Ich stand im Supermarkt und sah zu, wie zwei Frauen sich um die letzte Packung Toilettenpapier stritten. Eine von ihnen schrie: „Das gehört mir! Ich war zuerst hier!” Die andere packte die Packung…

Ich stand im Supermarkt und sah zu, wie zwei Frauen sich um die letzte Packung Toilettenpapier stritten. Eine von ihnen schrie: „Das gehört mir! Ich war zuerst hier!" Die andere packte die Packung...

Ich stand in meinem Badezimmer und starrte auf die leere Toilettenpapierrolle in meiner Hand. Draußen heulte der Wind, und ich konnte hören, wie die Nachbarn durch die dünnen Wände ihre Vorräte horteten. Es war März 2020, und die Regale in den Supermärkten waren leer gefegt. Ich hatte das Gefühl, dass die Welt verrückt geworden war.

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Doch als ich die Papprolle betrachtete, musste ich unwillkürlich lächeln. Dieses unscheinbare Stück Zivilisation, das die Menschen jetzt wie Gold horteten, hatte eine Geschichte, die kaum jemand kannte. Eine Geschichte, die mit einem Kaiser begann, der sich weigerte, sein Gesicht mit etwas zu berühren, das andere bereits benutzt hatten. Die Reise führte mich zurück in das alte China.

Dort, vor über tausend Jahren, war Toilettenpapier kein Massenprodukt. Es war ein Luxusgut, das nur der kaiserlichen Familie und den höchsten Würdenträgern vorbehalten war. Die ersten Aufzeichnungen stammten aus dem sechsten Jahrhundert, als ein Gelehrter namens Yan Zhitui in seinen Schriften erwähnte, dass er es ablehne, Papier zu verwenden, auf dem Zitate aus den Klassikern standen. Für ihn war es eine Respektlosigkeit, solches Papier für die Körperreinigung zu nutzen.

Die einfachen Menschen hatten solche Sorgen nicht. Sie benutzten, was sie finden konnten: Blätter, Steine, Muscheln, Stroh oder sogar Sand. In den ländlichen Gebieten Chinas und vieler anderer Teile der Welt war Hanf oder grobes Material üblich. Doch der Kaiser und sein Hofstaat verlangten nach etwas Besserem.

Im vierzehnten Jahrhundert, während der Herrschaft der Ming-Dynastie, wurde die Produktion spezieller Blätter für den kaiserlichen Haushalt dokumentiert. Jedes Jahr wurden Hunderttausende von weichen, duftenden Blättern angefertigt. Sie wurden mit ätherischen Ölen behandelt und manchmal sogar parfümiert. Für die Elite war das Toilettenpapier ein Statussymbol, ein Zeichen von Reinheit und Wohlstand.

Es dauerte Jahrhunderte, bis dieses Wissen den Westen erreichte. In Europa und Amerika benutzten die Menschen noch lange Zeit alles Mögliche – Zeitungsreste, Maiskolben, sogar Wollreste. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, und Krankheiten breiteten sich schnell aus. Der Durchbruch kam im neunzehnten Jahrhundert.

In New York gab es einen Mann namens Joseph Gayetty, der 1857 das erste kommerziell verpackte Toilettenpapier in den Vereinigten Staaten auf den Markt brachte. Seine Blätter waren mit Aloe getränkt und sollten angeblich Hämorrhoiden lindern. Er verkaufte sie in Paketen zu je fünfhundert Blatt und warb damit, dass sie die Gesundheit förderten. Doch der Erfolg blieb zunächst aus.

Die Menschen waren skeptisch und fanden es seltsam, Geld für etwas auszugeben, das sie bisher umsonst bekommen hatten. Erst in den 1890er Jahren änderte sich das. Die Brüder Edward und Clarence Scott gründeten die Scott Paper Company und begannen, Toilettenpapier auf Rollen herzustellen. Das war eine Revolution.

Endlich gab es ein Produkt, das bequem an der Wand montiert werden konnte und leicht abrollbar war. Die Rollen wurden mit Werbung vermarktet, die auf Komfort und Sauberkeit setzte. Die Menschen begannen, den Wert dieses Produkts zu erkennen. In Europa verlief die Entwicklung ähnlich, wenn auch langsamer.

Erst mit dem Ausbau der sanitären Anlagen in den Haushalten wurde Toilettenpapier zum Standard. Im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die Produktion industrialisiert, und die Nachfrage wuchs weltweit. Es entstanden riesige Fabriken, die Millionen von Rollen pro Tag herstellten. Die Materialien wurden weicher, die Reißfestigkeit wurde verbessert, und neue Technologien ermöglichten eine Massenproduktion, die den Bedarf der ganzen Welt deckte.

Und dann kam 2020. Ein Virus namens Covid-19 breitete sich über den Globus aus. Die Länder schlossen ihre Grenzen, die Menschen blieben zu Hause, und plötzlich wurde Toilettenpapier zum begehrtesten Gut der Welt. Die Regale leerten sich innerhalb weniger Stunden.

Die Menschen kämpften in Supermärkten um die letzten Packungen. Es gab Hamsterkäufe, Panik und manchmal sogar Gewalt. Ich erinnerte mich an die Bilder aus den Nachrichten: leere Gänge, leere Regale, verzweifelte Gesichter. Eine Frau in Australien soll sich mit einem Einkaufswagen gegen andere Kunden verteidigt haben, um die letzte Packung zu ergattern.

Es war absurd und beängstigend zugleich. Doch während ich dort stand, mit der leeren Papprolle in der Hand, wurde mir klar, wie sehr wir uns verändert haben. Aus einem Luxusgut für Kaiser wurde ein Grundbedürfnis, ohne das wir nicht mehr leben können. Wir haben vergessen, dass es Zeiten gab, in denen die Menschen mit Blättern und Steinen auskamen.

Wir haben vergessen, dass Toilettenpapier erst seit etwa hundertfünfzig Jahren ein fester Bestandteil unseres Alltags ist. Ich warf die Rolle in den Mülleimer und ging in die Küche. Auf dem Tisch lagen ein paar alte Zeitungen, die ich für den Umzug eingepackt hatte. Ich schmunzelte und dachte: Wenn es wirklich schlimm kommt, wissen wir wenigstens, wie man sich behelfen kann.

Die Geschichte wiederholt sich, nur mit anderen Mitteln. Die Panik von 2020 legte sich irgendwann. Die Fabriken erhöhten ihre Produktion, die Lieferketten stabilisierten sich, und die Regale füllten sich wieder. Doch die Erinnerung an diese Wochen bleibt.

Sie hat uns gezeigt, wie zerbrechlich unser Komfort ist – und wie schnell wir bereit sind, über unsere eigene Würde zu streiten, wenn es um ein Stück weiches Papier geht. Am Ende fragte ich mich, was die Kaiser des alten China wohl gedacht hätten, wenn sie gesehen hätten, wie ihr Luxusgut zu einem Massenprodukt wurde, um das sich die Menschen auf der ganzen Welt reißen. Vielleicht hätten sie gelacht. Oder vielleicht hätten sie geweint, weil wir es immer noch nicht gelernt haben, mit dem umzugehen, was wir haben.

Ich ging ins Wohnzimmer, setzte mich auf das Sofa und schaute aus dem Fenster. Die Straße war ruhig, die Welt schien wieder normal. Doch ich wusste, dass sich etwas verändert hatte – nicht nur in den Supermärkten, sondern in mir. Ich würde nie wieder eine Rolle Toilettenpapier in die Hand nehmen, ohne an die lange Reise zu denken, die dieses bescheidene Objekt hinter sich hat.

Und dann, als ich aufstand, um mir einen Kaffee zu machen, sah ich aus dem Augenwinkel eine kleine, versteckte Ecke im Regal, wo ein paar alte Rollen lagen – Überbleibsel der Hamsterkäufe meiner Mutter, die sie mir geschickt hatte, als die Panik am schlimmsten war. Ich lächelte. Manche Dinge ändern sich nie.