Es ist so heiß, dass wir heute nicht säen werden. Ich stehe am Pflanztisch, der Aussaatkalender in der Hand, und plötzlich ist es wieder da: das Gefühl von damals, als mir jemand sagte: „Im Juli…

Es ist so heiß, dass wir heute nicht säen werden. Ich stehe am Pflanztisch, der Aussaatkalender in der Hand, und plötzlich ist es wieder da: das Gefühl von damals, als mir jemand sagte: „Im Juli...

Es ist so heiß, dass wir heute nicht säen werden. Die Luft flimmert über den Beeten, und trotzdem ist der Juli kein Grund, den Garten sich selbst zu überlassen. Im Gemüsebeet wird kräftig geerntet – dicke Bohnen, Fenchel, was die Saison hergibt – und wer jetzt richtig plant, hält die Beete bis weit in den Herbst hinein voll. Ich stehe am Pflanztisch und ziehe den Aussaatkalender hervor.

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Was lohnt sich noch? Was hat seine Zeit gehabt? Und worauf müssen wir bei diesen Temperaturen achten? Das schauen wir uns jetzt zusammen an.

Der Fenchel zum Beispiel ist gerade in voller Ernte. Tag für Tag nehme ich die äußeren Blätter ab und hole die zarten Herzen heraus – eine wunderbare Rohkost, die im Sommer schön erfrischt. Wer jetzt noch einmal sät, greift allerdings nicht zur Frühsorte, sondern zum späten Fenchel. Die Sorten sind genau auf die Wetterlage abgestimmt, und auf unseren Samentütchen steht es deutlich drauf: früh oder spät.

Dann das Blattgemüse. Mein Tipp gegen leere Salatbeete: jeden Monat eine bunte Platte ansetzen. Einmal angefangen, hat man den ganzen Sommer über frischen Salat, und das Praktische daran ist, dass die Salate fruchtfolgeneutral sind. Wir setzen sie einfach immer wieder an dieselbe Stelle.

Dazu gesellen sich Asia-Salate, Mangold und die Gartenmelde – ein Gemüse, das auch optisch ein echter Hingucker ist. Nach der Sommersonnenwende wird es Zeit, an den Herbst zu denken. Radicchio, Andiven, Zuckerhut – und natürlich die Puntarelle. Die habe ich erst spät lieben gelernt.

Früher mochte ich keinen bitteren Salat, heute ist sie aus meinem Garten nicht mehr wegzudenken. Wenn sie reif wird, schieben sich kleine Vulkanhügelchen aus Knospen empor, und man muss nur aufpassen, dass sie nicht zu groß werden. Dann lässt sie sich vielfältig zubereiten – eine echte Delikatesse, vor allem zusammen mit Kerbelrüben. Das ist der große Vorteil, wenn man sich selbst versorgt: Man bekommt Dinge auf den Teller, die man im Laden gar nicht findet.

Man muss ja nicht alles anbauen. Man wählt aus, was man liebt, und gönnt es sich. Auch das ist eine Form von Luxus. Weiter zum Kohlgemüse.

Ich mag es, wenn man eine Pflanze von Anfang an begleiten kann – wir haben zusammen gesät, zusammen pikiert, und jetzt steht der Palmkohl neben dem Grünkohl pflanzbereit im Beet. Wenn wir jetzt noch säen würden, würde er zwar wachsen, aber er würde nie die Größe bekommen, die wir uns wünschen. Deshalb steht er im Aussaatkalender nicht mehr drin. Stattdessen geht es jetzt klassisch um den Chinakohl – für Kimchi und Co.

–, um Spitzkohl, Blumenkohl in der späten Sorte, Kohlrabi und Brokkoli. Den Brokkoli nenne ich immer gern Zauberbaumröschen, und den kann man durchaus noch säen. Beim Zwiebelgemüse sieht es schon anders aus. Die meisten Zwiebeln stehen längst im Beet, nur die Lauchzwiebel ist die große Ausnahme.

Sie ist so unkompliziert, dass man sie jetzt noch säen und an jede freie Ecke setzen kann. Im Hochbeet zum Beispiel füllt sie Lücken wunderbar auf, und man hat dauerhaft frisches Lauchgrün. Und dann ist da diese wunderschöne Schmuckschachtel – die Aussaatbox für Juli. Saatgut für den ganzen Monat, hübsch verpackt, auch als Geschenk eine feine Sache.

Drin stecken unter anderem die Wurzelgemüse: Rote Bete, Mairüben, Möhren, Radieschen und die Steckrübe. Bei den Möhren lohnt es sich sowieso, in mehreren Sätzen zu arbeiten. Gerade ernten wir auch die dicke Bohne. Ich finde sie so schön – innen drin ist sie ganz flauschig.

Ich mach mal eine auf … so sieht sie aus. Man kann sie wunderbar schnecken oder durch die Pfanne ziehen. Und das Beste: Man kann sie jetzt in der zweiten Runde noch einmal säen.

Dazu kommen Zuckererbsen und Markerbsen, ein wunderbares Snackgemüse. Wer noch mehr Hülsenfrüchte will, setzt auf Buschbohnen – die Ernte ist groß, aber man muss sie regelmäßig beernten. Sie schmecken auch lauwarm im Kartoffelsalat. Na ja, ich rede schon wieder vom Essen.

Es gibt noch zwei Kategorien. Die Kräuter sind unverzichtbar – hier zum Beispiel der violette Basilikum, wunderschön anzusehen und auch als Tee ein kleines Wunder. Roter und grüner Basilikum lassen sich genauso säen wie Petersilie, Thymian, Dill, Oregano, Majoran – und natürlich Koriander. Jetzt ist aber auch die richtige Zeit, die Kräuter zurückzuschneiden, zu ernten, zu trocknen oder einzufrieren, ganz wie man es mag.

Und zu guter Letzt die Sommerblumen. Dafür blättere ich im Aussaatkalender auf die Rückseite – dort steht eine große Tabelle mit allen essbaren Blüten aus unserem Sortiment. Sie sind nicht nur Deko, sondern eignen sich für Tee, als Gewürz oder um Gerichte zu verschönern. Einige davon können wir im Juli noch säen: Kamille, Königskerze, Anis-Ysop, Bartnelke und sogar die Sonnenblume – man glaubt es kaum.

Schaut euch währenddessen mal den Phlox an – blüht er bei euch auch schon? Bei uns leuchtet er gerade wunderschön. Doch heute bleiben die Schalen leer. Es ist einfach zu heiß zum Säen.

Mein erster Tipp ist deshalb: warten. Wirklich noch ein paar Tage oder eine Woche abwarten, bis es sich auf normale Julitemperaturen abgekühlt hat, und dann geht es los. Bei den Kulturen, die jetzt anstehen, müssen wir außerdem auf die Keimtemperaturen achten. Salate und Kohl mögen es zum Beispiel nicht zu warm.

Unsere Aussaatplatten wandern dafür um die Ecke auf die Nordseite – ein bisschen Sonne am Morgen und am Abend genügt. Sobald die ersten Keimlinge da sind, dürfen sie rüber zu den anderen Jungpflanzen und zu stattlichen Pflänzchen heranwachsen, die wir dann mit großer Freude in die Erde setzen. Und das Wasser? Bei der Hitze ist es wichtig, mit kaltem Wasser zu gießen.

Bei uns läuft das Brunnenwasser erst ein bisschen durch, bis es wirklich kalt ist, und dann wird damit angegossen. Beim Blattgemüse und den Salaten haben wir übrigens keine Eile. Die können wir auch noch im nächsten Monat säen. Aber es gibt Kulturen, da ist es die letzte Bahn: die Hülsenfrüchte, die Lauchzwiebel, einiges vom Kohl.

Chinakohl und Kohlrabi hätten auch nächsten Monat noch Zeit, der Rest nicht. Und die Sommerblumen sowieso nicht. Deshalb: Schaut in euren Garten, schaut in die Beete, plant, wo Platz frei wird – und arbeitet mit Jungpflanzen vor. Besorgt euch das Saatgut, dann habt ihr dauerhaft volle Beete, volle Freude und ein richtig schönes Erntekörbchen.

Gönnt es euch. Ich hoffe, dieser Rundgang war eine gute Erinnerungsstütze oder vielleicht sogar eine Inspiration. Und wer wissen will, wie ich die Puntarelle am Ende zubereite: Das zeige ich im nächsten Video.

Macht eure Gärten schön bunt, bis zum nächsten Mal – eure Jen aus dem Garten Gemüsekiosk.