„Wir haben hier einen Toten, der eine Beziehung zu einer verheirateten Frau hat“, sagt Kommissar Mario Köhler. Er steht mit seinem Kollegen Andreas Doktorowski in einem Waldstück bei Pegnitz. Der Fundort ist eine kleine Böschung, die Leiche liegt in sich gedreht auf der linken Seite, überall Blut. Es ist der 14.

Juli 2019, als ein Pilzsammler in den frühen Morgenstunden den Toten entdeckt. Die Beamten wissen zunächst nur: Es ist eine männliche Leiche mit schweren Verletzungen. Im Geldbeutel finden sie den Ausweis des 27-jährigen Christian B. Er wohnt in Lauf an der Pegnitz, bei seiner Mutter.
Die Mutter erzählt, ihr Sohn sei am Vorabend kurz nach Hause gekommen, gegen halb zwölf. Doch kurz vor ein Uhr habe er die Wohnung wieder verlassen – wortlos, ohne sich zu verabschieden. Sie habe nur gehört, wie die Tür ins Schloss fiel. Christian B.
war der Polizei nicht unbekannt: Er war wegen illegaler Autorennen aufgefallen. Ob das mit seinem Tod zusammenhängt, weiß zunächst niemand. Die Obduktion liefert dann ein außergewöhnliches Ergebnis: multiple Stichverletzungen am ganzen Körper, schwerste Gewalteinwirkung auf den Kopf, Strangulation. „Das war ein absolutes Übertöten“, sagt Köhler später.
„Da ist jemand auf Nummer sicher gegangen und hat so lange weitergemacht, bis sich das Opfer nicht mehr bewegt hat. Da war Hass im Spiel. “
Im Umfeld des Toten stoßen die Ermittler auf Sarah D. In Christian B.
s Facebook-Profil gilt sie als seine Lebensgefährtin. Doch Sarah D. ist verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann Horst zusammen. Der wirkt bei der ersten Befragung erstaunlich gelassen: eine völlig normale Ehe, hin und wieder kleine Reibereien.
Mit Christian B. habe er nichts anzufangen gewusst, nur als Bekannten seiner Frau gekannt, mit dem sie ab und zu weggehe. Für die Kommissare zeichnet sich eine Beziehungstat ab. Vielleicht war es der eifersüchtige Ehemann?
Doch dann betritt Sarah D. die Dienststelle – in Begleitung eines Bekannten namens Michael M. Sie ist sichtlich aufgelöst. Die Beamten bemerken schnell: Die Beziehung zwischen Sarah und Michael ist alles andere als gesund.
Er wirkt wie ein Schatten, der auf den nächsten Befehl seiner Herrin wartet. Michael M. gibt an, den toten Christian B. in der Tatnacht getroffen zu haben.
Er habe ihm Beziehungstipps geben wollen, schließlich sei er selbst seit fünf Jahren mit Sarah zusammen. Er wisse, wie man mit ihr umgehen müsse, wie man sie auf Händen trage. Nach dem Gespräch sei er weggefahren und habe im Rückspiegel einen schwarzen BMW gesehen, der auf Christian zufuhr. Doch die Ermittler richten den Fokus nicht auf den BMW.
Sie untersuchen Michael M. s Auto. Bereits bei der äußeren Begutachtung zeigen sich Spuren, die klar auf eine Tötung in dem Fahrzeug hindeuten. Die Vernehmung wird abgebrochen, Michael M.
wird der Tatvorwurf eröffnet. Auf Überwachungsfotos vom 14. Juli sieht man, wie er sein Auto in eine Waschanlage fährt. Die Auswertung seiner Handys bringt Erschütterndes zutage: Massen an Nachrichten zwischen Michael und Sarah, über WhatsApp und Facebook.
Eine Nachricht sticht besonders hervor: „Bring den Chris und meinen Mann ums Eck, dann kommst du zu mir ins Haus. “
Zwei Menschen sollten sterben, damit Sarah D. mit ihrem Geliebten zusammenleben konnte. Michael M.
sollte ihren Ehemann ebenfalls töten. Die Kommissare sind fassungslos. Sie nehmen Sarah D. fest.
Und in diesem Moment bietet sie ein Schauspiel: Sie schluchzt und stammelt, sie habe Christian doch geliebt, sie habe nichts getan. „Wir haben den kompletten Facebook-Chat“, sagt Köhler zu ihr. „Sie waren zu langsam mit dem Löschen. “ In dem Moment versiegen die Tränen, ihr Gesicht versteinert.
Im September 2020 werden Sarah D. wegen Anstiftung zum Mord und Michael M. wegen Mordes angeklagt. Beide werden zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.
„Das hatte eine Abgrundtiefe, die mir bislang noch nie über den Weg gelaufen ist“, sagt Kommissar Köhler. Bis heute kann er nicht verstehen, warum sich Sarah nicht einfach getrennt hat, statt zwei Menschen töten zu lassen. Ein ähnlich grausames Verbrechen ereignet sich Jahre zuvor in Berlin. Am 21.
November 2016 meldet sich ein Mann bei der Polizei. Er habe seine Schwiegermutter tot in ihrem Haus in Berlin-Müggelheim gefunden. Angeblich von einem Einbrecher umgebracht. Kommissar Ingo Kel übernimmt den Fall.
Schon beim ersten Anblick des durchwühlten Hauses hat er ein ungutes Gefühl: Hier stimmt etwas nicht. Ein echter Einbrecher arbeitet zielorientiert. Er sucht gezielt nach Wertsachen, macht aber nicht mehr, als nötig ist. In dem kleinen Wohnzimmer dagegen stehen alle Schubladen in einer Reihe gleich weit offen.
Sie wirken wie ausgestellt: ein Löffel hier, ein Stück Besteck dort – malerisch, aber nutzlos. Auch die Auffindesituation des Opfers passt nicht zur Einbruchstheorie. Die 67-jährige Marita K. liegt mit unzähligen Schnitt- und Stichverletzungen in der Küche.
„Wir haben hier einen sogenannten Overkill gehabt“, erklärt Kel. „Der Täter hat weitaus mehr Verletzungshandlungen gemacht, als nötig gewesen wäre. Bei einer solchen Vielzahl von Verletzungen ist in der Regel ein persönliches Motiv dahinter. Es ging persönlich gegen das Opfer.
“
Der Mann, der die Leiche gefunden hat, ist der Schwiegersohn Dennis M. Er steht unter Schock und ist vorerst nicht vernehmungsfähig. Bei der Befragung der Tochter von Marita K. , der Lebensgefährtin von Dennis M.
, fällt den Beamten etwas auf: Sie berichtet, dass ihr Lebensgefährte andere Schuhe trug als sonst. Als sie ihn fragte, sagte er, die Polizei habe seine Schuhe zur Spurenvergleichung abgenommen. Doch die Beamten wissen: Das stimmt nicht. Auch über die Person des Dennis M.
erfahren die Ermittler Interessantes: Er gab an, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, legte sich eigene Doktortitel und Visitenkarten zu, wollte als Komparse beim Film auftreten. Doch hinter der Fassade steckte ein Mann, der ständig Geldnot hatte: angeblich gesperrte EC-Karten, angebliche Diebstähle – er pumpte sich bei der Familie seiner Lebensgefährtin durch. Die Mutter wurde zunehmend misstrauischer gegenüber der Beziehung. Als die Spurensicherung Dennis M.
s Blut am Tatort nachweisen kann, ist für die Beamten der Fall klar. In der Waschmaschine der Schwiegermutter finden sie gewaschene Wäsche mit Blutresten. Er hatte sich nach der Tat umgezogen und seine beblutete Kleidung gewaschen. Nur zwei Tage nach dem Mord wird Dennis M.
festgenommen. Er räumt die Tat ein, behauptet aber, in Notwehr gehandelt zu haben. Doch die Spuren erzählen eine andere Geschichte: Er kam in das Haus, als Marita K. zu einer morgendlichen Unternehmung unterwegs war.
Das Haus war unverschlossen. Seine ursprüngliche Absicht war wohl, sich über Geldnot zu behelfen. Doch die Frau kam unvorbereitet zurück und überraschte ihn. Daraufhin stach er auf sie ein.
Die Tatwaffe, ein Messer, warf er in einen nahegelegenen See – die Beamten finden sie dort. Doch der Fall ist damit nicht abgeschlossen. Die Tochter des Tatverdächtigen – aus einer früheren Ehe – meldet sich bei der Polizei. Sie berichtet vom vermeintlichen Selbstmord ihrer krebskranken Mutter ein paar Jahre zuvor.
Auch damals war Dennis M. derjenige, der die Leiche gefunden hatte. Nun hat sie Zweifel an der Selbstmordtheorie. Die Ermittler rollen den Fall um den Tod der damals 50-jährigen Ina M.
wieder auf. Die Leichenbilder zeigen: Die Frau hat nie gehangen, sie hat nur gelegen. Das Blut folgt der Schwerkraft – die Leichenerscheinungen passen nicht zu einem stundenlangen Hängen. Zudem wurde eine Konstruktion gebaut, die aussehen sollte, als hätte sich die Frau darin erhängt.
Doch sie ist unpraktisch und komplett ungeeignet. Bei einer Nachstellung mit demselben Material reißt das verwendete Seil schlicht durch. „Es sollte aussehen wie ein Suizid“, sagt Kommissar Kel. „Aber es war kein Suizid.
“ Damals, 2013, hatten die Verdachtsmomente wegen des Mitgefühls gegenüber dem trauernden Ehemann nicht die richtigen Alarmglocken ausgelöst. Dabei wollte sich Ina M. von ihm trennen – dazu kam es nicht mehr. Dennis M.
leugnet bis heute, für den Tod seiner Ehefrau verantwortlich zu sein. Das Landgericht Berlin sieht das anders: Wegen Totschlags an Ina M. und wegen Mordes an Marita K. wird er zu lebenslanger Haft verurteilt, mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
Auch ein anderer Fall beschäftigt die Ermittler bis heute: Weimer, 7. Februar 1989. Beim Entenfüttern entdecken Passanten in der Ilm einen menschlichen Kopf. Oberleutnant Peter He.
von der Kriminalpolizei ist damals im Dienst: „Da unser Leiter nicht im Hause war, bekam ich die Nachricht: In der Ilm liegt ein Kopf. Das war völlig unvorstellbar. “
Die Morduntersuchungskommission Erfurt wird hinzugezogen. Die Obduktion ergibt: Es ist eine relativ junge Frau, zwischen 25 und 35 Jahren, mit schlechten Zähnen – ein Hinweis auf das Milieu, in dem sie lebte.
Die Beamten lassen das Wasser der Ilm absenken, um nach weiteren Leichenteilen zu suchen. Vergeblich. Weder Arm noch Bein noch Torso – nichts. Mit einer Polaroid-Kamera, damals in der DDR etwas Besonderes, wird ein Foto des hergerichteten Kopfes erstellt und als Flugblatt in allen Bushaltestellen verteilt.
Zahlreiche Hinweise gehen ein, doch keiner führt zum Ziel. Schließlich bringt ein Ex-Freund des Opfers die Ermittler auf die richtige Spur: Simone H. aus Weimar wird seit Anfang November 1988 vermisst. Die 29-jährige Friseurin hielt sich häufig am Bahnhof auf.
Unter ihren Kontaktpersonen ist auch der 31-jährige Hilfsarbeiter Siegfried M. Er ist vorbestraft wegen eines schweren Sexualdelikts. Die Ermittler nehmen ihn fest, durchsuchen seine Wohnung und finden Blutspuren sowie Kleidungsstücke von Simone H. Bei der Vernehmung, die auf Tonband aufgezeichnet wird, gesteht er schließlich.
Grausige Details kommen ans Licht: Simone war ihm in seine Wohnung gefolgt. Als sie sich nach einvernehmlichem Sex weigert, auf besondere Wünsche des stark alkoholisierten Siegfried M. einzugehen, erdrosselt er sie und zerstückelt sie mit einem Rasiermesser. Am 5.
Oktober 1989 wird Siegfried M. zu 13 Jahren Haft verurteilt. Wenige Wochen später fällt die Mauer – für Kommissar He. beginnt ein neuer Abschnitt.
Doch eines bleibt: Er ist ein Ermittler mit Leib und Seele. Ein anderer Fall erschüttert Österreich: der Untergang der „Lucona“. Am 23. Januar 1977 sinkt das Frachtschiff im Indischen Ozean.
Sechs Besatzungsmitglieder kommen ums Leben. Udo Proksch, exzentrischer Besitzer des Schiffs und Star der Wiener Gesellschaft, hat das Schiff gemeinsam mit seinem Komplizen Hans Peter D. gechartert. Angeblich war eine Uranerzaufbereitungsanlage geladen, versichert mit 212 Millionen österreichischen Schillingen – heute etwa 60 Millionen Euro.
Doch die Versicherung weigert sich zu zahlen: An Bord befand sich nur wertloser Schrott aus einem Kohlebergwerk. Proksch, ein „geborener Hochstapler“, wie ihn der Autor Peter Hies beschreibt, hatte beste Verbindungen zur Wiener Prominenz. Er gründete den Club 45 über der Konditorei Demel, wo Politiker, Künstler und Richter verkehrten und halblegale Geschäfte abwickelten. Als die Ermittlungen beginnen, blockieren einflussreiche Politiker sie.
Innenminister Karl Blecha weist die Polizei an, alle Ermittlungen einzustellen. Proksch und sein Komplize werden kurzzeitig verhaftet, doch nach nicht einmal zwei Wochen wieder entlassen – auf höchste Anweisung. Erst der Journalist Hans Bretterbauer recherchiert jahrelang und veröffentlicht 1987 das Buch „Der Fall Lucona“. Es wird zum Bestseller und deckt die Verstrickungen österreichischer Politiker auf.
Der Fall ist nicht mehr aufzuhalten. Proksch flieht ins Ausland, lässt sich in Manila einer Gesichtsoperation unterziehen. Doch die Behörden wissen stets, wo er ist – sie hören die Telefone seiner Vertrauten ab, tun aber nichts. Der Skandal führt zum Rücktritt von Parlamentspräsident Leopold Gratz und Innenminister Blecha.
Proksch wird schließlich 1990 vor Gericht gestellt. Das Wrack der Lucona wird nach wochenlanger Suche in 4. 000 Metern Tiefe gefunden – 15 Stunden Videomaterial zeigen: Das Schiff wurde mit einem Zeitzünder gesprengt. Damit sind Versicherungsbetrug und sechsfacher Mord nachgewiesen.
1992 wird Proksch zu lebenslanger Haft verurteilt. Er zeigt keine Reue, legt kein Geständnis ab. 2001 stirbt er in Haft an den Folgen einer Herzoperation. Ein weiterer Fall, der bis heute fassungslos macht: Im März 1988 wird in einem kleinen Park in Wien-Favoriten die Leiche eines jungen Mannes gefunden.
23 Messerstiche, in der Brust steckt ostentativ ein großes Kampfmesser des österreichischen Bundesheers. Der Tote ist der 23-jährige Alexej D. , genannt Sascha, polizeibekannt wegen Gewalttaten. Die Eltern vermissen vor allem seinen schwarzen Leinenrucksack, den er nie ablegte.
Der Rucksack taucht einige Tage später wieder am Tatort auf – ein Beweis, dass die Täter den Ermittlungsdruck spürten. Die Spurensicherung hat riesigen Anteil an der Lösung: Auf Glasscherben von zerbrochenen Biergläsern, die in einem Müllcontainer gefunden werden, kleben Fingerabdrücke. Sie gehören zu dem polizeilich registrierten Lev. Bei der Vernehmung gesteht er: Sascha hatte an dem Abend in mehreren Lokalen randaliert, sich mit zwei jungen Männern angelegt.
Als er sie mit einem Messer bedrohte, riss ihm ein gewisser Horst H. das Messer aus der Hand, schlug ihn zu Boden und stach 23 Mal auf ihn ein. Im September 1988 werden die beiden zu acht und zwölf Jahren Haft verurteilt. Und dann ist da der Fall der kleinen Nicole.
Am 2. Dezember 1989 geht die elfjährige Nicole zum Musikunterricht. Sie kommt nicht nach Hause. Noch am Abend melden die Eltern sie als vermisst.
In einem nahegelegenen Waldstück finden Polizisten ihr Fahrrad. Am nächsten Morgen entdeckt ein Spaziergänger ihre Leiche. Kommissarin Sigret Grusenbaum von der Kripo Duisburg übernimmt die Ermittlungen. Sie erkennt sofort: Das Kind wurde erdrosselt, mit leichten Abwehrverletzungen an den Händen.
Besonders alarmierend: Drei Jahre zuvor wurde fast an derselben Stelle die elfjährige Martina ermordet – ebenfalls blond, blauäugig, gleicher Typ. „Wir mussten damit rechnen, dass hier ein Serientäter am Werk ist“, erinnert sich Grusenbaum. Bei der Befragung an der Musikschule fällt ihr ein Hausmeister auf, der ihr unangenehm auffällt: Wilfried L. Er stottert, weicht ihrem Blick aus, läuft nervös herum.
Sein Auto, ein Besuch-Kombi, ist auffällig sauber, obwohl er behauptet, in der Nacht mit der Mutter des Kindes herumgefahren zu sein, um zu suchen. „Für meine Begriffe hätte das Fahrzeug total dreckig sein müssen“, sagt Grusenbaum. Als sie die Polizeistation betritt, fällt ihr Blick auf ein Fahndungsplakat mit einem Phantombild eines Serienvergewaltigers: „Das passt ja genau auf das Gesicht von dem Hausmeister“, sagt sie zu ihrem Kollegen. Eine Zeugin bestätigt: Sie sah Nicole mit dem Hausmeister die Musikschule verlassen.
Wilfried L. streitet ab. Doch in einem Mülleimer an der Tankstelle, wo er sein Auto gewaschen hat, findet die Polizei einen Haarreif – derselbe, den Nicole trug. Der Hausmeister gesteht.
Er hatte das Kind in einen Raum gelockt und sich an ihm vergangen. Als Nicole drohte, es ihren Eltern zu erzählen, brachte er sie um – und gestand, dass ihm das einen Kick gegeben habe. Wilfried L. wird zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.
Den Mord an Martina drei Jahre zuvor bestreitet er – er bleibt bis heute ungelöst. Ein letzter Fall: Karlsruhe, November 1994. Der ehemalige Profiboxer Hans S. verschwindet spurlos.
Sechs Jahre lang keine Spur. Dann meldet sich Detlev K. , der Anführer einer berüchtigten Verbrecherbande, bei der Polizei. Aus Angst um sein eigenes Leben verrät er seinen ehemaligen Blutsbruder Willy B.
Dieser soll Hans S. umgebracht haben, weil er – so die Annahme der Bande – in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte und womöglich als Verräter galt. In einer Besprechung beschlossen die Bosse, dass Hans sterben muss. Detlev lockte ihn auf das Firmengelände, wo Willy und ein Kumpel ihn erwarteten.
Sie schossen auf ihn, doch Hans stand wieder auf und schleppte sich Richtung Ausgang. Sie holten ihn ein, zwangen ihn auf die Knie. „Wenn der nächste Zug kommt, bekommst du einen Kopfschuss“, sagte Willy. Die Gleise führten direkt am Gelände vorbei.
Als der Zug kam, schoss Willy ihm in den Kopf. Die Ermittler finden an der Eingangstür nach dem Abbeizen Einschussspuren. Die Tatwaffe, eine Pistole, wird Jahre später an einem Draht im Boden gefunden. Doch das Alibi von Detlev gibt Rätsel auf: Er hatte einen Schwächeanfall vorgetäuscht und einen Arzt gerufen, der die Uhrzeit auf dem Attest notierte.
Was der Arzt nicht wusste: Detlev hatte die Uhr eine Stunde zurückgedreht. Seine Tochter hat heute noch Probleme, diese „bewiesene“ Uhrzeit zu glauben – aber die Staatsanwaltschaft reicht die Indizien aus. Beide Verbrecher werden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Eine besondere Rolle spielt die damalige Geliebte beider Männer: Sie hatte ein Verhältnis mit Willy B.
und hörte von ihm den Satz: „Wenn der jetzt nicht mehr ist, gehört uns alles. “ Sie zog nach Karlsruhe weg – mit einem Großteil des Vermögens der beiden Verbrecher.


