Der Doppelmord an Monika und Karl O. in dem beschaulichen Ort Altenstadt-Untereichen bei Neu-Ulm hat sich als ein Familiendrama offenbart, das tief in Habgier, Hass und einem perfiden Plan verwurzelt ist. Die Ermittlungen der Kripo Neu-Ulm förderten ein erschütterndes Bild zutage, das am Ende zur Verurteilung des eigenen Sohnes Patrick O.
, seiner Ehefrau Julia O. und eines Freundes führte.

Es war ein Samstag im April 2023, ein normales Wochenende für die Beamten des Fachkommissariats, bis der Anruf kam. Im Haus von Monika und Karl O. waren zwei Leichen entdeckt worden.
Die 55-jährige Monika war nicht zur Arbeit erschienen, und als Tochter und Schwiegersohn gegen 13 Uhr im Schlafzimmer nachsahen, bot sich ihnen ein grauenvoller Anblick. Das gesamte Zimmer war übersät mit Blutspuren. Monika O.
lag am Boden, ihr Körper wies dutzende Einstiche auf. Karl O. , ihr 70-jähriger Ehemann, lag auf dem Bett, und neben ihm befand sich ein Messer aus dem eigenen Haushalt.
Für die ermittelnden Kommissare stellte sich sofort die entscheidende Frage: Handelte es sich um einen erweiterten Suizid, bei dem Karl zuerst seine Frau und dann sich selbst getötet hatte, oder um einen Doppelmord? Die Spurenlage am Fundort war zunächst irreführend. Es gab keine Einbruchsspuren, die Tür war nicht aufgebrochen, und im Haus wirkte alles normal.
Die Szenarie deutete zunächst auf eine Tat im Affekt oder eine Verzweiflungstat hin. Die Beamten erfuhren, dass Karl O. , ein pensionierter Geflügelzüchter, starker Raucher und gesundheitlich angeschlagen war.
Erst die Obduktion am nächsten Tag brachte die erschütternde Wahrheit ans Licht.
Die Rechtsmediziner stellten fest, dass Karl O. tiefe Schnitte an beiden Unterarmen hatte, die erst nach seinem Tod zugefügt worden sein konnten, da kein Blut mehr floss. Zudem fanden sich massive Einblutungen an seinen Füßen und Schultern sowie Schürfwunden an den Knien.
Diese Befunde ließen nur einen Schluss zu: Karl und Monika O. wurden ermordet. Der oder die Täter hatten den Tatort anschließend manipuliert, um einen erweiterten Suizid vorzutäuschen.
Es war ein kaltblütig geplanter Doppelmord.
Die Kripo Neu-Ulm richtete sofort eine Sonderkommission mit über 30 Beamten ein. Die Fahnder konzentrierten sich auf das persönliche Umfeld der Opfer. Zunächst gerieten mehrere Personen in den Fokus, darunter ein Ex-Partner von Monika O.
, der wegen Körperverletzung mit einem Messer vorbestraft war, und eine Ex-Lebensgefährtin von Karl. Doch die Ermittlungen führten schnell zu demjenigen, der am meisten zu verlieren hatte, wie sich herausstellte: Patrick O. , der Sohn von Karl aus einer früheren Ehe, und dessen Ehefrau Julia.
Der Streit zwischen den Generationen war tief und eskalierte um ein konkretes Objekt: die beiden benachbarten Häuser der Familie in Untereichen. Karl O. hatte beide Häuser, um Unterhaltszahlungen an seine Ex-Frauen zu entgehen, an seinen Sohn Patrick überschrieben.
Die Schenkung war jedoch an eine notariell festgelegte Bedingung geknüpft: Patrick durfte die Häuser nicht mit einer Hypothek belasten. Als Patrick und Julia zur Finanzierung von Sanierungsarbeiten genau das taten, flog der Betrug bei einem Notartermin auf. Karl O.
machte von seinem vertraglichen Rücktrittsrecht Gebrauch und wollte die Schenkung rückgängig machen. Für Patrick und Julia bedeutete dies den finanziellen Ruin und den Verlust ihres Zuhauses.
In den darauf folgenden Monaten eskalierte der Hass. Die Auswertung von über 40. 000 Chatnachrichten zwischen Patrick und seinem Freund Joffrey S.
zeichnete ein düsteres Bild. Bereits ein halbes Jahr vor der Tat schrieb Patrick über seinen Vater: „Der [ __ ] von Erzeuger will meine Familie auf die Straße setzen, also eskaliere ich komplett jetzt. “ Das Landgericht Memmingen bestätigte im Herbst 2022, dass Karl O.
die Schenkung rückgängig machen konnte. In diesem Moment, so die Ermittler, begann eine Hassspirale, die immer größer wurde. Patrick fragte Joffrey S.
, ob er ihm eine Waffe besorgen könne. Das Ziel war, den Vater aus dem Haus zu bringen, am besten ins Gefängnis oder in den Tod. Joffrey S.
sollte im Gegenzug das freie Haus beziehen.
Der Plan der Tatnacht war ausgeklügelt. Patrick und Julia O. inszenierten sich ein Alibi.
Sie fuhren mit ihrer kleinen Tochter zu Joffrey S. , der etwa 100 Kilometer entfernt wohnte. Überwachungskameras zeigten ihre Ankunft am späten Abend des 21.
April 2023. Die Ermittler fanden jedoch heraus, dass die beiden in der Nacht das Auto von Joffrey S. nutzten, um zurück nach Untereichen zu fahren.
Joffrey S. deckte ihr Alibi, indem er behauptete, sie seien die ganze Nacht bei ihm gewesen.
Der eigentliche Tatablauf, den die Sonderkommission rekonstruierte, ist von einer grausamen Systematik. Die Polizei geht davon aus, dass Patrick und Julia das Haus mit einem Nachschlüssel betraten. Einer von ihnen holte das Tatmesser aus der Küche.
Beide begaben sich ins Schlafzimmer, wo Monika und Karl im Bett lagen. Die Obduktion ergab, dass die Messerstiche an Monika O. von einer linken Hand geführt wurden.
Diese Erkenntnis sowie die Körpergröße der Täterin führten zu dem Schluss, dass Julia O. sich um Monika kümmerte. Patrick O.
erwirkte zeitgleich seinen Vater Karl. Nach der Tat zogen die beiden die Kleidung der Opfer aus, verletzten Karl O. postmortal, um die Suizidthese zu untermauern, und versuchten, die Spuren zu verwischen.
Anschließend fuhren sie zurück zu Joffrey S. , wo sie sich blutig wuschen. Erst am Morgen fuhren sie mit ihrer Tochter, die angeblich Bauchschmerzen hatte, ins Krankenhaus nach Memmingen, um das Alibi perfekt zu machen.
Die Festnahme erfolgte am 16. Mai 2023. Ein Spezialeinsatzkommando nahm Patrick und Julia O.
in ihrem Haus fest. Die Atmosphäre war äußerst kühl, das Verhalten gegenüber der gemeinsamen Tochter emotionslos. Joffrey S.
, der als erster aussagte, belastete die beiden schwer. Er gab zu, sein Auto zur Verfügung gestellt, die Tatnacht gedeckt und ein Handy entsorgt zu haben.
Im Prozess vor dem Landgericht Memmingen wurden Patrick und Julia O. zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest.
Joffrey S. erhielt wegen Beihilfe zum Mord eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Die kleine Tochter des Paares, damals zwei Jahre alt, wächst nun bei Pflegeeltern auf.
Sie ist die Leidtragende in diesem 𝒹𝓇𝒶𝓂𝒶, das aus einem Erbstreit entstand. Der Fall von Untereichen bleibt ein makabres Beispiel dafür, wie aus familiärem Hass und finanzieller Gier eine unvorstellbare Brutalität erwachsen kann.


