Der schwarze Toyota rast mitten in der Nacht durch die Straßen von Ohio. Es gibt keine Bremsspuren, keine Ausweichmanöver, nichts, was auf einen letzten verzweifelten Versuch hindeutet, das Unvermeidliche zu stoppen. Nur wenige Sekunden später kracht das Fahrzeug mit voller Wucht gegen eine massive Steinmauer. Der Aufprall ist so heftig, dass zwei junge Männer noch am Unfallort sterben.

Die einzige Überlebende, schwer verletzt und eingeklemmt im Wrack, atmet noch. Zunächst sieht alles nach einem schrecklichen Verkehrsunfall aus. Doch dann beginnen die Ermittler, die letzten Minuten vor dem Crash zu rekonstruieren, und plötzlich steht eine verstörende Frage im Raum: War dieser Unfall vielleicht gar keiner? Es ist früh am Morgen des 31.
Juli 2022. Gegen 6:15 Uhr entdeckt ein Passant in Strongsville, einer typisch amerikanischen Vorstadt in Ohio, etwas Auffälliges abseits der Straße. Strongsville wirkt wie aus einem Film: ruhige Straßen, Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten, breite Highways und Einkaufszentren. Im Sommer grillen Familien hier in ihren Gärten, Jugendliche fahren mit dem Auto durch die Gegend oder treffen sich abends mit Freunden.
Es ist ein Ort, an dem man sich sicher fühlt. Doch was der Passant hier sieht, passt so gar nicht in dieses Bild. Ein völlig zerstörtes Fahrzeug steht am Straßenrand. Schon aus der Ferne ist klar, dass hier etwas Furchtbares passiert sein muss.
Der Wagen ist massiv beschädigt, Trümmerteile liegen verstreut herum. Der Passant alarmiert sofort die Polizei. Nur wenige Minuten später, gegen 6:20 Uhr, treffen die ersten Ermittler und Rettungskräfte am Unfallort ein. Das Bild, das sich ihnen bietet, ist erschütternd.
Später beschreibt ein Ermittler die Szene als den schlimmsten Unfall, den er jemals gesehen habe. Das Auto ist praktisch komplett zerstört, die rechte Vorderseite völlig demoliert. Im Wagen entdecken die Einsatzkräfte die Fahrerin. Sie ist hinter dem Steuer eingeklemmt, trägt flauschige Pantoffeln, einer davon klebt sogar am Gaspedal.
Sie hat ihren Sicherheitsgurt umgelegt, ihr Kopf befindet sich unterhalb des Armaturenbretts. Sie ist bewusstlos und schwer verletzt, aber sie atmet. Neben ihr liegen zwei junge Männer. Einer auf dem Beifahrersitz, der andere praktisch auf ihm drauf.
Die Szene ist kaum zu ertragen. Die Fahrerin ist die 17-jährige McKenzie Sherilla. Sie wurde im August 2004 in Strongsville geboren und wuchs gemeinsam mit ihren Eltern Natalie und Steven sowie ihrer älteren Schwester Danielle auf. Nach außen hin wirkt sie wie ein ganz normales amerikanisches Mädchen.
Lange braune Haare, große braune Augen, ein hübsches Lächeln. Auf Social Media präsentiert sie sich gerne gestylt, postet Bilder, verbringt Zeit mit Freunden und hält ihr Leben online fest. Doch hinter dieser scheinbar unbeschwerten Jugend steckt eine gesundheitliche Belastung. Im Jahr 2017 wird bei McKenzie POTS diagnostiziert, eine Erkrankung des Kreislaufsystems, die starken Schwindel oder sogar Ohnmachtsanfälle auslösen kann.
Gerade in ihrem Alter ist so eine Diagnose extrem belastend, während andere Teenager unbeschwert ihren Alltag leben, muss sie ständig auf ihren Körper achten. Trotzdem lässt McKenzie sich nicht unterkriegen. Sie träumt davon, Social-Media-Influencerin zu werden. Privat scheint bei ihr zunächst vieles gut zu laufen.
Bereits seit ihrem 13. oder 14. Lebensjahr ist sie mit Dominic Russo zusammen. Die beiden lernen sich kennen, als McKenzie noch in der Highschool ist, und aus der jugendlichen Beziehung wird mit der Zeit deutlich mehr.
Nach ihrem Schulabschluss zieht sie sogar bei Dominic ein. Dominic hat dunkle lockige Haare und ein offenes, warmes Lächeln. Er wirkt wie jemand, der gerne unter Menschen ist, viel lacht und voller Energie steckt. Er ist 20 Jahre alt und stammt aus einer großen Familie mit sechs weiteren Geschwistern.
In diesem Haus muss es immer lebendig gewesen sein. Dominic liebt Basketball und interessiert sich extrem für Mode, er träumt sogar davon, eines Tages seine eigene Bekleidungsmarke aufzubauen. Eine gemeinsame Freundin des Paares sagt später: „Dom und Kenny waren so ein tolles Paar. “ Auch McKenzies Vater beschreibt die Beziehung als eng und erzählt, die beiden hätten über eine Hochzeit gesprochen.
Auf alten Fotos und Posts wirken sie tatsächlich unzertrennlich, verliebte Bilder, gemeinsame Erinnerungen, voller Zukunftspläne. Natürlich verbringen die beiden auch viel Zeit mit Freunden. Einer ihrer engsten Freunde ist Davian Flagan. Auf Bildern wirkt er unglaublich freundlich und herzlich, kurze dunkle Haare, weiche Gesichtszüge, ein warmes Lächeln.
Davian ist 19 Jahre alt und hat zwei Schwestern. Seine Kindheit verläuft alles andere als einfach, er und seine Geschwister werden aus der Pflege adoptiert. Viele Kinder in solchen Einrichtungen erleben schon früh Unsicherheit und Verlust, und manche tragen noch emotionale Narben mit sich. Seine Schwester beschreibt ihn später so: „Davian war immer der Unterstützer, der große ältere Bruder.
Er war immer für mich da. “ Während seiner Schulzeit gilt Davian als vielversprechender Footballspieler. Doch dann verletzt er sich schwer, ein Riss des vorderen Kreuzbandes und des Kollateralbandes. Mit dieser Verletzung zerplatzt sein Traum von einer möglichen Footballkarriere.
Nach diesem Schicksalsschlag gerät er etwas auf die schiefe Bahn. Er beginnt, mit Drogen zu experimentieren und wird Teil der Clique von McKenzie und Dominic. Trotzdem beschreiben Freunde ihn weiterhin als lebensfrohen Menschen. Eine Freundin sagt: „Wenn Davian dabei war, hat er alle zum Lachen gebracht.
“ Sein bester Freund erzählt später: „Er hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. “
Auch am 30. Juli 2022 verbringt die Freundesgruppe wieder gemeinsame Zeit. Es ist eine Art Grad-Party bei jemandem aus der Clique, ein Abend voller Freunde, Gespräche und Musik.
Es ist diese Zeit nach dem Schulabschluss, in der das Leben erst so richtig zu beginnen scheint. In den frühen Morgenstunden des 31. Juli, gegen 5:30 Uhr, machen sich McKenzie, Dominic und Davian auf den Heimweg. McKenzie sitzt am Steuer ihres schwarzen Toyota Camry.
Dominic nimmt auf dem Beifahrersitz Platz, Davian sitzt hinten. Die Straßen von Strongsville sind zu dieser Uhrzeit noch leer. Es ist diese Stimmung am frühen Morgen, wenn es wirkt, als würde die halbe Welt noch schlafen. Eigentlich sollte es nur eine kurze Heimfahrt werden.
Doch dann kommt es zu dem tragischen Unfall, den der Passant später entdecken wird. McKenzie überlebt schwer verletzt, doch für die beiden jungen Männer kommt jede Hilfe zu spät. Sie sterben noch an Ort und Stelle. Für die Familien beginnt in diesen Stunden der Albtraum, vor dem sich jeder Mensch fürchtet.
Ein Anruf am frühen Morgen, Polizeibeamte vor der Tür, und plötzlich verändert sich innerhalb weniger Sekunden das gesamte Leben. Davians Schwester sagt später: „Meine Eltern haben mir gesagt, dass Davian bei einem Autounfall gestorben ist. Ich habe geschrien, geweint und mich aufgeregt. Das ist nicht fair.
Das ist nicht richtig. “ McKenzie wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Sie erleidet unter anderem drei gebrochene Rippen, einen Oberschenkelbruch und einen Leberriss. Es stehen mehrere Operationen an, um ihr Leben zu retten.
Zunächst wirkt alles wie eine unfassbare Tragödie, die leider passieren kann. Doch dann nehmen die Ermittlungen eine vollkommen andere Richtung. Als McKenzie ihre schweren Operationen gut überstanden hat, wollen die Beamten so schnell wie möglich mit ihr sprechen. Sie ist die einzige Überlebende, die einzige, die berichten kann, was in diesem Auto geschehen ist.
Hat die Gruppe gestritten? War jemand unter Einfluss von Drogen oder Alkohol? Hat McKenzie die Kontrolle über das Fahrzeug verloren? Doch zu Antworten kommt es zunächst nicht, McKenzies Eltern raten ihrer Tochter dringend, vorerst keine Aussage zu machen, solange kein Anwalt anwesend ist.
McKenzie schweigt. Noch völlig geschwächt von den Operationen fragt sie ihre Mutter als Erstes nach Dominic. Ihre Mutter muss ihr sagen, dass er den Unfall nicht überlebt hat. McKenzie fängt sofort an zu schreien: „Nein, das kann nicht sein.
Nein, schau bitte nach. “ Direkt danach fragt sie nach Davian, und erneut muss ihre Mutter ihr eine traurige Nachricht überbringen. McKenzie antwortet nur noch mit „Oh Gott! “ Wie schlimm muss es sich anfühlen, zu wissen, dass der eigene Partner und ein guter Freund tot sind und dass man selbst am Steuer gesessen hat?
Auch die Familien von Dominic und Davian müssen das realisieren. Dominics Vater erinnert sich später an eine Nachricht, die er um 2:53 Uhr in der Unfallnacht von seinem Sohn bekommen hat: „Hab dich lieb, Papa. “ Nur wenige Stunden später ist der junge Mann tot. Dominics Schwester sagt: „Du wachst auf und dein kleiner Bruder ist gestorben.
Mit 20. “ Während McKenzie noch im Krankenhaus liegt, beginnen draußen die Ermittlungen. Zu diesem Zeitpunkt gehen die Beamten noch von einem tragischen Verkehrsunfall aus. Doch dann melden sich einige Tage später zwei Freunde von Davian bei der Polizei.
Einer von ihnen nutzt eine App, mit der man die Standortdaten seiner Freunde verfolgen kann. Die Daten zeigen, dass Davians Handy am Morgen des Unfalls um 5:35 Uhr noch aktiv war. Nur eine Minute später, um etwa 5:36 Uhr, muss sich der Unfall ereignet haben. Und diese Erkenntnis sorgt für einen bedrückenden Gedanken: Wenn der Passant das zerstörte Fahrzeug erst gegen 6:15 Uhr entdeckt hat, muss der Wagen fast 45 Minuten lang unbemerkt dort gestanden haben.
Fast eine Dreiviertelstunde, während die Sonne langsam aufgeht und der Tag beginnt, liegen zwei tote Männer und eine schwer verletzte Frau unentdeckt am Straßenrand. Die Ermittler fragen sich nun, wie es überhaupt zu diesem Unfall kommen konnte. Die drei waren auf einer Party, also fällt der Verdacht schnell auf Alkohol und Drogen. Tatsächlich stoßen die Einsatzkräfte relativ schnell auf etwas Auffälliges: Im Fahrzeug wird eine kleine Tasche gefunden.
Darin befinden sich eine geringe Menge Marihuana, eine kleine Waage und etwa acht Gramm Pilze, aber nicht etwa Champignons, sondern Magic Mushrooms, Zauberpilze. Die enthalten eine Substanz, die halluzinogen wirkt und die Wahrnehmung stark verändern kann. Die Ermittler ordnen einen Bluttest an. Die Ergebnisse sind überraschend eindeutig: Es wird kein Alkohol in McKenzies Blut gefunden, auch keine Pilze.
Lediglich THC, der Wirkstoff von Marihuana, ist nachweisbar. Aber reicht das aus, um einen derart gewaltigen Unfall zu erklären? Die Ermittler wenden sich nun den technischen Daten des Unfallwagens zu. Moderne Fahrzeuge speichern deutlich mehr Informationen, als viele vermuten.
Im sogenannten Unfalldatenspeicher werden verschiedene Daten rund um das Fahrverhalten kurz vor einem Unfall aufgezeichnet, zum Beispiel Geschwindigkeit, Bremsvorgänge oder Spritverbrauch. Auch in diesem Fall gibt es Daten zu den fünf Sekunden vor dem Aufprall. Was die Ermittler entdecken, sorgt für große Verwunderung: Das Auto ist offenbar mit fast 160 Kilometern pro Stunde gegen die Steinmauer des Gebäudes geprallt. Und das ist nicht auf einer Autobahn passiert, sondern in einem Bereich, in dem man normalerweise deutlich langsamer unterwegs ist.
Dann die nächste Erkenntnis: Die Daten zeigen, dass McKenzie kurz vor dem Aufprall nicht gebremst hat. Keine Vollbremsung, kein plötzliches Abbremsen, kein letzter Versuch, das Fahrzeug unter Kontrolle zu bringen. Nichts. Normalerweise würde man das Lenkrad herumreißen oder mit voller Wucht auf die Bremse drücken.
All das scheint nicht passiert zu sein. Und noch etwas fällt den Ermittlern auf: Offenbar hat jemand kurz vor dem Unfall versucht, das Fahrzeug in den Leerlauf zu schalten, und dann wurde es wieder in den Fahrmodus geschaltet. Außerdem wurde noch einmal kurz nach links und dann nach rechts gelenkt. Das könnte bedeuten, dass einer der jungen Männer im Auto noch versucht hat, den Wagen irgendwie zu stoppen.
Vielleicht Dominic, vielleicht Davian. Möglicherweise haben sie in ihren letzten Sekunden realisiert, dass etwas nicht stimmt, dass das Auto immer schneller wird und dass McKenzie nicht vorhat abzubremsen. Vielleicht hat einer von ihnen versucht, in den Schalthebel zu greifen oder am Lenkrad zu rütteln, jedoch ohne Erfolg. Die Ermittler stehen plötzlich vor einer Möglichkeit, die am Anfang niemand in Betracht gezogen hat: Was, wenn dieser Unfall gar kein Unfall war?
Spätere GPS-Daten liefern schon wieder die nächsten Informationen. Sie zeigen, dass McKenzie offenbar drei Tage vor dem Unfall bereits genau an dieser Unfallstelle gewesen sein soll. Sie soll die Strecke bereits abgefahren haben, mehrere Male, so als hätte sie alles geprobt. Die Ermittler werden misstrauisch.
Kann das überhaupt noch ein Zufall gewesen sein? Bevor sie den Verdacht weiter verfolgen, wollen sie zunächst eine andere Möglichkeit ausschließen: einen technischen Defekt. Vielleicht wollte McKenzie bremsen, aber das Fahrzeug hat einfach nicht reagiert. Also wird der Wagen von Technikern und Experten gründlichst untersucht.
Die Ermittler stellen fest, dass die Bremsen des Fahrzeugs einwandfrei funktioniert haben. Auch sonst finden sie keinen technischen Fehler, der den Unfall verursacht haben könnte. Nach diesen Erkenntnissen richten sich immer mehr Augen auf McKenzie. Warum sollte eine 17-Jährige so etwas tun?
Die Ermittler beginnen, ihre Handy- und Social-Media-Konten auszuwerten. Alle Nachrichten, Fotos und Videos werden analysiert. Und je tiefer sie sich in ihre digitale Welt eingraben, desto deutlicher wird ein vollkommen anderes Bild ihrer Beziehung zu Dominic. Nach außen hin wirkten die beiden wie ein typisch junges Paar, verliebte Fotos, Händchen halten, gemeinsame Beiträge.
Doch hinter verschlossenen Türen scheint alles deutlich komplizierter gewesen zu sein. Die Ermittler stoßen auf zahlreiche Nachrichten, die ihre Vermutung verstärken. Offenbar ist es zwischen McKenzie und Dominic immer wieder zu heftigen Streitereien gekommen, zu Anschuldigungen und emotionalen Eskalationen. Themen wie Betrugsvorwürfe, toxisches Verhalten, Kontrollverlust und aggressives Fahrverhalten ziehen sich über längere Zeit durch ihre Konversationen.
Trennung oder Beziehungspausen stehen wohl immer wieder im Raum, aber endgültig getrennt haben sich die beiden nie. Dominics Mutter beschreibt später, dass die Beziehung in den Monaten vor dem Unfall zunehmend konfliktreich gewesen sein soll. Auch Dominics Schwester sagt: „Er versuchte ständig, mit ihr Schluss zu machen. Die Situation war so unberechenbar und toxisch geworden.
“
Schauen wir uns einige dieser Nachrichten genauer an. Am 14. Januar 2020 ist McKenzie wütend auf Dominic, weil er sie nicht mit seinem Auto abholen konnte. Nur fünf Minuten später schreibt sie: „Ich bin so verdammt sauer.
“ Und kurz darauf: „Ich bringe jemanden um. “ Am selben Tag geraten die beiden erneut aneinander. McKenzie schreibt: „Ich hasse mich. Verdammt noch mal.
Ich bin hässlich und du machst es nur noch schlimmer und gibst mir das Gefühl, noch hässlicher zu sein. Du gibst mir das Gefühl, dass ich nichts wert bin. Dabei tue ich so viel Scheiß für dich. “ Diese Nachricht zeigt, wie emotional aufgeladen die Beziehung gewesen sein muss, voller Unsicherheit, Selbstzweifel und emotionaler Abhängigkeit.
Dominic versucht daraufhin, die Situation zu entschärfen. Er antwortet, dass sie nichts für ihn tun müsse und er trotzdem glücklich wäre. Aber genau diese Antwort bringt McKenzie noch mehr aus der Fassung. Sie schreibt: „Jetzt sitze ich hier in deinem verdammten Haus und breche auf deinem Boden zusammen.
Du tust mir so grundlos weh und wunderst dich dann, warum ich so gestresst bin. Ich gebe mir so viel Mühe, dir zu gefallen, aber es ist nie genug. “ Und weiter: „Ich will einfach nur meinen Kopf gegen die Wand schlagen, bis ich tot bin. “ Außerdem schreibt sie, dass Dominic das Mädchen, das für ihn sterben würde, besser behandeln solle.
Diese Nachrichten gehen weit über ein wenig Teenager-Streitereien hinaus. Hier geht es um emotionale Erpressung, um Verzweiflung. Auch in den Monaten danach scheint sich die Situation nicht zu beruhigen. Am Morgen des 13.
August 2021 ist McKenzie wieder einmal aufgebracht, scheinbar ging es um einen Witz von Dominic, den sie nicht lustig fand. Dominic schreibt: „Das war mein Fehler, aber du hast mir ja gedroht, mir ins Auge zu stechen. “ McKenzie antwortet lediglich mit: „Ja, ist mir egal. “ Am 11.
März 2022 beschuldigt Dominic sie, ihm gegenüber handgreiflich geworden zu sein. Er schreibt: „Du hast mich nicht aus dem Auto gelassen, mich dann geschlagen, mir die Haare ausgerissen, versucht, einen Stein nach mir zu werfen, gedroht, die Polizei zu rufen, und mein Auto zerkratzt. “ Und es geht in den Nachrichten auch um McKenzies Fahrverhalten. Dominic scheint richtige Angst davor gehabt zu haben.
Am 28. Februar 2022 schreibt er: „Kenny, du fährst jeden Tag wie eine Verrückte. “ Er erzählt, dass er angefangen habe zu filmen, nachdem sie wie eine Verrückte durch die Kurven gerast sei. Er tippt: „Ich habe dir gesagt, du sollst anhalten, und ich habe versucht auszusteigen, und du hast angefangen, wie eine Verrückte zu fahren.
Ich dachte, wenn ich die Tür öffne, hältst du an. “
McKenzie wird mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen. Am 4. November wird sie dann festgenommen.
Die Anklage lautet Mord. Die Ermittler gehen nun offiziell davon aus, dass der Unfall absichtlich verursacht wurde, dass McKenzie bewusst mit ihrem Auto in den Tod gefahren sein könnte. Dieser Vorwurf klingt zunächst unvorstellbar. Es gab diese erschreckenden Nachrichten, aber kaum andere Indizien.
Keine direkte Aufnahme aus dem Auto, kein Geständnis, keine Zeugen. Reichen Textnachrichten, Fahrdaten und Vermutungen wirklich aus, um einer 17-Jährigen Mord vorzuwerfen? Wenig später beginnt der Prozess. McKenzie entscheidet sich für ein Gerichtsverfahren ohne Geschworene, das Urteil wird allein von einem Richter gefällt.
Sie plädiert auf nicht schuldig und erklärt, dass sie keinerlei Erinnerungen an den Unfall habe. Tatsächlich hat sie sogar nach dem Crash noch mit Dominics Mutter geschrieben. In einer Nachricht erklärt sie: „Ich erinnere mich, dass ich in eine Straße eingebogen bin, und dann wurde alles schwarz. Es macht mich wirklich fertig, dass ich mich an nichts erinnern kann.
Ich verspreche dir, ich würde es dir erzählen. Ich habe meine Therapeutin gefragt, warum ich mich nicht daran erinnern kann, und sie sagte, das läge am Trauma. Ich werde versuchen, mich hypnotisieren zu lassen, damit ich mich wieder erinnern kann. “
McKenzies Verteidigung konzentriert sich vor allem auf ihre Erkrankung.
Ihr Anwalt argumentiert vor Gericht, dass POTS möglicherweise eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte, denn die Krankheit kann Schwindel und Ohnmachtsanfälle verursachen. Hat McKenzie einfach die Kontrolle verloren? Ist sie weggekippt? Auch McKenzies Mutter sagt aus, dass ihre Tochter bereits in der Vergangenheit mehrfach bewusstlos geworden sei.
Doch genau diese Theorie können viele nicht glauben. Wenn sie wirklich bewusstlos geworden wäre, wäre das Auto dann nicht langsamer geworden? Kann eine bewusstlose Person weiterhin so fest aufs Gaspedal drücken? Die Ermittler gehen sogar davon aus, dass sie kurz vor dem Aufprall noch beschleunigt haben soll.
Die Verteidigung argumentiert weiter, dass es keine ausreichenden Beweise geben würde. Auch ihre Ärzte sagen aus, dass McKenzie unter starken Gefühlen von Trauer, Schuld und Scham leide. Doch selbst das interpretiert die Staatsanwaltschaft vollkommen anders: Sie spricht von Schuldbewusstsein. Die Beziehung zu Dominic rückt erneut in den Fokus.
Laut Staatsanwaltschaft soll Dominic mehrfach versucht haben, sich von McKenzie zu trennen, und sie habe das nicht akzeptieren können. Der Staatsanwalt sagt: „Es besteht kein Zweifel daran, dass dies aufgrund der Beziehung zu Dominic geschah und dass die Angeklagte eindeutig die Absicht hatte, diese zu beenden, und sie nahm alle mit, die im Auto saßen. “ Dann zeigt die Staatsanwaltschaft dem Gericht Aufnahmen von Überwachungskameras. Auf der ersten Aufnahme sieht man den Toyota zunächst noch relativ gemäßigt um eine Kurve fahren.
Dann folgt die zweite Aufnahme, und plötzlich schießt das Fahrzeug mit enormer Geschwindigkeit von der Straße. Wenige Sekunden später kracht der Wagen gegen das Gebäude. Die Richterin beschreibt eine der Aufnahmen später mit den Worten: „Sie verwandelte sich von einer verantwortungsbewussten Fahrerin in eine echte Hölle auf Rädern. “ Der Kontrast zwischen den beiden Aufnahmen wirkt extrem, nicht so, als wäre sie die ganze Zeit Schlangenlinien gefahren.
Nein, am Anfang wirkte es kontrolliert, und plötzlich eskalierte es dermaßen. Die Staatsanwaltschaft präsentiert weitere Inhalte: TikTok-Videos von McKenzie, die nach dem Unfall entstanden sind. Darunter sind Aufnahmen, die zeigen, wie sie auf einer Halloween-Party feiert. Viele fragen sich, wie man nach so einer Tragödie feiern gehen kann.
Der Staatsanwalt spricht von einem schockierenden Mangel an Reue. Auch Davians Vater kritisiert die Videos scharf. Er sagt, McKenzie würde dort ihr bestes Leben leben, während sein Sohn und Dominic tot seien. Doch McKenzie verteidigt sich später: „Ich habe das Gefühl, dass die Social-Media-Beiträge eines jeden Menschen nicht wirklich ihn selbst widerspiegeln.
Sie zeigen, wie man von der Welt gesehen werden möchte. Und damals wollte mein 17-jähriges Ich genauso gesehen werden. “ Viele kritisieren auch ihr Make-up, denn McKenzie hat sich als Leiche geschminkt, eine Hommage an einen Rapper, der sich immer so schminkt. Trotzdem versteht man, warum man das als makaber empfinden kann.
Als Nächstes sagt ein Freund von Dominic vor Gericht aus. Er erzählt, dass McKenzie ungefähr zwei Wochen vor dem Unfall gedroht haben soll, mit Dominic im Auto absichtlich einen Unfall zu verursachen. Die Ermittler gehen schließlich davon aus, dass es auf der Heimfahrt zu einem Streit im Auto gekommen sein könnte und dass McKenzie daraufhin beschlossen habe, die Beziehung auf brutale Weise zu beenden, indem sie das Fahrzeug absichtlich gegen die Steinmauer geknallt hat. Statt zu bremsen, soll sie immer weiter Gas gegeben haben.
Die Richterin sagt später bei der Urteilsverkündung: „Sie hatte eine Mission und führte diese mit Präzision aus. Die Mission war der Tod. “ Außerdem sprechen mehrere Punkte für eine absichtliche Tat: dass McKenzie den Unfallort bereits zuvor besucht hat, dass offenbar nicht gebremst wurde und dass sich der Unfall zu einer Uhrzeit ereignet hat, zu der kaum Zeugen unterwegs waren. Die Straßen waren leer.
Am 14. August 2023 wird McKenzie für schuldig befunden. Eine Woche später, am 21. August, wird ihr Strafmaß bekannt gegeben.
Sie wird wegen zweifachen Mordes an Dominic und Davian, schwerer fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr, Drogenbesitzes und des Besitzes von Tatwerkzeugen verurteilt. Das Gericht verhängt zwei gleichzeitig zu verbüßende Strafen von 15 Jahren bis lebenslanger Haft. Eine erste Anhörung ist erst ab September 2037 möglich. Im Gerichtssaal bricht McKenzie in Tränen aus.
Sie sagt: „Es tut mir unendlich leid. Ich hätte das niemals zugelassen oder absichtlich getan. “ Doch für die Familien der Opfer ändert das nichts mehr. Dominics Mutter erzählt: „Dominic und Davian wurden ihrer Zukunft, Hoffnungen und Wünsche beraubt.
“ Und dann richtet sie noch einen letzten Satz an McKenzie: Sie solle dankbar sein, dass sie überhaupt noch eine Zukunft habe. Vor kurzem hat Netflix eine Dokumentation über den Fall veröffentlicht, die ziemlich viral gegangen ist. In der Doku kommen Ermittler, Journalisten, die Familien von Dominic und Davian, gemeinsame Freunde, McKenzies Eltern und sogar McKenzie selbst zu Wort. McKenzie spricht über ihr Leben im Gefängnis und sagt, dass sie sich bis heute an nichts erinnern kann: „Ich behaupte nicht, dass ich unschuldig bin.
Ich habe eine Tragödie ausgelöst, aber ich bin keine Mörderin. “ Sie hat eine eigene Theorie: „Die logischste Erklärung scheint ein medizinischer Notfall zu sein. “ Diese Aussage wird stark umstritten, denn wie soll ein medizinischer Notfall erklären, dass sie offenbar weiter beschleunigt hat und keine Bremsaktion erfolgt ist? McKenzie sagt dazu: „Ich bin mir nicht sicher, da ich keine Erinnerungen an diesen Morgen habe, aber ich weiß, dass nichts davon absichtlich war, denn das entspricht nicht meinem Charakter.
“ Man muss an die Nachrichten denken, die sie Dominic geschickt hat, an die Drohungen, ihm die Augen auszustechen oder einen Unfall mit ihm zu verursachen. Scheinbar haben diese Dinge sehr wohl zu ihrem Charakter gepasst. Unabhängig davon, was man persönlich glaubt, wird eines während der Dokumentation sehr deutlich: McKenzie lebt mit den Konsequenzen dieses Falls, jeden einzelnen Tag. Sie sagt: „Ich versuche jeden Tag aufzuwachen und die beste Person zu sein, die ich sein kann.
“ Außerdem erklärt sie, dass kein einziger Tag vergehe, an dem sie nicht an Dominic und Davian denken würde. „Es ist immer noch wie eine Lehre, sie verloren zu haben“, sagt sie. Und weiter: „Ich will nichts erzwingen und einfach zu viel sagen oder verrückt klingen. Ich lege großen Wert darauf, dass keine Absicht vorlag.
Es gab dort überhaupt keine Absicht. Ich empfinde überaus große Reue gegenüber Dominic, Davian und ihren beiden Familien. Das war nicht beabsichtigt, und ich werde alles dafür tun, um das der Welt und den Familien zu beweisen. “
Die Ausstrahlung der Doku bleibt nicht ohne Folgen.
Die Debatte flammt erneut auf, und plötzlich geraten auch die Menschen in den Fokus, die heute noch mit den Folgen leben müssen. Vor allem McKenzies Familie steht massiv in der Kritik, insbesondere ihr Vater. Steve Sherilla arbeitet eigentlich als Kunst- und Medienlehrer. Doch nachdem er in der Dokumentation öffentlich Partei für seine Tochter ergreift und auch ihren Drogenkonsum teilweise locker kommentiert, wird er von seiner Schule freigestellt.
Und nicht nur seine Aussagen sorgen für Empörung, sondern auch ein Detail: sein T-Shirt. McKenzies Vater trägt in den Interviewszenen ein Shirt, auf dem „Boom“ steht, und darunter ist auf Comic-Art eine Explosion gezeichnet. Für viele Zuschauer wirkt diese modische Entscheidung im Kontext eines tödlichen Unfalls taktlos, fast makaber. Natürlich kann es sein, dass er einfach irgendein Shirt aus dem Schrank gezogen hat, aber hier geht es um eine Netflix-Doku.
Dass so ein Detail nicht unbemerkt bleibt, muss ihm bewusst gewesen sein. Je mehr Menschen die Dokumentation sehen, desto emotionaler werden die Reaktionen. Vor allem Dominics Schwester Christine äußert sich sehr deutlich: „Ich denke, dass sie eine Psychopathin ist. Sie tut mir nicht leid.
Meiner Meinung nach ist sie ein Monster und eine absolute Narzisstin. “ Sie erzählt außerdem, dass sie schon beim ersten Treffen ein ungutes Gefühl bei McKenzie gehabt habe: „Als ich sie zum ersten Mal traf, konnte ich sie nicht ausstehen. Sie hat mich nicht begrüßt, sich nicht vorgestellt und sich stattdessen auf Dom gestürzt. “ Und dann meldet sich noch eine weitere Person zu Wort: eine ehemalige Mitinsassin aus dem Gefängnis.
Sie berichtet: „Als sie in der Dokumentation auftauchte, fiel mir buchstäblich die Kinnlade runter. Ihr Auftreten hatte nichts mit der Person zu tun, mit der ich im Gefängnis war. “ Laut ihr habe sich McKenzie hinter Gittern teilweise eher wie ein Highschool-Star verhalten, als wie jemand, der wegen zweifachen Mordes verurteilt wurde. Und dann folgt eine Aussage, die besonders hängen bleibt: „Nie hatte ich den Eindruck, dass sie daran dachte, zwei Menschen getötet zu haben.
“
Während online spekuliert, diskutiert und analysiert wird, kämpfen die Familien von Dominic und Davian noch immer mit einem Verlust, der niemals verschwinden wird. McKenzie, ihre Familie und ihre Anwälte kämpfen weiterhin gegen das Urteil. Seit der Verkündung der Strafe haben sie bereits mehrfach Berufung eingelegt und versucht, ein neues Verfahren zu erreichen. Insgesamt gab es inzwischen drei Berufungsverfahren, doch bislang wurden alle Anträge abgelehnt, zuletzt im März 2026.
Vor allem McKenzies Vater verteidigt sie bis heute öffentlich mit großer Überzeugung. Er sagt: „Wir glauben, dass sie zu Unrecht beschuldigt wurde. Wir glauben, dass es keine Beweise gibt. Es gibt keine Beweise, die Sie mir vorlegen können, die auf Vorsatz oder Absicht hindeuten.
Es gibt einfach nichts. Ich weiß nicht, wie das vom Jugendgericht so durchgehen konnte. Das einzige, was die Staatsanwaltschaft an Fakten vorweisen kann, sind fünf Sekunden Daten aus der Blackbox. “ Auch McKenzies Mutter kämpft weiter für ihre Tochter: „Ich werde niemals, niemals, niemals aufhören.
Die Wahrheit hat kein Verfallsdatum. McKenzie würde Ihnen oder irgendjemanden, den sie liebt, niemals weh tun. “
Für die Familien von Dominic und Davian ist jedes Berufungsverfahren wie ein erneuter Schlag, als würde alles von vorne beginnen. Davians Vater beschreibt dieses Gefühl mit sehr emotionalen Worten: „Das hört wirklich nie auf.
Wie viele Chancen bekommt sie, während unser Sohn und Dominic nicht eine einzige bekommen haben. Es ist, als würde jemand ständig an einer Kruste reißen, obwohl wir doch nur den Verlust unseres Sohnes verarbeiten und die schreckliche Person vergessen wollen, die ihm das Leben genommen hat. “ Während die Welt diskutiert, immer wieder neue Gerichtsverfahren eingeleitet werden und die Schlagzeilen nicht stillstehen, kann man nicht heilen. An diesem Morgen sind nicht nur zwei junge Männer gestorben.
Mit ihnen sind Zukunftspläne, Familien, Freundschaften und ganze Leben zerbrochen. Und was in den letzten Sekunden vor dem Aufprall wirklich passiert ist, das werden wir wohl nie erfahren. Immer wieder denkt man über die Nachrichten nach, über den Fakt, dass bis zuletzt nicht gebremst wurde. Man denkt daran, dass man Davian auf Dominic gefunden hat.
Beide Jungs waren nicht angeschnallt, so als hätten sie ihre Gurte gelöst, um ins Lenkrad greifen zu können. Wer hat versucht, den Wagen in den Leerlauf zu schalten? Wer hat am Lenkrad gerüttelt? War es Davian?
War es Dominic? Wollte sich McKenzies Vater mit seinem „Boom“-Shirt lustig machen? War es ein unüberlegter Zufall?
So viele offene Fragen bleiben zurück.

