Als ich das Regal in unserer Anzuchtstation öffnete, fiel mir sofort auf, dass die oberste Leuchte aus war. Natürlich, dachte ich, die Dunkelkeimer brauchen ja noch kein Licht. Aber für das heutige Video wollte ich alles genau zeigen, also schaltete ich die Lampen an. Ein Kippschalter, und schon ging das Licht an.

Vor mir standen etliche Aussaatschälchen, alle auf einer Wärmematte platziert. Unter der Matte lag eine Isolierungsschicht, die wir von einer Baustelle aufgehoben hatten. Einfaches Upcycling, aber es funktioniert seit Jahren perfekt. Die Wärme geht nach oben, nicht nach unten, genau richtig für die Keimlinge.
In den Schälchen steckten Spitzpaprika, Physalis und Jalapenos. Die Auberginen sollten noch folgen. Überall auf den Plexiglas-Abdeckungen hatten sich kleine Wassertropfen gebildet. Ich hob die Hauben kurz an, damit die Luft zirkulieren konnte, und legte sie wieder auf.
Beschriftung ist das A und O, sonst weiß man später nicht mehr, was wo wächst. Eine Frage, die uns oft gestellt wird: Muss die Wärmematte nachts durchlaufen? Wir sagen: Nein. Unsere Erfahrung zeigt, dass es nicht nötig ist.
Nachts gehen die Lichter aus, und die Matte wird auch ausgeschaltet. Die Tage werden länger, unsere Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert immer mehr Strom, und den nutzen wir direkt für die Anzucht. Aber ganz bewusst lassen wir die Matte nachts abstellen. Die Natur arbeitet in Rhythmen – Tag und Nacht, Einatmen, Ausatmen.
Da wollen wir uns dran orientieren. Wir säen auch nicht alles gleichzeitig aus, sondern versetzt. Wenn die ersten Keimlinge nach etwa zwei Wochen da sind, brauchen sie Licht. Dann schieben wir die Schälchen weiter ins Regal, wo die Leuchten hängen, und die nächste Charge kommt auf die warme Matte.
So haben wir nie eine riesige Pikierparty, bei der uns die Arbeit über den Kopf wächst, sondern immer schön verteilt. Weiter hinten im Regal standen Blumenkohl und Porree. Die brauchen es nicht so warm, deshalb standen sie dort ohne Licht. Mit einem Infrarot-Thermometer prüfe ich ab und zu die Bodentemperatur, die ist wichtiger als die Lufttemperatur.
Gerade hatten wir 15 Grad im Raum, das passte für diese Sorten. Dann ging es ums Pikieren. Eine Zuschauerfrage war: Muss man Paprika überhaupt pikieren? Man kann sie direkt in Töpfchen säen, klar.
Dann sollte man aber nicht zu viel Erde einfüllen, damit die Wärme von unten gut ankommt. Wenn später die Samen keimen, füllt man einfach Erde nach und setzt die Pflänzchen tiefer. Das spart den Stress des Umtopfens. Wir pikieren trotzdem gerne, weil wir dabei die kräftigsten Pflanzen auswählen können.
Die schwachen lassen wir weg. Apropos Paprika: Wenn wir sie später auspflanzen, kommen immer zwei Pflanzen zusammen in ein Loch. Das hat Vorteile. Die Befruchtung funktioniert besser, die Ernte ist größer, und die Pflanzen wachsen ineinander und stützen sich gegenseitig.
Stabiler sind sie dadurch auch. Ein kleines Stäbchen als zusätzliche Stütze kann nicht schaden, aber es ist nicht zwingend nötig. Und wie viele Samen steckt man da rein? Ja und nein.
Es kann sein, dass ein Samen nicht keimt, oder dass beide keimen, aber eine Pflanze schwach ist. Deshalb säen wir mehr an und selektieren beim Pikieren. Wer auf der Terrasse vier kräftige Paprika haben möchte, muss halt ein paar mehr anziehen und dann die besten aussuchen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden.
Im zweiten Regal hing ein gelbes Täfelchen als Indikator für Trauermücken. Gott sei Dank war nichts zu sehen. Auch hier war das Licht aus, weil alles, was in den Töpfen steckte, Dunkelkeimer waren. Darunter auch ein paar Versuchsplatten mit neuen Gemüsesorten – was genau das war, verrieten wir noch nicht.
Im Herbst würden wir mehr erzählen, wenn die Sorten überzeugt hätten. Außerdem standen dort Zwiebeln in Rot und Weiß, Lauchzwiebeln und zwei besondere Gemüsezwiebelsorten, deren Saatgut uns eine bekannte Züchterin geschenkt hatte. Darauf waren wir besonders gespannt. Wenn in einer Schale die ersten Keimlinge erschienen, spielten wir „Tetris“: Die gekeimten Platten kamen nach oben ans Licht, die noch leeren blieben unten.
So sparten wir Strom und hatten immer Platz für die nächste Runde. Am ersten Regal, wo die Leuchten brannten, zeigte die vordere Multitopfplatte ein Problem. Die Kohlpflanzen hatten gelbliche, blasse Blätter an den Rändern. Kein Grund zur Sorge, denn die Platte eine Etage darunter zeigte, dass es nur eine Übergangserscheinung war.
Die neueren Blätter dort waren einheitlich grün. Nur wenn die nachwachsenden Blätter auch blass geblieben wären, hätten wir eingegriffen – mit halber Dosis Mikrodünger und schnell verfügbarem Dünger mit EM. So ließen wir sie einfach weitermachen. Ganz hinten standen die Gemüsezwiebeln, die von Anfang an optimales Licht gehabt hatten.
Wunderschöne, kräftig grüne Pflanzen. Genau gegenüber standen die Zwillinge aus unserem Versuchsaufbau, die im Schlafzimmer so schlapp und blass geworden waren. Jetzt standen sie unter den Leuchten und richteten sich wieder auf. Zu sehen, wie sie sich erholten, machte mich richtig zufrieden.
Mit der richtigen Beleuchtung kamen sie zurück ins Wachstum. Vor uns lag eine Platte mit italienischen Zwiebeln, die wir für die Videos viel zu früh ausgesät hatten. Die Pflanzen lagen schief, als hätte der Wind sie umgeweht – sie wuchsen zum Licht hin. Das war kein Fehler, sondern einfach Physik.
Wir drehten die Platte ab und zu, dann richteten sie sich wieder auf. Man muss nur flexibel sein. Eine weitere Multitopfplatte beherbergte Wintersalat und roten Eichblattsalat, beide bereits pikiert und gut angewachsen. Kein einziger war eingegangen.
Beim Salat muss man besonders vorsichtig arbeiten, aber es lohnt sich. Zum Thema Gießen: Bei der italienischen Zwiebel war die Oberfläche nur leicht angetrocknet, noch kein Grund zum Gießen. Weiter hinten, bei den Gemüsezwiebeln unter optimalen Bedingungen, war die Erde schon deutlich trockener. Da gossen wir von unten in die Untersetzer – pro Multitopfplatte grob ein Liter Wasser.
Im unteren, kühleren Regal standen noch vier Platten mit rotem Eichblattsalat und Wintersalat. Aus einer einzigen blauen Aussaatschale hatten wir zwei volle Platten Eichblattsalat bekommen. Das nenne ich effizient. Der Wintersalat war eigentlich schon pflanzbereit, aber bei dem Wetter war daran nicht zu denken.
Über eine Woche lag schon Schnee, so viel Minusgrade hatte ich lange nicht erlebt. Vor dem Auspflanzen würde der Salat erstmal ins Gewächshaus, um abzuhärten. Am Ende machte ich das Licht wieder aus, Schalter für Schalter. Das hier ist nicht die einzige Wahrheit, nur unser Erfahrungswert.
Vielleicht hattet ihr einen besseren Tipp oder einen ganz anderen Workflow. Genau das wollten wir teilen.


