Wie konnte der Killer 22 JAHRE UNENTDECKT mitten unter uns leben? Was für ein Schock! Welches unheimliche Geheimnis nun endlich ans Licht kommt…

Wie konnte der Killer 22 JAHRE UNENTDECKT mitten unter uns leben? Was für ein Schock! Welches unheimliche Geheimnis nun endlich ans Licht kommt...

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem brutalen Tod einer jungen Frau in Ostönnen hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst – einen Mann, der im Dorf als engagierter Familienvater und Fußballtrainer galt. In der Nacht zum 17. Mai 1987 wurde die 26-jährige Ursula S.

in ihrer Wohnung im nordrhein-westfälischen Ostönnen getötet. Die Ermittler standen jahrelang vor einem Rätsel, bis die moderne DNA-Analytik den entscheidenden Durchbruch brachte. Der Fall, der die gesamte Dorfgemeinschaft zerriss, kommt nun vor Gericht.

Die Tat geschah nach einer ausgelassenen Aufstiegsfeier der örtlichen Fußballmannschaft, an der über 100 Gäste teilnahmen. Ursula S. hatte bis etwa 3:15 Uhr hinter der Theke ausgeholfen und machte sich dann allein auf den kurzen Heimweg.

Ihr Verlobter blieb mit Freunden in der Festhalle, um dort zu übernachten. Als sie am Morgen des 17. Mai nicht aufwachte und unerreichbar blieb, begannen die schrecklichen Stunden der Ungewissheit.

Ein Nachbar öffnete dem Verlobten am Abend die Haustür; die Wohnungstür war nur angelehnt. Im Schlafzimmer fanden die Männer Ursula tot neben dem Bett.

Die Spurenlage war verheerend. Die Obduktion ergab, dass die junge Frau gewürgt und mit mehr als 70 Messerstichen getötet worden war. Die Ermittler gingen von einer versuchten Vergewaltigung aus, die der Täter durch Mord vertuschen wollte.

Doch die Beweislage war dünn. Die Partygäste hatten viel Alkohol getrunken und konnten kaum präzise Angaben machen. Aus 40 Verdächtigen wurde nie ein konkreter Tatverdacht.

Das Misstrauen im Dorf wuchs. Jeder kannte jeden, und die Frage, ob der Mörder der beste Freund, der Nachbar oder ein Mannschaftskollege sein könnte, vergiftete das Miteinander.

Die Polizei verhörte dutzende Personen, überprüfte Alibis und kam nicht weiter. Der Fall Ursula S. wurde als sogenannter Cold Case zu den Akten gelegt – ein ungelöster Mord, der in den Archiven der Dortmunder Mordkommission lagerte.

Doch die Familie des Opfers gab nie auf. „Ich habe die Bilder gesehen, was er mit meiner Schwester gemacht hat. Da kriege ich jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagte ihre Schwester Jahre später.

Dieses Schweigen über zwei Jahrzehnte war für die Hinterbliebenen eine unerträgliche Last.

Erst Anfang 2009 kam Bewegung in den Fall. Ein Beitrag über ungeklärte Mordfälle in Südwestfalen weckte erneut die Aufmerksamkeit der Ermittler. Sie erkannten, dass die DNA-Analytik inzwischen so weit fortgeschritten war, dass selbst kleinste Hautschuppen und Schweißspuren gerichtsverwertbare Profile liefern konnten.

Die Technik, die 1987 noch in den Kinderschuhen steckte, erlaubte nun eine Analyse von Spuren, die damals zu klein oder zu schwach waren. Die Kriminaltechniker riskierten sogar die Zerstörung vorhandener Beweise, um die winzigen Partikel aus der gelben Wolldecke, der Jogginghose des Opfers und unter ihren Fingernägeln zu gewinnen.

Diese Spuren wurden persönlich nach München zur Rechtsmedizinerin Katja Anslinger gebracht. „Wenn wir uns nichts davon versprochen hätten, hätten wir den Fall zu diesem Zeitpunkt auch nicht untersucht“, erklärte sie später. Die Untersuchung ergab drei DNA-Spuren, die alle demselben unbekannten Mann zugeordnet werden konnten.

Die Verteidigung argumentierte später, dass es sich um eine Kontaktübertragung handeln könne. Doch das Gericht hielt dies für unwahrscheinlich, da die Jogginghose nur zu Hause getragen wurde und die Wolldecke stets im Schlafzimmer lag. Auch die Spuren unter den Fingernägeln wiesen auf Abwehrhandlungen hin.

Am 16. Februar 2009 klingelten sechs Polizisten frühmorgens an der Tür eines ehemaligen Nachbarn von Ursula S. Der Mann lag noch im Bett, als seine Frau die Beamten hereinließ und dachte, es handle sich um eine routinemäßige DNA-Probe.

Im Schlafzimmer wurde der 40-Jährige festgenommen. „Er wachte dann auch direkt auf. Ihm wurde eröffnet, dass ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde.

Er meinte darauf, dass er sich anziehen würde und mitkommen würde, ohne zu fragen, weswegen der Haftbefehl erlassen wurde“, berichtete ein Ermittler. Die Festnahme nach 22 Jahren war ein großer Erfolg für die Mordkommission, aber in Ostönnen überwogen Schock und Unglauben.

Der Tatverdächtige war im Dorf bestens bekannt: ein engagierter Familienvater, langjähriges Mitglied im Fußballverein, eine Art Vaterfigur für jüngere Spieler, immer hilfsbereit, immer da. „Einer, der für die Mannschaft da war. Für die Jüngeren auch da war.

Eine Vaterfigur, dem man auch mal sein Leid ausschütten konnte. Und halt immer für jeden da, der halt alles zusammengehalten hat dort im Verein“, sagten Nachbarn und Weggefährten. „Ich glaube schon, dass das ganze Dorf geschockt war, weil es ihm niemand zugetraut hat.

“ Zwei Lager bildeten sich sofort: die einen, die endlich Klarheit wollten, und die anderen, die die Vorwürfe nicht glauben konnten oder wollten.

Der Prozess begann im Dezember 2009 vor dem Landgericht Arnsberg unter Vorsitz des Richters Willi Erdmann. 14 Verhandlungstage waren angesetzt, 50 Zeugen sollten gehört werden. Die Beweislage war komplex und rein indiziell.

Der Angeklagte schwieg. Zudem stellte sich die besondere rechtliche Problematik: Der Täter war zur Tatzeit erst 18 Jahre alt, also nach Jugendstrafrecht zu beurteilen. Fast alle Straftaten außer Mord waren längst verjährt.

Das Gericht musste also nachweisen, dass der Tod durch Mord – und nichts Geringeres – verursacht wurde, um eine Verurteilung zu erreichen.

Richter Erdmann führte zur Begründung aus: „Wir hatten eine versuchte Vergewaltigung festgestellt, mit einer gewissen Zäsur zu dem weiteren Verhalten, das dann zur Tötung führte. Damit war das Tatmerkmal zur Verdeckung einer Straftat gegeben. Die Grausamkeit konnten wir nicht feststellen, weil die rechtsmedizinischen Gutachten ergeben hatten, dass Ursula über einen gewissen Zeitraum bewusstlos war und in diesem Zustand die tödlichen Messerstiche bekam.

“ Der Angeklagte musste sich während des Verfahrens regelmäßig bei der Polizei melden und wurde nach einem Jahr Untersuchungshaft freigelassen – solange die Schuld nicht bewiesen war, sei eine längere Haft nicht zumutbar.

Dann kam eine unerwartete Wendung. Am Tag, an dem das Urteil erwartet wurde, erhielt das Gericht einen anonymen Brief aus den Niederlanden, der den Angeklagten zusätzlich belasten sollte. Der Richter vertagte die Verkündung, um der Spur nachzugehen.

„Wir haben darüber kurz nachgedacht und dann haben wir es eingeordnet in die Aufgeregtheiten, die in dem Dorf hin und her gegangen sind. Stützen konnten wir darauf nichts“, erklärte Erdmann später. Der Prozess zog sich in die Länge.

Schließlich fand ein Ortstermin in Ostönnen statt, bei dem der Angeklagte den Weg vom Fest zur Wohnung des Opfers nachgehen musste – um die zeitliche Machbarkeit zu prüfen.

Die Ermittler rekonstruierten das Geschehen so: Jemand, der Ursula kannte, klingelte. Sie öffnete. Es kam zu einer sexuellen Attacke im Schlafzimmer, verbunden mit Würgen, das zur Bewusstlosigkeit führte.

Dann ging der Täter in die Küche, holte ein Messer und tötete das bewusstlose Opfer – um die versuchte Vergewaltigung zu vertuschen. Diese Rekonstruktion war das Ergebnis moderner Kriminaltechnik und akribischer Indizienarbeit.

Am 22. Juni 2010, mehr als 23 Jahre nach der Tat, fiel das Urteil. Der Angeklagte wurde wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre gefordert. Für die Familie des Opfers war das Urteil ein bitterer Triumph. „Ich will nur, dass der seine Strafe kriegt für das, was er gemacht hat.

Die sieben Jahre, die der Staatsanwalt gefordert hat, ist in meinen Augen noch zu wenig. So richtig bestrafen? Ich glaube, könnte man das gar nicht“, sagte Ursulas Schwester.

Richter Erdmann blickte nach dem Prozess zurück: „Ich habe den Fall in Erinnerung als einen der schwierigsten und umfangreichsten Fälle, die ich verhandelt habe. Dieser hatte besondere Anforderungen, was die Beweislage angeht. Aber letztendlich ist das für mich auch ein bisschen Beruhigung, wenn ich diese hervorragende Arbeit der Ermittlungsbehörden sehe.

Und für mich ist das Ergebnis, dass ein Täter der Tat überführt wurde. Und das ist beruhigend für alle die, die Zweifel haben, ob dieser Rechtsstaat tatsächlich mit den Anforderungen dieser Zeit gerecht wird. “

Die Frage, wie ein netter Kerl, ein engagierter Familienvater und Fußballtrainer solch eine brutale Tat begehen konnte, beschäftigt das Dorf bis heute. „Für mich passt das irgendwie nicht so richtig zusammen“, sagt ein Dorfbewohner. „Jemand versucht eine junge Frau zu vergewaltigen und begeht dann sogar einen Mord, um das zu vertuschen, und sei sonst aber ein netter Kerl.

Was denkt ihr? “ Es ist eine Frage, die nicht nur Ostönnen bewegt, sondern jeden, der mit diesem True-Crime-Fall konfrontiert wird. Die moderne DNA-Technologie hat viele Cold Cases wiederbelebt, aber sie wirft auch neue ethische und rechtliche Fragen auf.

Der Fall Ursula S. ist ein Mahnmal dafür, dass selbst nach Jahrzehnten die Gerechtigkeit noch siegen kann – und dass das Misstrauen in der Dorfgemeinschaft tiefe Narben hinterlässt, die vielleicht nie ganz verheilen werden.