Es regnet, es ist grau und kalt im Garten, aber im Gewächshaus fühlt es sich gleich viel besser an. Ich schaue mir zuerst den Boden an, und da fällt mir sofort etwas auf: Der Winterspinat ist ungleichmäßig gewachsen. Direkt an der Außenmauer sind die Pflanzen deutlich kleiner, während sie Richtung Mittelgang richtig kräftig und groß geworden sind. Draußen ist es einfach kälter und es kommt weniger Licht hin.

Das zeigt wieder einmal, wie wichtig das Zusammenspiel von Wärme, Temperatur und Licht ist. Ich werde zwischen den Reihen hacken und ordentlich wässern, sobald es frostfrei ist. Auf der anderen Seite sehe ich den Schnittsalat, den wir breitwürfig ausgesät haben. Er ist schön aufgelaufen, überall kleine grüne und rötliche Punkte.
Je nach Wetter können wir im März das erste frische Grün ernten. Da wir keine Reihen gemacht haben, kann ich hier nicht hacken. Ich werde vorsichtig mit dem Striegel darübergehen, um die Oberfläche zu lockern. Dann schauen wir uns unser Experiment an.
Wir haben im Januar an drei verschiedenen Standorten ausgesät, um den Einfluss von Temperatur und Licht zu vergleichen. Das Thermometer zeigt eine enorme Spanne: Die minimale Temperatur lag bei minus fünf Grad, aktuell haben wir acht Grad und das wärmste war hier drinnen bei vierundzwanzig Grad. Ich nehme den Deckel von einer der Schalen ab – der rote Eichblattsalat ist gekeimt und hat sich gut gemacht. Zum Pikieren ist es zwar noch zu früh, aber er ist wunderschön aufgelaufen.
Auch der Blumenkohl in der zweiten Schale ist gekeimt, nicht zu lang, nicht vergeilt. Das Experiment hat also funktioniert. Aber es gibt einen großen Haken: Es hat ewig gedauert. Wir haben Anfang Januar gesät und sind jetzt im Februar.
Für die Pflanzung ins Freiland passt das. Doch wenn wir die Pflanzen im geschützten Bereich, im Tunnel oder im Gewächshaus setzen wollen, um später noch Tomaten und Kohl nachzupflanzen, ist diese Variante viel zu langsam. Der Vergleich macht es deutlich: Die Pflanzen in der Anzuchtstation, die zur gleichen Zeit gesät wurden, sind schon pflanzbereit. Der Unterschied ist enorm.
Hier in dieser Multitopfplatte haben wir ebenfalls zur gleichen Zeit die Gemüsezwiebel ausgesät. Ein paar winzige Keimlinge sind da, aber maximal einen halben Zentimeter groß. Das funktioniert nicht. Bei Salaten und Kohl kann man das machen, aber bei der Gemüsezwiebel ergibt dieser kalte Standort einfach keinen Sinn.
Wir gehen jetzt rein in unsere Anzuchtstation, wo es leuchtet, keimt und wächst. Im ersten Regal habe ich die Kohlpflanzen, die alle super gewachsen sind. Dahinter stehen die Wärmeliebenden: Physalis, Chilis und Porree. Auf der Wärmematte, schön muckelig, stehen unsere Paprikaaussaten von letztens.
Auf der mittleren Etage sehe ich unsere italienische Zwiebel, die regelmäßig gedreht werden muss, und dahinter die beiden Platten mit der Gemüsezwiebel. Die werden wir gleich vereinzeln, damit sie genug Platz zum Wachsen bekommen. Da hinten stehen Salate in verschiedenen Sorten, und hier vorne eine Platte mit Kohl, die nicht ganz so schön aussieht – die haben wir gerade mit einer halben Dosis Mikrodünger versorgt. Eine Etage weiter unten steht der gleiche Kohl, den wir vorher pikiert haben – der sieht prächtig aus.
Die Salatpflanzen, der Eichblatt, haben sich auch toll gemacht, und der Wintersalat ist schon ein dichter Teppich. Ganz hinten stehen die Salate, die wir zusammen als Lichtkeimer ausgesät haben – auch das sieht schon wie ein wunderschöner grüner Teppich aus. Das zweite Regal sieht komisch aus, denn da wächst massenhaft Schnittlauch-Ähnliches. Wer nichts mit Gemüseanbau am Hut hat, würde fragen, wer so viel Schnittlauch essen will.
Es sind natürlich Zwiebeln, die wir dort ausgesät haben: ein Sortenversuch mit roten, gelben und Lauchzwiebeln. Es macht richtig Spaß zu sehen, wie sich alle dem Licht entgegenkämpfen. Jetzt säen wir zusammen aus. Ich habe hier ein Tütchen mit drei Sorten Melanzani, also Aubergine.
Da haben wir die Kugelaubergine, die klassische violette Aubergine und die Aubergine Pink, die eine längliche Form und eine violett-hellere Farbe hat – sehr praktisch für die Küche. Ich fülle die Aussaatschälchen mit gedämpfter, fein gesiebter Aussaaterde, damit die Samen besser keimen können. Das Vorgehen ist ähnlich wie bei der Paprika: Die Saattiefe liegt knapp unter einem Zentimeter, die Keimtemperatur bei 20 bis 24 Grad. Wenn ihr Probleme mit der Keimung habt, könnt ihr die Samen vorher für 24 Stunden in Kamillentee einlegen, das hilft.
Ich drücke die Erde leicht an, forme mit dem Pikierholz Löcher vor, lege in jedes Loch ein Saatkorn, mache vorsichtig zu, gieße an und beschrifte. Bei der Keimung rechnen wir mit zwei bis drei Wochen. Die Schalen kommen dann auf die Wärmematte zu den Paprika. Wichtig ist, dass die Aussaaterde nicht eiskalt ist, sondern mindestens Raumtemperatur hat.
Jetzt hole ich die Gemüsezwiebel aus unserem Versuchsaufbau. Sie wurde Anfang Januar gesät und hatte von Anfang an optimale Bedingungen. Sie ist in einem wunderbaren Stadium. Jetzt vereinzeln wir sie: Jede Pflanze bekommt ihr eigenes Töpfchen, damit sie genug Platz hat.
Aus einer Platte machen wir zwei. Ich fülle eine weitere Multitopfplatte mit Aussaaterde und löse die Pflänzchen vorsichtig mit dem Pikierstäbchen einzeln heraus. Ein Loch machen, die Pflanze hineinsetzen – und zwar so tief, bis sich das erste Blatt abteilt. Der weiße Teil darf in der Erde sein, das Grün muss darüber bleiben.
Dann wird leicht angedrückt, angegossen und beschriftet. Die Wurzeln kann man übrigens kappen, muss man aber nicht – wir haben keinen großen Unterschied festgestellt. Nach dem Vereinzeln gieße ich die Pflanzen von oben an, damit sie gut einschlämmen. Die Zwiebeln brauchen jetzt ein bis zwei Wochen, um sich zu akklimatisieren und aufzurichten.
Die zweite Platte, die wir aus dem Schlafzimmer unter direktes Licht gerettet haben und die sich schnell erholt hat, werde ich gleich ohne Kamera ebenfalls vereinzeln – das wäre sonst zu langweilig. Wenn wir vier Platten voll haben, kommen sie hinten ins Regal, wo ich unten etwas freiräumen werde. Für die Saatgutvermehrung brauchen wir die vier Platten, denn wir wollen beste Qualität. Die Gemüsezwiebel ist zweijährig: Was wir dieses Jahr pflanzen, kommt im Herbst in die Lagerung und wird im nächsten Frühjahr wieder ausgepflanzt.
Dabei selektieren wir natürlich die besten Exemplare. Unsere Zwiebeln liegen in der alten Diele, in der Tenne, eher dunkel, trocken und bei ungefähr sechs bis sieben Grad. Nach der Lagerung wird erneut selektiert. Diese hier treibt schon aus – die nehme ich mit in die Küche, sie ist nicht mehr so gut lagerfähig.
Diese hier kommt zurück ins Lager und darf im Frühjahr ins Beet. Sie bildet dann im zweiten Jahr ihre Blumen, aus denen die tollen Samenkörner entstehen. Heute haben wir Auberginen ausgesät, die Gemüsezwiebeln vereinzelt und gepflegt, und einen Blick auf unseren Versuchsaufbau geworfen. Es ist spannend, was man alles machen kann, selbst wenn draußen das Wetter richtig ungemütlich ist.
Bald geht es mit den Tomaten los, und ich freue mich riesig auf dieses Jahr – 2026 wird bestimmt richtig bunt in unseren Gemüsebeeten. Habt eine gute Zeit und macht eure Gärten bunt. Bis zum nächsten Mal, eure Jin.


