche Verbrechen in Zukunft zu verhindern.

Die Ermittlungen und der Prozess haben dazu beigetragen, das Phänomen des Satanismus besser zu verstehen und von kriminellen Handlungen abzugrenzen.

Die Medienberichterstattung über den Fall war umfangreich und oft sensationsheischend. Doch hinter den Schlagzeilen steht eine menschliche Tragödie. Sven A.

war ein normaler Mann, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Seine Familie und Freunde trauern bis heute um ihn. Der Fall erinnert daran, dass hinter jedem Verbrechen ein Opfer steht, dessen Leben für immer zerstört ist.

Die Täter haben ihre Strafe verbüßt und ein neues Leben begonnen. Ob sie wirklich bereuen oder nur ihre Taten verdrängen, bleibt unklar. Die Psychiater bescheinigen Manuela R.

eine erfolgreiche Therapie, Daniel R. hingegen zeigt wenig Einsicht. „Daniel fühlte sich völlig als Fremdkörper in der Psychiatrie“, sagte sein Verteidiger.

Die Zukunft wird zeigen, ob die beiden rückfällig werden oder ihr Leben in geordneten Bahnen verlaufen lassen.

Der Satansmord von Witten bleibt ein dunkles Kapitel der deutschen Kriminalgeschichte. Er mahnt uns, die Warnsignale von Fanatismus und Narzissmus ernst zu nehmen. Die Gesellschaft muss wachsam sein, um solche Taten in Zukunft zu verhindern.

Die Justiz hat ihre Pflicht erfüllt, doch die Erinnerung an das Opfer Sven A. darf nicht verblassen. Sein Tod ist eine Mahnung für uns alle.