Wien, Österreich – Ein ungelöster Mordfall aus dem Jahr 1958 erschüttert die österreichische Hauptstadt bis heute. Die junge Ilona Faber, ein aufstrebendes Model und Mannequin, wurde in der Nacht zum 15. April 1958 am Heldendenkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz brutal ermordet.

Der Fall, der als einer der spektakulärsten Cold Cases Wiens gilt, wird nun in einer neuen ZDF True Crime Dokumentation neu aufgerollt. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel, das über sechs Jahrzehnte ungelöst blieb, aber die Spuren führen zu einem einzigen Verdächtigen, der jedoch nie rechtskräftig verurteilt wurde.
Die Leiche der 21-jährigen Stenotypistin wurde in den frühen Morgenstunden von einem Polizisten entdeckt, der seinen Wachdienst am Denkmal versah. Die Tote lag nackt im Erdreich vergraben, ihre Kleidung war in der Umgebung verstreut. Die Gerichtsmediziner stellten fest, dass Ilona Faber nicht an den Schlägen mit einem stumpfen Gegenstand starb, sondern qualvoll erstickte, nachdem der Täter sie im Erdreich eingegraben hatte.
Eine auffällige Bissspur auf ihrer Brust deutete auf ein versuchtes Sexualverbrechen hin. Der Fundort, direkt neben dem Denkmal, war besonders mysteriös, da der diensthabende Polizist in unmittelbarer Nähe nichts bemerkt hatte.
Die Ermittlungen des Sicherheitsbüros Wien konzentrierten sich schnell auf den Obdachlosen Johann G. , der regelmäßig am Russendenkmal übernachtete. Er war polizeibekannt und gab zu, sich am Tatort aufgehalten zu haben, bestritt jedoch jede Beteiligung an der Tat.
Seine Fußspuren, die von Gummistiefeln stammten, wurden am Fundort nachgewiesen, und er hatte keine glaubwürdige Erklärung dafür. Zudem fanden die Ermittler in seinem Besitz Zeichnungen von Frauen, die er selbst angefertigt hatte. Für die Tatzeit hatte er kein Alibi und gab an, ziel- und planlos durch die Gegend gelaufen zu sein.
Die entscheidende Belastung ergab sich aus der Bissspur an der Leiche, die mit dem auffälligen Zahnprofil von Johann G. übereinstimmte. Trotz dieser Indizien wurde der Mordprozess gegen ihn im Juni 1959 am Wiener Landesgericht zu einem der aufsehenerregendsten Verfahren der Nachkriegszeit.
Ein Gutachter sagte aus, dass die Bissspur nicht zwingend von Johann G. stammen müsse, da die Fehlstellung seiner Zähne auch bei tausenden anderen Wienern vorkam. Die Geschworenen sprachen ihn im Zweifel frei, verurteilten ihn jedoch wegen eines zugegebenen Diebstahls zu einer mehrjährigen Haftstrafe im Arbeitshaus.
Nach seiner Entlassung blieb der Fall Ilona Faber in der Öffentlichkeit präsent. Im Jahr 2002 meldete sich eine Frau beim Sicherheitsbüro Wien und behauptete, ihr Ex-Mann habe ihr am Totenbett den Mord gestanden. Er habe die Mannequinschülerin vergewaltigt und getötet.
Die leitenden Ermittler, darunter der langjährige Mordermittler Max Edelbacher, rollten den Fall erneut auf. Die Aussage der Frau erwies sich jedoch als wenig glaubwürdig, da viele Details des Tathergangs nicht mit den Fakten übereinstimmten. Die Frau war sogar in einer Fernsehshow aufgetreten und hatte ein Buch angekündigt, was Spekulationen über ihre Motive aufwarf.
Trotz der fragwürdigen Zeugin brachte die erneute Arbeit am Fall einen entscheidenden Durchbruch. Ein Schweizer Spezialist analysierte die Bissspuren mit moderner Computertechnik und 3D-Technologie. Das Ergebnis war eindeutig: Die Bissspuren stammten mit hoher Wahrscheinlichkeit von Johann G.
Diese moderne Technik ermöglichte einen Nachweis, der 1959 noch nicht möglich war. Eine erneute Anklage gegen Johann G. wurde jedoch nicht erhoben, da er zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.
Der Fall Ilona Faber ist nicht der einzige Cold Case, der Wien in den letzten Jahrzehnten erschütterte. In den späten 1980er Jahren wurde der Stadtteil Favoriten Schauplatz einer Serie von Morden an einer jungen Frau und zwei Mädchen. Die 20-jährige Modeverkäuferin Alexandra S.
wurde im Oktober 1988 nach einem Disco-Besuch erdrosselt und nackt an einem Baumstamm angebunden. Die Ermittler standen vor einem Rätsel, da der Täter eine Spermspur am Oberschenkel des Opfers hinterließ, die jedoch durch einen fatalen Fehler falsch interpretiert wurde. Die Blutgruppe des Täters wurde fälschlicherweise als Blutgruppe A bestimmt, obwohl sie tatsächlich Blutgruppe 0 war.
Dieser Fehler führte dazu, dass der Hauptverdächtige, Herbert P. , der sich auffällig in der Disco verhalten hatte und zeitgleich mit dem Opfer gegangen war, nicht weiter überprüft wurde. Er hatte Blutgruppe 0 und fiel aus dem Raster.
Die Ermittler konzentrierten sich auf andere Spuren, wie die fehlende Lederjacke und Handtasche des Opfers, die der Täter als Trophäen mitgenommen hatte. Der Druck auf die Polizei wuchs, als im Februar 1989 die zehnjährige Christina in der Per-Albin-Hansson-Siedlung ermordet wurde. Auch sie wurde erdrosselt und an einem Stiegenaufgang festgebunden.
Die Parallelen zum ersten Fall waren offensichtlich, aber der Täter hinterließ keine brauchbaren Spuren.
Im Dezember 1990 wurde die achtjährige Nicole in einem Park im Laaer Wald tot aufgefunden. Die Leiche war mit Laub bedeckt, und die Tötungsart unterschied sich von den vorherigen Fällen. Die Ermittler stellten fest, dass Nicole nicht am Tatort missbraucht worden war, sondern bereits zuvor.
Die DNA-Spuren am Tatort führten schließlich zu Michael P. , dem Freund der Tante des Mädchens. Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Herbert P. , der Mörder von Alexandra, wurde 2000 durch einen Zufall gefasst, als er in eine Wirtshausschlägerei verwickelt war und seine DNA abgeben musste. Er wurde zu 15 Jahren Haft und Einweisung in eine Klinik verurteilt.
Ein weiterer spektakulärer Fall ereignete sich am 12. März 1963 in der Wiener Staatsoper. Die zehnjährige Ballettschülerin Dagmar F.
wurde in den Waschräumen der Oper mit 37 Messerstichen getötet. Der Täter, Josef W. , ein Gelegenheitsarbeiter mit einer Vorgeschichte von Gewalt gegen Frauen, wurde nach einer Serie von Angriffen auf Frauen im Sommer 1963 gefasst.
Er gestand den Mord und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Fall zeigte die dunkle Seite Wiens, die in den letzten Jahrzehnten immer wieder durch spektakuläre Verbrechen an markanten Orten ans Licht kam.
Die Cold Cases von Wien sind ein Mahnmal für die Herausforderungen der Polizeiarbeit in einer Großstadt. Die Morde am Russendenkmal, in Favoriten und in der Staatsoper zeigen, dass selbst die fortschrittlichsten Ermittlungsmethoden manchmal an ihre Grenzen stoßen. Die Fälle von Ilona Faber, Alexandra, Christina und Nicole bleiben unvergessen, und die Ermittler arbeiten unermüdlich daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Die ZDF True Crime Dokumentation wirft ein neues Licht auf diese Verbrechen und zeigt, dass die Suche nach Gerechtigkeit nie aufhört.

