Ich saß in der Küche meiner Großmutter, als sie mir den alten Kohleherd zeigte und sagte: „Dein Großvater hat die Glut niemals ausgehen lassen, nicht einmal in der Nacht, in der dein Vater geboren…

Ich saß in der Küche meiner Großmutter, als sie mir den alten Kohleherd zeigte und sagte: „Dein Großvater hat die Glut niemals ausgehen lassen, nicht einmal in der Nacht, in der dein Vater geboren...

Der letzte Funke Glut glomm noch in der Asche, als dein Großvater das Streichholz anzündete. Es war das letzte im Haus, und es würde tagelang keins mehr geben. Er steckte sich keine Zigarette an, er zündete keine Lampe an. Er entzündete einen dünnen Spahn, damit ließ er eine Kerze brennen, mit der Kerze entfachte er den Kohleherd, den er dann so sorgsam abdeckte, dass die Glut am nächsten Abend noch glühte.

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Ein einziges Streichholz, drei Tage Feuer. Die Männer, die den Hungerwinter überlebt hatten, kannten den Wert einer einzigen Flamme. Und sie kannten den Wert dessen, was ich gleich mit dir durchgehe: das alte Wissen, das in den Jahren ohne Strom, ohne Kohle und ohne Supermarkt über Leben und Tod entschied. Im Hungerwinter 1946 auf 1947 war die Kohle knapp in Hamburg, Köln und Dresden.

Ganze Familien heizten ein einziges Zimmer mit einem umgedrehten, unglasierten Blumentopf, unter dem eine Haushaltskerze brannte. Der Topf kostete auf dem Bauernhof fünfzehn bis zwanzig Pfennig das Stück. Man stellte ihn über die Kerze, setzte ihn auf drei kleine Münzen auf, damit Luft von unten zog. Der Ton nahm die Wärme auf, hielt sie und gab sie langsam wieder ab.

Die Küche roch nach warmem Leben, die Familie zog die Stühle eng zusammen. Dieser einfache Kniff hielt alte Leute und Säuglinge am Leben, als die Zeche keine Kohle mehr lieferte. Heute gibt es eine Generation, die nie gelernt hat, einen Raum ohne Schalter warm zu bekommen. War die Wohnung warm, kam das nächste Problem: das Trinkwasser.

Als 1955 die Stadtleitung versagte, die Rohre brachen und die Speicher verkeimten, ging jeder Haushalt zurück zum Brunnen. Das Wasser kam in den Waschkessel auf den Kohleherd und wurde richtig durchgekocht, oft mit einer Prise Kaliumpermanganat aus der Apotheke. Die Handpumpe stand im Hof, der Schwengel musste mit einem halben Becher Wasser von gestern angepumpt werden. Der Waschkessel aus Kupfer oder Zink brauchte vierzig Minuten, bis zwanzig Liter richtig gekocht waren.

Das Kaliumpermanganat färbte das Wasser leicht violett, es roch nach heißem, nassem Metall. Durch ein sauberes Leintuch filterte man es in den Steingutkrug, und erst dann durfte man daraus trinken. Der Typhus holte 1946 in der britischen Zone tausende Menschen, weil sie die Verunreinigung nicht begriffen. Die Männer, die es begriffen, brachten ihre Familien durch.

Versuch das mal sieben Tage ohne Strom – das Wasserwerk läuft auch nur mit Strom. War das Wasser sauber, ging es um das, was in den Topf kam. Ein richtig gepackter Rucksack und das Wissen, was aus dem Hausstand tauschfähig war und was nicht. Der Lederrucksack aus Wehrmachtsbeständen war an den Nähten mit Sattlergarn nachgenäht.

Darin, in Zeitungspapier eingeschlagen, lag das gute Stück: das Silberbesteck aus der Mitgift, der Persianerkragen, und als allerletzte Reserve der goldene Trauring. Was der Bauer in der Altmark oder in der Lüneburger Heide haben wollte, war Tragbares, Lagerbares. Der Hauptbahnhof Hannover roch 1946 nach Ruß und ungewaschener Wolle, die Züge waren zum Bersten voll. Die Preise hatte jeder im Kopf: Ein Pfund Butter kostete den guten Sonntagsanzug eines Mannes.

Jeder Mann musste damals mit einem Bauern verhandeln, der alle Trümpfe hielt. Ein Enkel verhandelt heute nicht mal den Preis beim Autohändler. Das Können ist weg. Was du nach Hause brachtest, musste Wochen halten.

Dafür gab es das Einkochen im Weckglas, die wichtigste Konservierungsmethode deutscher Haushalte von den zwanziger Jahren bis weit in die siebziger, in Ost wie West. Das Erdbeerzeichen von Weck stand auf jedem Glas, eingetragen 1900 von Johann Weck in Bad Öflingen. Der rote Einkochring aus Gummi war leicht klebrig, wenn er neu war. Der Glasdeckel wurde von der Einkochklammer aus Federstahl gehalten.

Der Einkochautomat brummte auf dem Kohleherd, das Wasser bei neunzig Grad, neunzig Minuten für Bohnen, dreißig für Marmelade. Die Küche roch nach Essig, Obst und heißem Gummi. Unten im Vorratskeller standen die Regale voller Gläser, auf kleinen Etiketten mit Bleistift beschriftet. Eine Familie mit gefülltem Einkochkeller hatte keine Angst vor dem Winter, nicht vor Streik, nicht vor Stromausfall, nicht vor leeren Regalen.

Sie aß, was sie selbst eingemacht hatte. Eine ganze junge Generation denkt heute, das Essen kommt aus dem Regal bei Edeka. Den Keller zu füllen war das eine, ihn bei toten Glühbirnen auszuleuchten das andere. Dafür gab es die Petroleumlampe.

Man musste den Docht schneiden, die Flamme so einstellen, dass sie nicht rußte, die Kanne sauber nachfüllen und am Geruch erkennen, wenn etwas nicht stimmte. Die messingfarbene Petroleumlampe von Hugo Schneider aus Leipzig, die alte Hasack aus der Vorkriegszeit, oder die schlichtere Sturmlaterne von Feuerhand aus Bayerfeld in Sachsen. Der Docht aus Baumwolle wurde mit der Schere absolut gerade geschnitten, nie mit dem Messer. Der Glaszylinder wurde einmal die Woche mit Zeitungspapier und einem Tropfen Spiritus poliert.

Sauberes Petroleum roch einfach nach Petroleum, ein falsch brennender Docht roch beißend. Ein Mann, der 1947 keine Petroleumlampe bedienen konnte, war ein Mann, dessen Familie im Dunkeln saß. Die Sturmlaterne Feuerhand 276 wird heute noch gebaut, im gleichen Entwurf seit 1933, weil der Entwurf von Anfang an gut war. Die meisten Männer unter fünfzig haben noch nie eine angezündet.

Halt hier kurz inne und schau dich in einer durchschnittlichen deutschen Werkstatt von heute um. Eine Lochwand, auf der die Umrisse von Werkzeugen aufgemalt sind, die nicht mehr da sind. Eine Hobelbank, die als Ablage für Pappkartons herhalten muss. Der Meisterbrief vom Großvater hängt noch an der Wand, leicht vergilbt.

Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland mehr als siebzigtausend selbstständige Handwerksbetriebe dichtgemacht. Nicht weil die Arbeit verschwunden wäre, sondern weil die Männer, die die Arbeit konnten, nicht ersetzt wurden. Jedes Können auf dieser Liste war früher Allgemeinwissen. Heute ist es seltenes Wissen.

Das ist der eigentliche Blackout, und der hat lange vor dem ersten Stromausfall begonnen. Ein richtiger Roggenleib wurde ohne Backofen gebacken, im gusseisernen Bräter mit schwerem Deckel oder im selbstgebauten Lehmofen aus Lehm, Stroh und Feldstein. Das Roggenmehl kam von der Mühle im Dorf, zwanzig Pfennig das Pfund im Jahr 1949. Der Sauerteig stand im Steingutkrug auf der Fensterbank, alle zwölf Stunden wurde er gefüttert.

Der eiserne Bräter kam vom Kriffler Eisenwerk, in der DDR die billigere emaillierte Ausführung vom VEB Lauchhammer. Direkt auf den Kohleherd gestellt, der Deckel mit einem Ziegel beschwert, fünfundvierzig Minuten. Dann der hohle Klang, wenn man auf den Boden des fertigen Laibs klopfte. Heute werfen die Deutschen zwei Millionen Tonnen Brot pro Jahr weg.

Die Männer, die jeden Brotkrümel fürs Paniermehl aufhoben, würden das nicht glauben. Das Brot brauchte ein Feuer, und das Feuer musste gehalten werden. Der Kunstgriff: ein Feuer so anschüren, dass es zum Kochen richtig heiß brennt, und es dann so abdecken mit feuchten Briketts, mit Asche, bei geschlossenem Luftzug, dass um fünf Uhr morgens noch Glut da ist. Besonders mit den Briketts aus dem Ruhrgebiet, dem Unionbrikett mit dem geprägten Zeichen.

Der gusseiserne Schürhaken, der Aschekratzer, der Kohleneimer aus verzinktem Blech, der Kohleherd der Marke Küppersbusch, im Osten der einfachere Herd vom volkseigenen Betrieb. Beim Abdecken schob man eine dünne Schicht Asche über die Glut und stellte den Luftzug auf den kleinsten Spalt. Das Eisen des Herds knackte, wenn er langsam abkühlte. Drei richtig abgedeckte Briketts hielten acht Stunden Wärme.

Ein Mann, der ein Feuer nicht abdecken konnte, war ein Mann, dessen Frau um drei Uhr nachts im Kalten saß und neu anzünden musste. Heute ersetzt durch einen Thermostat an der Wand, der in der Sekunde versagt, in der das Stromnetz versagt. Dazu kam die Hausapotheke aus dem Garten. Kamille für den Magen, Salbei für den Hals, Spitzwegerich für Wunden, Beinwell für Prellungen, Thymian für den Husten.

Getrocknet auf dem Speicher, gelagert in Leinensäckchen. Der Schrebergarten vor Essen oder Stuttgart, eine eigene Ecke nur für die Kräuter, getrennt von den Gemüsebeeten. Der Spitzwegerich wurde zwischen zwei Fingern zerdrückt und direkt auf das aufgeschürfte Knie eines Kindes gelegt. Kamille wurde vom Feldrand im Juli geerntet, in Bündeln am Speicherbalken mit Bindfaden aufgehängt.

Salbei, dunkel und leicht bitter, mit einem Teelöffel Honig vom Imker zwei Häuser weiter. Die Apotheke war für den Notfall, der Garten war zuerst dran. Wenn die Apotheke zu hat und der Notarzt nicht kommt, dann ist der Mann, der weiß, dass Spitzwegerich die Blutung einer aufgeschnittenen Hand stillt, der Mann, dessen Sohn die Hand behält. Das Wissen war älter als jede Verordnung.

Im Winter kam die Hausschlachtung eines Schweins im eigenen Hof. Der Schlachter kam in den Hof, danach die Räucherkammer im Schornstein für Speck, Schinken und Wurst. Am Tag davor wurde das Schlachtmesser auf dem Wetzstein geschärft. Der Geruch vom kalten Schwein, der Dampf aus dem Brühkessel, der Schlachter in Gummischürze und Holzschuhen, das Hängegestell am Balken der Scheune.

Der Bauchspeck wurde mit Pökelsalz und Wacholderbeeren eingerieben, drei Wochen in der Räucherkammer am Schornstein, über langsam glimmendem Buchenholz. Eine dunkle, harte Schicht legte sich auf das Fleisch, der Schinken hing dann im kalten Keller am Haken. Die Lebensmittelhygieneverordnung und das Veterinäramt erlauben die Hausschlachtung heute nur noch unter strengen behördlichen Auflagen. Eine Praxis, die in diesem Land fünfhundert Jahre lang jede Bauernfamilie ernährte, ist heute eine Behördensache.

Drei Generationen Dorfjungen haben dabei zugesehen, die vierte Generation hat es nur noch im Fernsehen gesehen. Ein Mann besohlte seine eigenen Stiefel und die Schuhe seiner Söhne. Die Schuhmacherwerkbank im Keller, der gusseiserne Dreifuß, die Ahle, der Pechfaden, das Sohlenleder. Der Dreifuß steckte zwischen den Knien, das Sohlenleder wurde über Nacht im Wasser eingeweicht, damit es weich wurde.

Die Ahle durch den Rahmen, der Pechfaden, zwei Nadeln, der Zwirn wurde mit dem Sattlergriff durchgezogen. Es roch nach Lederöl, Bienenwachs, warmem Pech. Die Kniekneifzange aus Wuppertal diente zum Ziehen der alten Nägel. Heute wirft ein Mann seine Schuhe weg, wenn die Sohle durch ist, weil der Schuhmacher in seinem Stadtteil 2014 zugemacht hat.

In Deutschland gibt es heute weniger als viertausend Schuhmachermeisterbetriebe, in den sechziger Jahren waren es über dreißigtausend. Die Schuhe sind nicht schlechter geworden. Die Männer schon. Denk nach, was ein siebentägiger Blackout wirklich heißt.

Nicht der Strom. Der Strom ist nur der Auslöser. Es heißt: kein Geldautomat, keine Kartenzahlung beim Lidl, keine Tankstelle, die noch Sprit pumpen kann, kein Wasserwerk, das die Leitung in deine Wohnung im vierten Stock unter Druck hält. Keine Heizung, kein Kühlschrank, kein Handy nach dem zweiten Tag, keine Ampel, keine Bahn.

Das ganze Gerüst aus Bequemlichkeit, das man um das moderne deutsche Leben gebaut hat, fällt in zweiundsiebzig Stunden zusammen. Und das einzige, was dann zwischen einer Familie und diesem Zusammenbruch steht, ist das, was der Mann im Haus mit seinen eigenen Händen noch kann. Der Unterschied zwischen können und nicht können ist der Unterschied zwischen einer harten Woche und einem begrabenen Kind. Dazu gehörte einfache Feldmedizin, gelernt bei der Wehrmacht, beim Volkssturm oder im Sanitätsdienst.

Säubern, mit sterilisiertem Garn aus dem Nähkasten nähen, einen gebrochenen Arm mit zwei Holzlatten und einem Verband schienen. Der Verbandskasten von Hartmann aus Heidenheim, die weiße Blechdose mit dem roten Kreuz, die Schere, die Pinzette, die Mullbinde. Die Nähnadel wurde in der Flamme der Petroleumlampe sterilisiert. Der Schnaps aus der Vitrine, einmal für den Patienten, einmal auf die Wunde.

Der kalte Schweiß auf der Stirn des Mannes, während er auf dem Küchentisch die aufgeplatzte Augenbraue seines Sohnes nähte, der Geruch von Jod. Wenn der Notarzt nicht kommen kann, dann kann es der Mann, oder er kann es eben nicht. Heute hat der durchschnittliche deutsche Erwachsene noch nie einen Verband angelegt, sechzig Prozent der Bevölkerung wüssten nicht, wie man eine Beinarterie abdrückt. Die Volkshochschule bietet Erste-Hilfe-Kurse an, hin geht kaum noch einer.

Das besondere Können der Männer drüben in der DDR: Dinge ohne Westersatzteile am Laufen zu halten. Den Trabantmotor mit aus Blech zugeschnittenen Teilen wieder aufgebaut, die Waschmaschine mit einem Stück aus einer anderen Waschmaschine repariert, die Antenne aus einem Stück Draht. Der Trabant 601 stand im Innenhof eines Plattenbaus in Halle, der Zweitakter offen auf Holzböcken. Die Bastlerwerkstatt im Keller, eine einzige Glühbirne hing an einem Kabel von der Decke, es roch nach Zweitaktgemisch, fünfzig zu eins.

Ein Mann tauschte ein Schweißgerät gegen ein Stück Blech beim Nachbarn zwei Häuser weiter. Der Trabi ging nicht kaputt, weil einer kein Teil bekam. Er ging erst kaputt, als der Mann nicht mehr wusste, wie man ein Teil aus etwas anderem macht. Die Wende 1990 hat in zwei Jahren eine ganze Kultur des praktischen Erfindergeists ausgelöscht.

Männer, die alles aus nichts reparieren konnten, wurden Männer, die nichts mehr reparieren, weil alles zu kaufen war. Das Können hat keine Verordnung weggenommen, das hat der Westmarkt einfach weggekauft. Den eigenen Garten als Speisekammer für das ganze Jahr planen: Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Kohl, Weißkraut, Bohnen, Erbsen, rote Bete, Sellerie. Geplant für Dezember bis April aus dem Erdkeller.

Der Erdkeller war in den Hang hinter dem Haus gegraben, zwei Meter tief, mit Backstein ausgekleidet, die Tür aus Eichenholz. Die Möhren wurden in trockenem Sand in Holzkisten gelagert, die Kartoffeln in Jutesäcken auf Holzlatten, niemals direkt auf dem Stein. Den Kohl hängte man an der Decke am Strunk auf. Die Temperatur lag das ganze Jahr zwischen zwei und sechs Grad, es roch nach Erde und Zwiebeln.

Eine Schrebergartenparzelle muss nach dem Bundeskleingartengesetz von 1983 zu mindestens einem Drittel Nutzfläche für Obst und Gemüse sein, die meisten heutigen Pächter halten sich nicht daran. Die Männer, die pflanzten, um die Familie durch den Winter zu bringen, sterben aus. Die Männer, die Rasen und einen Grill pflanzen, übernehmen. Wenn der Strom weg ist, ernährt der Rasen keinen Menschen.

Dazu gehörte der Holzschlag im Herbst, vom Förster ausgezeichnet. Der Spaltbock und die Spaltaxt im Hof, die richtige Stapelung der Scheite, sodass der Holzschuppen drei Winter Brennstoff hielt. Der Förster kennzeichnete die Bäume mit dem Forsthammer. Der Geruch von frischem Buchenholz, das Harz an den Händen, wenn man eine Fichte spaltete.

Der Holzschuppen war an drei Seiten offen, damit der Wind die Scheite trocknen konnte. Die Faustregel: zwei Jahre Trocknung für Buche, drei für Eiche. Ein Festmeter Buchenscheite kostete bei der Forst siebzig Mark vierzig Pfennig, heute kostet derselbe Festmeter hundertfünfzig Euro. Die Heizölkrise von 1973 hat jedem deutschen Hausherrn in Erinnerung gerufen, dass der Schornstein noch funktioniert, wenn der Öltank leer ist.

Als die russische Pipeline 2022 zugemacht wurde, warnte die Bundesregierung vor der Energiemangellage. Die Männer mit drei Stapeln Buchenholz im Schuppen haben einfach trotzdem geheizt. Und das Wichtigste im vorindustriellen Haushalt: das Feuerhalten. Die Glut ohne Unterbrechung von einem Tag zum nächsten am Leben zu halten, damit niemand je wieder mit Stahl und Feuerstein bei null anfangen musste.

Das war die Pflicht des Hausherrn oder des ältesten Sohns. Vor dem Schlafen das sorgsame Abdecken, am Morgen, bevor die Familie aufstand, das Neuanfachen. Ein einzelner Spannholz aus der Kiste neben dem Herd in die Glut vom Vortag getaucht, an eine frische Handvoll Reisig gehalten, mit ruhigem Atem angeblasen, bis die Flamme kam. Von dieser Flamme die Kerze, von der Kerze die Lampe, von der Lampe der Herd, vom Herd alles andere.

Die Glut war älter als die Familie. Auf manchen Höfen im Allgäu ist die Glut hundert Jahre lang nicht ausgegangen. Dein Großvater hat das Abdecken der Glut nie jemand anderem überlassen. Nicht aus Geiz, sondern weil der Tag, an dem die Glut ausging, der Tag war, an dem die Familie hungerte, fror und im Dunkeln saß.

Er trug diese Verantwortung jede Nacht seines erwachsenen Lebens. Er ging als letzter ins Bett und stand als erster auf. Er hat nie darüber geredet. Er hat es einfach gemacht.

Das ist es, was dein Vater jeden Morgen seiner Kindheit gesehen hat: einen Mann, der vor dem Kohleherd hockte, die Hand an der kleinen Eisentür, seinen Atem in der Glut. Das ist es, was weitergegeben wurde. Nicht der Handgriff, sondern der Ernst. Den Ernst haben wir verloren.

Das war es, was ein Mann konnte. Nicht weil er es irgendwo gelesen hatte, sondern weil sein Vater es ihm gezeigt hatte und der Vater seines Vaters, in einer ungebrochenen Reihe, die weiter zurückreichte, als irgendeiner von uns nachzählen kann. Sieben Tage ohne Strom bringen keine deutsche Familie um. Siebzig Jahre ohne dieses Wissen haben das schon lange getan.

Die Werkbank ist leer, die Glut ist aus.