Endlich. Die Temperaturen sind da, wo sie sein sollen: tagsüber über zwanzig Grad, nachts meistens darunter. Zwei Wochen lang hatten wir die Aussaattipps fertig in der Schublade, aber die Hitze hat alles blockiert. Jetzt, mit diesem typischen Juliwetter, können wir endlich loslegen.

Die Schälchen stehen bereit, die Erde ist angefeuchtet, und vor mir liegt das Kohlgemüse. Chinakohl, Blumenkohl spät, Brokkoli. Wintergemüse hatten wir schon gesät, aber das reicht nicht. Damit der Herbst richtig bunt und vielfältig wird und die Erntekörbchen voll bleiben, muss jetzt noch etwas passieren.
Viele denken, nach dem ersten Halbjahr sei die Saison gelaufen. Weit gefehlt. Gerade jetzt kann man im Garten noch einmal richtig durchstarten. Ich beginne mit dem Chinakohl.
Das Problem bei allen Kohlpflanzen: Wenn sie klein sind, sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich. Deshalb beschrifte ich jede Reihe sofort, auch wenn ich mir einbilde, sie später auseinanderhalten zu können. Mit dem Pikierholz drücke ich Vertiefungen in die Erde, in gleichmäßigen Abständen, jede Vertiefung bekommt genau ein Korn. Dann drücke ich die Erde zu, gieße an.
Bei den Brokkolisamen fällt mir etwas auf. Die Tüte ist voll mit einer bunten Mischung: helle, flache, kleine Körner, aber auch dunkle, pralle, volle. Diese Mischung kommt von der Reinigung, die bekommen wir bei dem Saatgut einfach nicht komplett sauber. Die hellen kleinen Körner sind weniger keimfähig.
Die dunklen, prallen sind die, die ich will. Also picke ich mir die schönsten Samen heraus und gebe nur die in die Erde. Bei Salat ist das egal, wenn man streut. Aber beim Kohl lohnt es sich, genau hinzuschauen.
Aus den besten Körnern kommen die besten Pflanzen. Neben den Kohlschälchen steht die Multitopfplatte mit den vielen kleinen Pöttchen. Hier kommt die Herbstsalatplatte hin. Vier Sorten habe ich mir ausgesucht: Radicchio, Endivie, Puntarella und Zuckerhut.
Die Herbstsalate sind anders als die Blattsalate, die wir sonst säen. Eichblatt und Eissalat sind Lichtkeimer, die müssen nah an der Oberfläche bleiben. Die Herbstsalate nicht. Die dürfen einen halben bis einen Zentimeter tief in die Erde, das ist ihre Saattiefe.
Wer das nicht beachtet, bekommt schwache Pflanzen. Ich raffe mit dem Pikierstäbchen die Erde auf, realisiere die Saattiefe und verteile die vier Sorten auf der Platte. Ich kann euch nur ermutigen, euch auch schöne Herbstsalate zu suchen. Die schmecken wirklich delikat.
Und wenn man später ein paar essbare Blüten aus dem Garten dazulegt, steht dem wunderbar dekorierten Teller nichts mehr im Weg. Ich beginne mit der Puntarella. Grobes Zeug brauchen wir hier nicht, die Erde muss fein sein, dann kommen die kleinen Wurzeln gut an. Ich freue mich schon richtig darauf.
Puntarella ist ein Salat, bei dem man die Blätter essen kann, aber das eigentliche Ziel sind die Knospen. Wenn sie in der Mitte hochkommen, noch recht klein, dann sind sie am zartesten. Sind sie ein wenig größer, kann man sie füllen. Werden sie zu groß, werden sie holzig.
Es kommt also auf den richtigen Moment an. Der Zuckerhut ist auch schon in der Hand. Der hat seinen Namen von seiner Form, hoch und fest. Zusammen mit Radicchio lässt er sich wunderbar im Ofen garen.
Wichtig ist, ihn gegen die Faser zu schneiden, der Länge nach in Scheiben. Die setzt man dann in den Auflauf, mariniert passend dazu. Es schmeckt köstlich. Die Endivie wächst eher wie ein Bodendecker, mit einem schönen Herz.
Das Innere des Herzes ist mit einem guten Dressing ein wunderbarer Salat, den man auch mit anderen Salaten mischen kann. Jetzt mache ich Platz und stelle die Herbstsalate zur Seite. Für die gesunde Ernährung, könnte man sagen. Als Nächstes kommt der Fenchel dran, und hier ist die Sortenwahl entscheidend.
Wenn wir im Sommer säen, nehmen wir den Fenchel spät. Den Fenchel früh haben wir vorher gesät und ernten ihn jetzt fleißig. Jetzt ist der späte dran. Fenchel kann man übrigens auch prima fermentieren.
Oder roh, dann aber ganz, ganz fein gehobelt. So. Ich nehme eine Multitopfplatte mit größeren Pöttchen, eine 35er oder 24er. Beim Fenchel gibt es einen wichtigen Unterschied: Den pickieren wir nicht.
Stattdessen kommen pro Pöttchen etwa drei bis fünf Samenkörner hinein. Wenn wir später pflanzen, nehmen wir das Büschel Fenchelpflanzen, vereinzeln es ganz vorsichtig und setzen die Pflanzen in Reihe. Die Saattiefe liegt bei eineinhalb bis zwei Zentimetern. Im August kann man den Fenchel spät übrigens noch säen, aber wir machen es jetzt im Juli.
Mit dem Pikierholz verteile ich die Samenkörner noch ein wenig, damit sie genug Platz haben und schön anwachsen können. Versetzte Aussaaten funktionieren beim Fenchel übrigens auch gut, mehrere Sätze hintereinander. Bleibt die Frage aller Fragen: Wohin mit den ganzen Aussaten, und wann kommen sie ins Beet? Der Ort ist bei uns im Sommer klar: Die Aussatschalen wandern auf die Nordseite.
Keine direkte Sonne, aber feucht müssen sie bleiben, keine Frage. Dort keimen sie. Sobald sie gekeimt sind, dürfen sie ans Licht, zu uns in den Jungpflanzen-Kindergarten auf der Ostseite. Das funktioniert richtig gut.
Die Südseite wäre es viel zu schnell zu warm, das wird zur Brutzelzone. Auf der Westseite ist es zwar vormittags etwas dunkler, aber abends brutzelt die Sonne drauf, und dann hilft auch kein Gießen mehr, höchstens kaltes Wasser. Und wann pflanzen wir unsere Schätzchen? Ich gehe mal ungefähr von Mitte August aus.
Es kommt aufs Wetter und aufs Wachstum an, aber das ist die Zeit, in der die Jungpflanzen in die Erde kommen. Das Pikieren passiert vorher, nach etwa zwei bis drei Wochen. Und wohin damit? Die Herbstsalate können wir an Stellen setzen, wo schon Kohl abgeerntet wurde, früher Blumenkohl, Kohlrabi oder Fenchel gestanden hat.
Das Kohlgemüse pflanzen wir am besten dahin, wo vorher Zuckerschoten, Erbsen oder dicke Bohnen waren. Eine optimale Möglichkeit. Und der Fenchel kommt dorthin, wo vorher Salate oder die Zuckererbsen standen. Man muss individuell schauen: Was hatten wir im Garten, was kann danach kommen?
So halten wir die Beete dauerhaft voll, und die Erntekörbchen auch. Bei den Kräutern ist heute nicht viel passiert, aber das heißt nicht, dass im Juli nichts mehr ginge. Im Gegenteil: Fast alle Kräuter kann man jetzt noch säen. Basilikum, Dill, Thymian, Oregano, Koriander, Majoran, und und und.
Ich halte gerade eine Jungpflanze in der Hand, die fantastisch betörend duftet. Vier Wochen alt, pflanzbereit. Die setze ich jetzt zwischen die Tomaten. Dill kann man prima zwischen Kohl setzen.
Wer also nicht genug Basilikum hat oder von den anderen Kräutern, der sät jetzt einfach noch einmal nach. Der Garten ist noch lange nicht fertig für dieses Jahr. Wer jetzt denkt, das erste halbe Jahr sei vorbei und damit alles gelaufen, der irrt. Wer ein leeres Beet hat, wer neu dazubekommen hat, wer endlich mehr Zeit hat und mehr machen will: Jetzt ist der Moment.
Es ist noch eine ganze Menge machbar, und die Auswahl ist groß. Ich mache die Schälchen fertig, gieße noch einmal an, und während das Wasser in die Erde zieht, bleibt dieser Geruch, den nur frische Aussaat hat: feuchte Erde, Samen, und die ganze Ernte, die noch vor einem liegt. Im Herbst werden wir Kohlköpfe anschneiden, Radicchio in Scheiben legen, Fenchel ernten. Aber jetzt zählt erst einmal der Anfang.
Die kleinen Pflänzchen werden kommen, auf der Nordseite im Schatten, dann auf der Ostseite in der Morgensonne, und schließlich im Beet, wo vorher Erbsen und Kohl standen. Der Kreislauf geht weiter. Macht eure Gärten weiterhin so richtig schön bunt. Seht aus.
Bis zum nächsten Mal im Garten Gemüsekiosk.


