Endlich Sommer. Fünfundzwanzig Grad, manchmal dreißig, und die Woche davor hatte es noch heißer gemacht – mindestens dreißig, oft mehr. Auf dem Gemüseacker hat sich darum einiges gestaut: das Sauberhalten, das Ordnungmachen, die Pflege der Beete. Wir waren morgens und abends draußen, aber es lief uns trotzdem hinterher.

Jetzt holen wir auf – und das Schönste am Aufholen ist der Moment, in dem man ernten darf. Vor uns liegt das Knoblauchbeet. Zwischen dem Beikraut, und davon gibt es reichlich, steckt der Herbstknoblauch, den wir im vergangenen Herbst Zeh um Zeh in die Erde gesteckt haben. Eigentlich sagt man: Knoblauch knickt ab, wenn er erntereif ist.
Hier steht er noch aufrecht. Aber wir haben schon ein paar Probebohrungen gemacht, und ich will noch einmal genauer hinschauen, denn Knoblauch durchläuft verschiedene Stadien – und nur eines davon ist gut zum Lagern. Ich nehme die Grabegabel, weil der Boden trocken ist, und hebe vorsichtig eine Knolle an. Ich drehe sie so, dass die Kamera es gut sehen kann: die kleinen Hubbel, die Ausbuchtungen der Zehen.
Nicht zu viel, nicht zu wenig. Genau richtig. In diesem Stadium ist der Knoblauch lagerfähig, lässt sich zu Zöpfen flechten oder in Bündeln aufhängen. Eine Knolle, die noch ganz geschlossen ist, ist nicht lagerfähig.
Eine, deren Zehen schon deutlich auseinandertreten, hält auch nicht mehr bis zum nächsten Jahr – aber in der Küche kann man sie trotzdem wunderbar gebrauchen. Gegessen werden kann er in jedem Stadium. Das Wetter spielt mit: Letzte Nacht hat es ordentlich geregnet, die nächsten Tage sollen sonnig und trocken bleiben. Genau das brauchen wir jetzt.
Die Knollen kommen aus der Erde, die Erde bleibt dran, und dann legen wir sie flach auf den Boden. Dort trocknen sie ab, und erst danach sind sie bereit für die Lagerung. Werden sie feucht eingelagert, verdirbt die Ernte. Und würde es jetzt richtig heiß werden, wie in der Woche davor, dann dürften sie auch nicht zu lange in der Sonne liegen.
So aber ist es ideal. Wir ziehen los. Knolle um Knolle kommt aus der Erde, der Duft von Knoblauch legt sich über den Acker. Der Juli riecht bei uns nach Knoblauch.
Und dann entdecken wir tatsächlich drei Exemplare, an denen man den Unterschied sehen kann: Die Zehen brechen auf, sind prall und deutlich voneinander getrennt. Diese drei kann man noch ein Weilchen lagern, aber bis zum nächsten Jahr halten sie nicht. Zum Verzehr sind sie trotzdem köstlich. Ich habe eine aufgemacht, das Vertrocknete entfernt – innen sieht die Knolle wunderbar aus.
Der hier ist auch ganz schön aufgeplatzt. So schmeckt die überständige Variante: einfach nur gut. Der ganze Knoblauch liegt jetzt flach auf dem Beet. In ein, zwei Tagen ist er abgetrocknet.
Dann wird das Laub weich und läschig, und wir können Zöpfe flechten, Bündel binden oder alles abschneiden und die Knollen in Kisten legen – ganz wie wir es möchten. Ich gönne mir kurz eine Trinkpause, dann wartet der Grünkohl. Die Jungpflanzen stehen da, schön grün und kräftig. Eigentlich hätten sie Mitte Juni in die Erde gemusst, jetzt ist Anfang Juli.
Auf dem Acker ist hinten ein Beet vorbereitet, genau dort ziehen sie ein. So schlimm ist die Verspätung nicht, denn wir essen die Blätter, und wir wollen Saatgut gewinnen. Der Grünkohl bleibt sowieso über den Winter stehen. Zwei Wochen machen da keinen großen Unterschied.
Und Grünkohl ist ohnehin ein wunderbares Wintergemüse: Wer im Winter frisches Grün will, kennt Feldsalat und Wintersalate – aber Grünkohl ist eine tolle Ergänzung, auch für Rohköstler. Das Beet haben wir vorbereitet, sauber gemacht, mit dem Striegel das Unkraut rausgeholt, mit dem Rillenzieher die Reihen gezogen. Wer sich für unser Werkzeug interessiert, findet es in der Videobeschreibung – wir arbeiten sehr gerne damit. Jetzt stellt sich die wichtigste Frage: Wie tief setzen wir den Grünkohl?
Ein bisschen tiefer, damit er stabil steht, aber nicht so tief wie eine Tomate. Wenn wir ihn zu tief in die Erde setzen, fault der Stängel. Das wollen wir nicht. Also: vorsichtig ansetzen, nicht zu viel tiefer, dann einen Gießring formen, damit das Wasser nicht wegläuft – gerade jetzt im Sommer.
Dann steht er in der Erde. Danach wird angegossen, mit Regenwasser und effektiven Mikroorganismen. Das machen wir bei jeder Jungpflanze, es hat sich bewährt. Der Grünkohl ist versorgt, und wir ziehen weiter in den großen Gemüsegarten – dort wartet noch eine Ernte auf uns.
Die ersten Hülsen habe ich schon in der Hand: Dicke Bohnen. Den Pflanzen sieht man an, dass sie fertig sind – sie werden langsam gelb, sie sind einfach durch. Ich öffne eine Hülse und lege sie zur Seite: innen schön flauschig, und darin sitzen die dicken Bohnen. Immer wieder höre ich die Frage: Was macht man damit?
Klassisch mit Speck, klar. Aber man kann sie auch kurz aufkochen und in andere Gerichte einarbeiten, als lauwarmen Sommersalat mit Paprika oder in einer Bowl. Und das ist gut zu wissen: Wenn ich die Bohne weiter aufmache, kommt ein innerer Kern zum Vorschein. Den kann man mitessen.
Wer es ganz delikat möchte, isst nur den grünen Teil innen drin. Am einfachsten pulst man den, wenn die Bohnen vorher einmal kurz in Salzwasser aufgekocht haben – dann ist die äußere Hülle weich und flutscht schnell ab. Wir frieren sie darum gerne so ein, wie sie sind: aus der Hülse, mit der Außenhülle dran. Später aufkochen, Hülle abmachen – fertig.
Wie macht ihr das? Trocknen geht auch. Bei uns ist dieser Weg am einfachsten. Juli ist übrigens noch die Chance für alle, die dicke Bohnen nachziehen wollen.
Das Saatgut findet ihr in unserem Shop. Für uns heißt es jetzt aber: ernten. Und weil die dicke Bohne eine Leguminose ist, schneiden wir die Pflanzen unten ab. Die Wurzeln bleiben in der Erde, reichern sie mit Stickstoff an und fördern so die Nährstoffe für die nächsten Kulturen.
Ein Tipp für die Fruchtfolge: Das Beet bleibt erstmal liegen und arbeiten. Ende Juli werden wir dort späten Blumenkohl, Chinakohl oder Brokkoli setzen – oder Herbstsalate wie Puntarelle und Endivien. Inzwischen ist Nella aufgetaucht. Unser Gemüsegartenkiosk-Huhn.
Eine echte Persönlichkeit. Man kann sie nirgendwo einsperren, sie macht aber auch nichts kaputt, also darf sie ihre Freiheit genießen. Ein besonderes Huhn. Eineinhalb Kisten dicke Bohnen haben wir geerntet.
Die werden heute Abend gepult – eine schöne Abendaufgabe. Dann ziehen wir weiter zur Salatbar. Im ersten Salatbeet haben wir schon viel abgeerntet, manches ist nachgewachsen. Und dann kam die Hitze: Schwupp, sind die Salate hochgeschossen.
Wir haben noch ein Beet, das wir beernten, das lassen wir einfach stehen. Die Salate, die nur halb hochgeschossen sind, bekommen die Pferde – die lieben Salat wirklich. Die ganz hochgeschossenen wandern zu unseren Hühnern, Puten und Enten. Auch unsere Federfreunde freuen sich über jedes frische Grün, auch wenn sie genug Gras haben.
Also rupfen wir alles mit der Wurzel raus, machen das Beet sauber und lockern die Erde. Und davor stehen schon die neuen Jungpflanzen aus unserer monatlichen Aussaatplatte: schön vital, kompakt, kräftig. Die kommen jetzt in die Erde. Dann haben wir wieder eine nachwachsende Salatbar.
Das macht mich glücklich, wirklich. Ich könnte jeden Tag eine bunte Salatschüssel essen – und ich wünsche das jedem. Vom Reden allein wird nichts besser, also setzen wir die Salate. Als alle Salate in der Erde sind, hole ich Nella vorsichtshalber noch einmal weg, damit sie die frisch gepflanzten in Ruhe lässt.
Dann stehe ich da, in der Abendsonne, und schaue über den Garten. Es ist nicht nur die Abendsonne, die schön ist – es ist der ganze Selbstversorgergarten. Und ich denke, bei euch ist es ähnlich: Wir können die ganze Zeit ernten, neu säen, neu pflanzen, immer wieder einsteigen. Wir können Pausen machen, wenn wir sie brauchen.
Es ist möglich, sich das ganze Jahr über mit Gemüse zu versorgen. Wenn der Garten bunt bleibt, bleibt auch der Teller bunt. Bis zum nächsten Mal im Gartengemüsekiosk – eure Jen.


