Es ist der 1. Januar 2001, eisig kalt, und die Straßen sind spiegelglatt. Die 15-jährige Katrine Konat hat Silvester bei ihrer Familie in Großgadau verbracht, doch ihr Herz gehört einem Geheimnis: einem Freund, der doppelt so alt ist wie sie und von dem ihre Eltern nichts wissen dürfen. Am Neujahrstag lässt sie sich von ihm und einem Kumpel abholen.

Was als harmloser Nachmittag beginnt, endet in einem Streit. Katrine will nach Hause. Sie schreibt ihrer Schwester Nadine: „Sag Mama und Papa, dass ich gegen 18:30 Uhr oder 19 Uhr zu Hause bin. ” Doch es ist niemand da, der sie bei dem Glatteis abholen kann.
Gegen 18:40 Uhr verlässt sie die Wohnung ihres Freundes in Bergen an der Dumme und geht allein zur Bushaltestelle am Heckenweg. Dort wartet sie in einem kleinen, verwitterten Holzhäuschen auf den Bus. Ein Bekannter hält neben ihr an und bietet ihr an, sie mitzunehmen. Katrine lehnt dankend ab.
Ein Zeuge will später gesehen haben, wie ein schwarzer BMW mit Berliner Kennzeichen bei ihr gehalten hat. Ob sie eingestiegen ist, bleibt unklar. Als der nächste Bus kommt, ist Katrine nicht mehr an der Haltestelle. Sie kommt nie zu Hause an.
Ihr Handy ist ausgeschaltet, es gibt kein Lebenszeichen. Zunächst hofft ihre Familie auf eine harmlose Erklärung. Doch am nächsten Tag melden sie ihre Tochter als vermisst. Die Polizei beginnt mit der Suche.
Wälder, Teiche und Moorgebiete werden erfolglos abgesucht. Eine Theorie, Katrine sei wegen eines Streits mit ihrem Vater um eine Zigarette weggelaufen, verwerfen alle, die sie kennen, schnell. Auch ihr Freund wird verhört und überprüft, aber es ergibt sich kein Tatverdacht. Die Ermittlungen weiten sich aus.
Freunde, Bekannte, sogar der Vermieter der Familie geraten ins Visier. Hinweise führen ins Rotlichtmilieu und zu einer Sekte, doch nichts bringt den Durchbruch. Im März 2001 wird eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt, und der Fall wird bei „Aktenzeichen XY” ausgestrahlt. Die Hoffnung ist groß, doch der erhoffte Hinweis bleibt aus.
Im Oktober schaltet sich Interpol ein, der Fall wird in 150 Ländern bekannt gemacht, und die Belohnung wird auf 5000 Mark erhöht. Wochen werden zu Monaten, Monate zu einem Jahr. Zum Jahrestag im Januar 2002 wird ein neues Foto veröffentlicht, doch auch die darauf folgenden Hinweise und Suchaktionen bleiben erfolglos. Im Jahr 2006 wird der Fall erneut im Fernsehen thematisiert.
Ein Jahr später, am 31. Oktober 2006, klingelt das Telefon einer von Katrines Schwestern. Eine Frau mit polnischem oder russischem Akzent sagt leise: „Rufe an wegen deiner Schwester. Die verschwunden ist.
BMW, schwarz, Hamburg. ” Dann bricht die Verbindung ab. Die Frau rief aus einer Telefonzelle in Nürnberg an. Was wollte sie damit sagen?
Die Polizei sucht nach der Anruferin, doch niemand meldet sich. Im Laufe der Jahre gerät ein verurteilter Doppelmörder namens Mark H. in den Fokus. Er soll gegenüber einem Mithäftling angedeutet haben, weitere Kinder auf dem Gewissen zu haben, und dass er einmal eine Anhalterin mitgenommen habe.
Doch auch diese Spur verläuft im Sand. 2011 wird der Fall erneut ausgestrahlt, und neue Hinweise führen die Ermittler bis nach Kanada und in die Türkei. Eine Zeugin behauptet, Katrine habe sich in ein BMW-Fenster gebeugt. Das Auto wird am Flughafen in Paris entdeckt, doch es ergibt sich keine Verbindung.
2012 wird ein altersprognostiziertes Foto von Katrine veröffentlicht. Ein Polizeisprecher sagt: „Wir waren in der Region sehr präsent. ” Der leitende Ermittler gibt offen zu: „Natürlich ist es frustrierend, dass man sich den Arsch aufreißt und keinen Schritt weiterkommt. Bis auf Star-Fighter fliegen lassen haben wir alles gemacht.
” Er ist überzeugt, dass Katrine von einem Mann mitgenommen wurde, vermutlich von jemandem, der bereits in den Polizeiakten steht. „Ich habe ja nichts. Ich habe nur ein Mädchen, das weg ist”, sagt er. Im Jahr 2017 entdeckt jemand im Holzhäuschen der Bushaltestelle eine Kreidebotschaft an der Wand: „Katrin Konat von X + Y mitbraucht.
Polizei nimmt Untersuchung nicht auf. ” Die Nachricht ist fehlerhaft geschrieben, die Worte wirken hastig. Doch wer sie geschrieben hat und was sie bedeutet, bleibt bis heute unbekannt. Im Oktober 2018 wird eine neue Ermittlungsgruppe eingesetzt.
Die Leiterin erklärt: „Wir wollen den Fall noch mal komplett aufrollen. Dabei prüfen wir auch Hypothesen, die möglicherweise bislang nicht oder nur wenig betrachtet wurden. ” Ein Online-Hinweisportal wird eingerichtet, eine mobile Wache vor Ort, Flugblätter werden verteilt. Es gehen mehr als 400 Hinweise ein.
Im Dezember 2018 meldet sich ein anonymer Hinweisgeber und behauptet, Katrines Leiche könne in einem Waldstück bei Bergen vergraben sein. 2019 beginnen aufwendige Grabungsarbeiten, doch nach zwei Tagen folgt die Ernüchterung: keine Überreste, keine Spur. Die Polizei geht inzwischen relativ sicher davon aus, dass Katrine nicht mehr am Leben ist. „Wir müssen von einem Tötungsdelikt ausgehen”, sagt ein Sprecher.
Die leitende Ermittlerin ist überzeugt, dass es Menschen gibt, die nicht alles gesagt haben, was sie wissen, sei es aus Loyalität oder aus Angst. Heute geht es ihr nicht mehr in erster Linie um eine Verurteilung, sondern um Klarheit und Gewissheit für die Familie. Selbst wenn die Tat rechtlich verjährt sein sollte, will sie die Wahrheit kennen. Katrines Bruder Dennis beschreibt das Leben der Familie: „Man wartet und hofft.
Wartet, hofft. Jeden Tag warten, hoffen. ” Ein Polizeisprecher sagt abschließend: „Immer mal wieder fliegen Hinweise rein. Wir gehen allem nach.
Der Fall ist bis heute ein Mysterium. ”
Katrine Konat ist verschwunden, als sie auf dem Weg nach Hause war. Sie war nicht weit von zu Hause entfernt. Hat sie einem falschen Menschen vertraut?
Ist sie in ein falsches Auto eingestiegen? Und was hatte es mit dem schwarzen BMW auf sich? Es bleibt die quälende Frage, ob es Menschen gibt, die etwas gesehen haben, die etwas wissen – und die einfach schweigen.

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