„Hier draußen hat es letzte Nacht wieder um die null Grad gehabt”, sage ich und öffne die Tür zum großen Gewächshaus. Drinnen schlägt mir warme, feuchte Luft entgegen, und der Geruch von Erde und jungem Grün erfüllt jeden Winkel. Es ist Ende März, und eigentlich weiß jeder, dass man jetzt langsam loslegen muss mit den wärmeliebenden Kulturen. Tomaten, Paprika, Auberginen – die wollen es einfach warm haben.

Und trotzdem stehen hier draußen, im großen Gewächshaus, schon die ersten Schalen mit keimenden Pflänzchen, geschützt nur durch eine zweite Haube, ein Gewächshaus im Gewächshaus. Ich gehe an den Beeten entlang, an Kohl und Salat vorbei, die sich hier pudelwohl fühlen. Die wachsen, als gäbe es keinen Frost mehr auf der Welt. Der Spinat steht satt und kräftig da, die Zwiebelpflanzen recken sich, und die Petersilie ist auch schon da, keimt fröhlich vor sich hin.
Alles wunderbar. Aber heute soll es nicht um die Kälteverträglichen gehen. Heute dreht sich alles um die, die es richtig warm brauchen. „Meint ihr, da ist nach den Frostnächten überhaupt noch was zu sehen?
“, frage ich in die Kamera und gehe zielstrebig auf unsere kalte Anzucht zu. Das ist das Gewächshaus im Gewächshaus, ein einfacher Schutz, aber er hat schon so manches gerettet. Ich hebe die erste Schale hoch und schaue hinein. Da sind sie.
Die Auberginen. Und ich muss ehrlich sagen, die Keimquote ist nicht ganz so gut, wie ich es mir erhofft hatte. Die Temperaturen waren eben doch ein bisschen grenzwertig für sie. Aber die, die es geschafft haben, die sehen richtig gut aus.
Kräftige Stängel, erste richtige Blätter, die sich entfalten. Die können wir pikieren. Daneben stehen die Snackpaprika und die Freilandpaprika, und da sieht die Welt schon ganz anders aus. Vorbildlich, alles gekeimt.
Ich ziehe die Schale näher zu mir heran und betrachte die kleinen Pflänzchen. Sie haben die Kältephasen offenbar bestens weggesteckt. Jetzt bilden sie ihre typischen Blätter aus, und genau das ist der Moment, in dem man sie vereinzeln kann. „Und genau das werden wir jetzt machen”, sage ich und stelle die Schale auf die Arbeitsfläche.
Drinnen in der Anzuchtstation ist es spürbar wärmer, und ich muss zugeben, dass es hier deutlich angenehmer ist. Bevor wir aber mit dem Pikieren loslegen, will ich euch einen Vergleich zeigen. Diese Paprika hier haben wir ungefähr zur gleichen Zeit ausgesät, aber direkt ins Gewächshaus gestellt, in die kalte Anzucht. Und diese hier, die stehen in der Anzuchtstation, mit optimalen Bedingungen, mit Wärme von unten, mit gleichmäßiger Temperatur.
Der Unterschied ist deutlich. Die hier drinnen sind viel schneller, keine Frage. Die Bedingungen sind einfach besser. Aber die andere Variante funktioniert eben auch.
Es dauert nur länger, das muss man wissen. Beide Wege sind möglich, und das ist eigentlich die schönste Erkenntnis, die man aus so einem Experiment mitnehmen kann. Wir werden jetzt nicht alle Pflanzen pikieren, das wäre auch gar nicht nötig. Wir haben genug Nachschub.
Aber wir wollen das Experiment natürlich weiterführen. Deshalb nehmen wir von allen drei Sorten gleich mehrere Pflanzen, setzen sie in einzelne Töpfe, und die dürfen dann später wieder raus ins Gewächshaus. Aber vorher bleiben sie noch zwei, drei Tage hier drinnen. Pikieren ist Stress, das ist Umpflanzen, das ist Vereinzeln, das kostet die Pflanzen Kraft.
Die sollen sich erstmal erholen, sich akklimatisieren, bevor sie wieder raus in die kältere Umgebung müssen. Und wenn sie dann zurückwandern, dann wieder mit der Haube drauf, mit dem doppelten Schutz. Ich beginne mit dem Pikieren. Ich nehme ein Pflänzchen nach dem anderen, setze es behutsam in die Erde, und zwar schön tief, bis zu dem Punkt, wo die Keimblätter auseinandergehen, wo das eigentliche Wachstum beginnt.
Das ist bei Tomaten und Paprika der wichtigste Trick überhaupt. Wenn man sie tief genug setzt, bilden sie am Stängel noch zusätzliche Wurzeln, und die Pflanze wird kräftiger und stabiler. Gerade wenn man lange, dünne Pflänzchen hat, ist das Gold wert. Danach wird angegossen, und zwar nicht nur mit Wasser.
Wir geben immer ein paar effektive Mikroorganismen dazu, das ist wie ein Energieschub für die jungen Wurzeln, ein richtiger Boost, der ihnen hilft, den Stress des Umpflanzens besser zu verkraften. Die pikierte Schale stelle ich erstmal beiseite. Die bleibt jetzt hier in der Anzuchtstation stehen, bei warmen Temperaturen, bis sich die Pflanzen erholt haben. In ein paar Tagen, wenn das Wetter mitspielt, wenn es nachts nicht mehr unter fünf Grad fällt, dann können sie raus.
Fünf Grad, das ist so die Marke, die Tomaten und Paprika gerade noch vertragen. Darunter wird es kritisch, da stellen sie ihr Wachstum ein, da leiden sie. Aber solange es darüber bleibt, können sie draußen im Gewächshaus gut weitermachen. Wir haben hier noch ein paar weitere Schalen, und die werden wir jetzt auch noch bestücken.
Aber zuerst möchte ich mich den Freilandtomaten widmen. Das ist ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Ich bin ein großer Fan von Sorten, die man draußen, ohne Schutz von Wand oder Dach, erfolgreich anbauen kann. Bei Paprika ist das ja schon fast unglaublich, bei dem wilden Wetter, das wir hier haben.
So viel Wind, recht kühl, frisch, aber auch sonnig. Und trotzdem wachsen die Freilandpaprika phänomenal. Das ist immer wieder erstaunlich anzusehen. Und bei den Tomaten gibt es auch eine ganze Reihe von Sorten, die das draußen hervorragend machen.
Wir haben da zum Beispiel die Wildtomate in Gelb und in Rot. Die brauchen es ein bisschen wärmer als andere, und sie brauchen auch etwas länger beim Keimen. Also nicht wundern, wenn es dauert, wenn man das weiß, ist alles gut. Dann haben wir die Flaschentomate, die lässt sich draußen prima anbauen und anbinden.
Dazu unseren Klassiker, die klassische rote Freilandtomate, und die Cocktailtomate, die sehr volle Rispen bildet, super lecker, eine wunderbare Snacktomate. Und dann haben wir noch die gelbe Freilandtomate aus unserem Biosaatgut-Kalender, die im letzten Jahr richtig gut geschmeckt hat, super robust war, und die Erträge waren einfach unglaublich. Ich fülle die Anzuchtschalen mit Erde und drücke sie leicht an. Dann kommt das Saatgut rein, ganz klassisch, ein Samenkorn nach dem anderen.
Kein großer Aufwand, aber es braucht Sorgfalt. Am Ende werden die Schalen mit Wasser angegossen, die Haube kommt drauf, und dann wandern sie ins Gewächshaus. Im Gegensatz zu den pickierten Pflanzen, die jetzt erstmal hier drinnen bleiben müssen, können die frisch ausgesäten direkt nach draußen. Die brauchen erstmal keine Wärme, um zu keimen, die sind das gewohnt.
Und wenn es jetzt ein paar sonnige Tage gibt, dann wird es im Gewächshaus locker über zwanzig Grad warm, und das reicht völlig. Aber damit ist das Thema Tomaten noch nicht abgeschlossen. Wir haben ja noch die Tomaten, die wir vor ungefähr zwanzig Tagen ausgesät haben, die für den geschützten Bereich. Die sind jetzt richtig groß geworden, haben schon kräftige Blätter, und die müssen dringend pikiert werden.
Ich hole die erste Wanne mit den kleinen Jungpflanzen, stelle sie auf den Tisch und lege die leeren Töpfe bereit. „Jetzt starten wir eine Pikierparty”, sage ich lachend. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Ich nehme ein Pflänzchen nach dem anderen, lockere die Erde, setze es tief in den Topf, bis dorthin, wo die Keimblätter auseinandergehen, und drücke die Erde sanft an.
Tomaten kann man wirklich sehr tief setzen, das vertragen sie ausgezeichnet, und es hilft ihnen, ein kräftiges Wurzelsystem auszubilden. Das ist einer der wichtigsten Tipps, gerade wenn die Pflänzchen ein bisschen lang und dünn geraten sind. Anschließend wird angegossen, wieder mit Wasser und effektiven Mikroorganismen. Die Platte bleibt jetzt erstmal hier in der Anzuchtstation stehen, ein paar Tage, damit sich die Pflanzen von dem Stress erholen können.
Und dann, je nach Wetterlage, geht es raus ins Gewächshaus. Wir haben noch einige Schalen hier stehen, alle gefüllt mit Tomatenpflanzen, die darauf warten, umzuziehen. Es wird also noch ein paar Pikierabende geben. Und ich muss an dieser Stelle auch noch etwas erwähnen, was ich fast vergessen hätte.
Die Anzuchtschälchen, die wir bei uns im Shop haben, die sind im Moment gerade vergriffen. Aber wir werden die Regale nachfüllen, ungefähr in einer Woche sind sie wieder da. Das sind diese ziemlich robusten, haptisch schönen Schälchen, die aus Recycling-Kunststoff hergestellt sind. Da kam letztens eine E-Mail, und ich wollte das noch einmal klarstellen.
Bevor wir aber in den nächsten Pikierabend starten, möchte ich noch ein kleines Fazit zu unseren Versuchen ziehen. Bei den Paprika, die wir im Februar im Gewächshaus im Gewächshaus ausgesät haben, können wir jetzt sagen: Das hat wunderbar funktioniert. Wir waren ehrlich gesagt ein bisschen überrascht, wie gut das geklappt hat. Vielleicht hatten wir ein bisschen Glück mit dem Wetter, dass es zwischendurch so warm war.
Aber es zeigt, dass es machbar ist, auch ohne künstliche Beleuchtung, auch ohne beheizte Anzuchtgeräte, wenn man den Pflanzen einfach genug Schutz gibt und ein bisschen Geduld mitbringt. Bei den Tomaten, die wir heute ausgesät haben, wird das genauso klappen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und wenn es jetzt ein paar Tage schön wird, dann ist das sowieso kein Problem, dann wird es im Gewächshaus locker warm genug.
Anders sieht es bei den Pflanzen aus, die wir heute in den Geodon gepflanzt haben, die Salate, Kohlrabi, Kohlpflanzen, Blumenkohl. Diese Größe und Vitalität, die die Jungpflanzen jetzt haben, die hätten wir ohne Pflanzenleuchten nicht erreicht. Wer also so früh im Jahr geschützte Pflanzen setzen möchte, der braucht diesen Vorsprung, und dafür braucht es die Leuchten. Wer aber später im Jahr aussät und pflanzt, der kommt ohne aus.
Beides ist gut, beides ist machbar, es kommt nur darauf an, was man vorhat und wie viel Zeit man investieren möchte. Spannend bleibt es noch bei den Gemüsezwiebeln aus unserem Versuch. Die haben wirklich sehr, sehr lange gebraucht. Wir schauen mal, ob das noch etwas wird, ob sich das am Ende lohnt.
Für uns ist es jetzt eigentlich zu spät, das muss ich ehrlich sagen. Aber manchmal überrascht einen die Natur ja doch noch. Und da ist noch eine Frage, die immer wieder kommt, und die ist völlig berechtigt. Was macht ihr eigentlich mit dem ganzen Gemüse?
Wir sind nur vier Leute, die können doch gar nicht so viel essen. Das stimmt, und genau deshalb möchte ich es klarstellen. Wir bauen das Gemüse nicht nur für unseren Teller an. Wir bauen es an, weil wir Saatgut gewinnen wollen.
Hochwertiges, schönes Saatgut, das wir bei uns im Shop anbieten. Die ganze Vielfalt hier im Gewächshaus, all die Pflanzen, all die Sorten, das ist für euch. Das ist die Grundlage dafür, dass ihr euch euer eigenes Gemüse anbauen könnt. Und dafür bin ich sehr dankbar für eure wertschätzenden Zeilen, eure Rückmeldungen, eure Unterstützung.
Das ist eine richtig schöne Geschichte, die wir da zusammen schreiben. Ich lasse den Blick noch einmal über die Reihe der Anzuchtschalen schweifen, über all die kleinen grünen Pflänzchen, die da geduldig wachsen, darauf warten, endlich nach draußen zu dürfen, in die Sonne, in den Wind, in die Freiheit. Der Garten wartet, die Beete sind vorbereitet, und die Tage werden länger. Noch ein paar Wochen, dann ist es so weit.
Dann geht es raus, und ich bin schon jetzt im Tomatenfieber. Wenn ihr Lust habt, weiterzuschauen, dann findet ihr hier oben die Playlist zum Tomatenanbau und hier unten noch ein weiteres spannendes Gartenvideo. Macht es schön bunt, gärtnert mit Freude, und bis zum nächsten Mal.


