„Bei dem Wind bleibt das Fließ nicht auf der Erde liegen“, sage ich und drücke die Eisenstange fester in den Boden. „Da kommt nochmal Frost nächste Nacht. “
Gerade waren wir noch von sommerlicher Wärme verwöhnt, jetzt pfeift der Wind eisig über das Beet. Ich ziehe meine Jacke enger und zeige auf die Reihen, die wir vorhin gezogen haben.

Spinat und Radieschen sind gesät, dazwischen haben wir Rillen für die nächsten Pflanzungen vorbereitet. Mein Mann ist wieder dabei. Wir arbeiten uns Beet für Beet vor, und heute soll es rundum produktiv werden. Die Hühner laufen neugierig auf der frischen Erde herum, bis wir sie zurück in ihren Auslauf bringen, bevor wir das Fließ über die neuen Aussaten legen.
Vor uns liegt ein Gerät, das uns unheimlich viel Arbeit erspart: eine Akku-Hacke. Erst einmal den Akku raus, Safety First. Mit dieser Hacke arbeiten wir unsere komplette Beete feinkrümelig durch – das große Beet in nur einer Stunde. Leider kommt gleich die schlechte Nachricht: Wir haben lange danach gesucht, sie ist aus Amerika importiert, war schon einmal kaputt und repariert – und sie ist unheimlich teuer.
Für den Privatbereich ist sie eigentlich ein No-Go. Und das ist schade, denn das Teil ist wirklich cool. Angetrieben wird sie über einen Akkuschrauber, den man nicht per Hand, sondern über einen Seilzug direkt am Griff auslöst – wie bei einer Fahrradbremse. Die Welle mit sechs Elementen unten hackt drei bis vier Zentimeter tief.
Genau deshalb halten wir bei unseren Beeten immer diesen Abstand ein: Dann kann man zwischen den Reihen prima hacken. Das spart enorm Zeit. Ich kann mir vorstellen, dass sich schon der ein oder andere von euch denkt: Das baue ich mir auch. Wir hätten tatsächlich gerne eine zweite davon.
Und falls es unter euch Werkzeugmacher gibt, die Lust haben: Wir könnten uns vorstellen, diese Hacke über unseren Shop anzubieten, damit eine größere Community von Hobbygärtnern und Selbstversorgern in Deutschland sie nutzen kann. Schreibt uns einfach eine E-Mail, wenn euch das interessiert. Es wäre mein Wunsch, dass diese Erleichterung auch bei euch im Garten ankommt. Mit so einem Werkzeug lassen sich die fünfundzwanzig Reihen, die wir hier in fünf Parzellen haben, prima vorbereiten.
Zwei sind schon belegt, bleiben noch dreiundzwanzig, die wir über die Saison mehrfach bestücken werden. Heute nehmen wir uns zwei weitere vor. Ich halte die Steckzwiebeln in den Händen: weiße, rote, Schalotten und den frühen Knoblauch. Ihr habt alle auf die Pflanzkartoffeln gewartet – und jetzt sind sie endlich da!
Vier Sorten haben wir im Shop, und auch von den Steckzwiebeln und dem Knoblauch gibt es noch genug. Zuerst bereiten wir die beiden Beete mit der Superhacke vor, dann ziehen wir Rillen. In jede Rille stecken wir eine Steckzwiebel – rote in die eine, weiße in die andere. Die nächste Reihe bleibt frei, denn dort kommt klassische Mischkultur rein: Ende März, Anfang April säen wir dort die Möhren direkt aus.
Das kommt aber noch. Jetzt geht es erst einmal um die Zwiebeln. Steckzwiebel für Steckzwiebel setzen wir mit der Spitze nach oben, fünf Zentimeter Abstand, zwei bis drei Zentimeter tief, dann wird zugemacht. Gegossen haben wir nicht, die Erde ist noch feucht genug und für morgen ist ordentlich Regen angesagt.
Kommt kein Regen und ist die Erde trocken, dann gießen wir an. Wir bauen hier auch Saatzwiebeln an; der Unterschied zur Steckzwiebel liegt in der Lagerfähigkeit – Saatzwiebeln halten sich einfach länger, aber auf beide möchte ich nicht verzichten. Die Abendsonne ist schon da, man sieht es am Licht. Es ist schön, aber auch ein bisschen frisch.
Zeit, in die Anzuchtstation zu gehen, um zu pickieren. Dieses Gemüse haben wir damals zusammen ausgesät. Was könnte es sein? Als ich die zwei Töpfe nebeneinanderhalte, wird klar, warum Beschriftung so wichtig ist: Auf den ersten Blick sehen die Pflanzen fast gleich aus.
Der eine ist Stangensellerie, der andere Knollensellerie. Beide müssen pickiert werden. Den Stangensellerie machen wir morgen, heute ist der Knollensellerie dran. Ganz vorsichtig fasse ich die Pflänzchen am Blattwerk an und hebe sie aus der Anzuchtschale.
Sie sind noch recht klein – ich setze sie ein kleines Stück tiefer, aber nicht zu tief. Dann drücke ich sie vorsichtig an und gieße sie an. Sie kommen in eine 24er Platte, in der sie noch eine Weile bleiben müssen. Sellerie braucht eben seine Zeit.
Ausgepflanzt wird er erst nach den Eisheiligen, wie die Tomaten. Auf keinen Fall darf er Frost bekommen, sonst schießt er in die Blüte statt schöne Knollen zu bilden. Kurz danach stehen unsere kleinen Sellerie-Babys in der Erde. Vorsichtig habe ich sie gesetzt – sie sind gerade einmal vier Wochen alt.
Jetzt müssen sie sich erst einmal erholen, sie wachsen langsam. Ende März oder im April, je nach Wetter, stellen wir sie ins Gewächshaus, damit sie richtig loslegen können. Und dann, nach den Eisheiligen, kommen sie endgültig ins Beet. Ich stehe in unserer Anzuchtstation zwischen den Regalen, überall junge Pflanzen.
Die Paprika haben wir schon durchpickiert. Übrigens: Sellerie kann man im März noch aussäen, es ist nicht zu spät, aber jetzt ist der richtige Moment. Unsere Tomaten sind schön gekeimt, aber zum Pikieren noch viel zu klein – das dauert noch ein wenig. Wenn ihr ein Unternehmen kennt oder selbst eins habt, das sowas herstellen könnte – Werkzeugbau oder Ähnliches – dann meldet euch gerne bei uns, was die Superhacke betrifft.
Es wäre großartig, dieses Werkzeug einer größeren Community hier im Land zugänglich zu machen. Wenn euch das Video gefallen hat, freuen wir uns über ein Daumen nach oben und über eure Kommentare. In unserer Playlist findet ihr mittlerweile über fünfzig kurze Anbauvideos von Aussaat bis Ernte.
Macht euren Garten schön bunt, seid aus, habt Spaß – und ich freue mich, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid.


