Ich ging raus, weil die Fliegen mich verrückt machten. Hunderte um den Schuppen, und das Gras war niedergetrampelt, als hätte dort etwas Schweres gelegen. Ich bin kein Held, ich wollte nur…

Ich ging raus, weil die Fliegen mich verrückt machten. Hunderte um den Schuppen, und das Gras war niedergetrampelt, als hätte dort etwas Schweres gelegen. Ich bin kein Held, ich wollte nur...

Kevin hielt den Atem an, als er durchs Fenster in den Garten sah. Das Gras war an mehreren Stellen platt getreten, als hätte sich dort etwas Schweres bewegt. Um den kleinen Schuppen schwirrten Fliegen. Viele Fliegen.

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Er ging hinaus. Im Schuppen drängte sich der Geruch von Verwesung durch den Staub und das Öl der Rasenmäher. Kevin schob die Geräte zur Seite und entdeckte dahinter zwei schwarze Plastiksäcke. Sein Vater Joseph kam dazu.

Sie holten ein Teppichmesser aus dem Haus und schnitten einen der Säcke vorsichtig auf. Ein menschliches Bein. Nackt. Kalt.

Kevins Stimme brach, als er die Polizei anrief. „Meine Schwester und ihr Freund sind seit Tagen verschwunden. Ich glaube, sie sind im Schuppen. Ich glaube, sie sind tot.

Die Beamten bestätigten seine schlimmste Vermutung. In einem Sack lag die 18-jährige Danielle Majescar. Im anderen ihr Freund Saren Brian. Sie waren im eigenen Zuhause umgebracht worden, während sie schliefen.

Danielle und Saren waren seit Jahren ein Paar. Er war anderthalb Stunden von ihr entfernt aufgewachsen, war aber zu ihr und ihrer Familie in den Trailerpark in Clinton Township gezogen, in die Nähe von Detroit. Beide arbeiteten nachts bei National Cony Island, einer regionalen Fast-Food-Kette. Danielle wurde von Freunden als warmherzig und hilfsbereit beschrieben, als jemand, der immer anderen den letzten Dollar gab.

Saren war der Typ, der alle zum Lachen brachte. Sie waren ein Paar, das einfach funktionierte. Am Abend des 22. August 2018 begann ihre letzte Nachtschicht.

Eine befreundete Kollegin brachte sie am nächsten Morgen um 8 Uhr nach Hause. Joseph, Daniels Vater, sah sie noch, als er zur Arbeit ging. Dann verschwanden sie. Am 23.

August schrieb die Kollegin Danielle, dass ihr Auto kaputt sei. Um 17 Uhr meldete sie sich erneut und schrieb, sie habe eine alternative Mitfahrgelegenheit gefunden. Um 19 Uhr: Doch, es klappt nicht. Danielle antwortete auf keine der Nachrichten.

Das war ungewöhnlich. Danielle war immer online, hing ständig an ihrem Handy und trug ihr Ladegerät überall mit sich herum. Am Trailerpark-Zuhause der Familie angekommen, fand die Kollegin das Ladegerät immer noch auf dem Zimmer des Paares. Auch Saren war unauffindbar.

Am 25. August erschienen beide nicht zur Arbeit. Freunde und Familie durchsuchten den Trailer. Sarens Portemonnaie lag da – wer verschwindet schon ohne Portemonnaie?

Und noch beunruhigender: beides Blutzuckermessgerät, das Danielle wegen ihres Diabetes nie ohne sich trug. Sie hatten das Haus nie verlassen. Am 26. August stand Kevin wieder im Schlafzimmer seiner Schwester.

Alles wirkte normal. Dann fiel ihm das Gras auf. Die Fliegen. Der Schuppen.

Robert Majescar, Daniels 24-jähriger Bruder, hatte den Trailer kurz nach dem Fund der Leichen verlassen. Seitdem war er spurlos verschwunden. Robert war den Behörden nicht unbekannt. Sieben Jahre zuvor hatte man bei ihm eine Kombination aus Schizophrenie, bipolarer Störung und Paranoia diagnostiziert.

Er hatte Stimmen gehört – seit dem Tod seiner Mutter im Jahr 2011. Mit zwölf. Er weigerte sich, Medikamente zu nehmen. Manche kannten ihn als ruhigen, angepassten jungen Mann.

Andere bemerkten, dass er zuletzt immer aggressiver wurde. Die Forensik zeigte ein Bild, das kaum zu ertragen war. Saren war in fünf Müllsäcke eingewickelt – drei um Kopf und Hals, je einer um Ober- und Unterkörper. Sein Mund war mit Klebeband verschlossen.

Auch seine Nase war vermutlich bedeckt. Hände und Füße gefesselt. Danielle war in drei Säcke gehüllt. Ihr Mund und ihre Nase waren ebenfalls mit Klebeband abgedichtet.

Beide trugen nur Unterwäsche. Sie waren mit stumpfer Gewalt gegen den Kopf geschlagen worden, vermutlich mit einem Gummihammer. Die Schädelverletzungen waren schwer, aber nicht tödlich. Der Tod war durch Erstickung eingetreten – durch das Klebeband und die Plastiksäcke.

Im Schuppen fanden die Ermittler auch eine Tüte mit blutverschmierten Gegenständen: einen Gummihammer, ein Kissen, Klebeband, ein Bettlaken. Im Schlafzimmer des Paares zeigten Luminol-Tests großflächige Blutspuren an Wänden und Möbeln. Robert wurde öffentlich als Tatverdächtiger gesucht. Er war mit einem weißen Ford E250 unterwegs.

Man spürte ihn in einem Motel auf, doch er entkam – mit blonder Perücke, Sonnenbrille und Hut floh er in einem Bus nach Cincinnati, Ohio. Die Verkleidung fiel auf. Mitarbeiter der Busgesellschaft informierten die Polizei. In Cincinnati wurde Robert festgenommen.

Die Ermittlungen zeigten, dass die Tat am Morgen des 23. August geschehen sein musste. Danielle und Saren hatten sich nach der Nachtschicht ins Bett gelegt. Robert war mit ihnen im Haus.

Er hatte Stunden gewartet, hatte sie im Schlaf geschlagen, gefesselt und ihnen den Mund zugeklebt, bis sie erstickten. Auf fast allen Beweisstücken fand sich seine DNA. Robert wurde wegen zweifachen Mordes angeklagt. Er plädierte auf nicht schuldig.

Vor Gericht zeigte er kaum Emotionen. Die psychiatrischen Gutachter erkannten seine schwere Erkrankung an, kamen jedoch zum Schluss, dass er zur Tatzeit wusste, was er tat. Es war keine psychotische Episode. Es war eine geplante Tat.

Die Verteidigung versuchte dennoch, seine Schuldunfähigkeit nachzuweisen. Vergeblich. Sogar die eigenen Gutachter bestätigten seine Schuldfähigkeit. Die Jury brauchte nur 38 Minuten, um ein Urteil zu sprechen.

Robert Majescar wurde des Mordes ersten Grades schuldig gesprochen. Er wurde zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Bewährung verurteilt. Ein Motiv haben die Ermittler nie gefunden. Robert bestreitet die Tat bis heute.

Man kann nur annehmen, dass seine Erkrankung, die unbehandelte Aggression, am Ende zu diesem Verbrechen geführt hat. Was bleibt, ist ein Vater, der seine Frau und zwei Kinder verloren hat. Ein Bruder, der die Leiche seiner Schwester im Schuppen fand.

Und zwei junge Menschen, die an dem Ort getötet wurden, an dem sie sich am sichersten gefühlt haben – in ihrem eigenen Bett, mit einem schlafenden Mörder.