„Mein Paradies“: Hedwig Höss und ihr Leben in Auschwitz

„Mein Paradies“: Hedwig Höss und ihr Leben in Auschwitz

Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen. Nur wenige Monate später, im Mai 1940, wurde das Konzentrationslager Auschwitz errichtet, ein Ort, der für unzählige Menschen zur Hölle auf Erden werden sollte. Doch nur wenige Meter entfernt lebte Hedwig Höss, die Frau des Lagerkommandanten, in einer Villa, die sie einst als ihr „Paradies“ bezeichnete.

Hedwig Höss, geboren als Hedwig Hänsel am 3. März 1908 in Oberneukirch, wuchs in einer Zeit auf, die von den Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs geprägt war. Ihre Neigung zu radikalen nationalistischen Idealen führte sie in die Reihen des Atamanenbundes, wo sie 1929 Rudolf Höss kennenlernte. Die beiden heirateten noch im selben Jahr und bekamen fünf Kinder. Während Rudolf in der SS Karriere machte, folgte Hedwig ihm durch verschiedene Stationen, bis sie schließlich 1940 nach Auschwitz zogen.

Ihr neues Zuhause war eine geräumige Villa, umgeben von einem Garten, während hinter den Mauern des Lagers täglich unvorstellbares Leid geschah. Hedwig verwandelte die Villa in einen Ort des Komforts, während sie gleichzeitig die brutalen Bedingungen des Lagers ignorierte. Berichten zufolge stellte sie Häftlinge als Hausangestellte ein und ließ die Wände ihrer Villa von politischen Gefangenen streichen. Ihre Vorliebe für Luxus schien ungebrochen, während sie Kleidung und Schmuck trug, die von jüdischen Häftlingen geraubt worden waren.

Hedwig war nicht nur eine Mutter, die sich um ihre Kinder kümmerte, sondern auch eine Frau, die inmitten des Schreckens ein Leben in Annehmlichkeiten führte. Sie organisierte gesellschaftliche Zusammenkünfte für SS-Angehörige und deren Familien und genoss Picknicks im Garten, während der Tod nur wenige Meter entfernt stattfand. Ihre Tochter Brigitte beschrieb sie als liebevoll, doch die Erinnerungen ehemaliger Häftlinge zeichnen ein anderes Bild.

Ein polnischer Häftling, der in der Villa arbeitete, berichtete von Hedwigs offen antisemitischen Äußerungen und ihrer Unterstützung für die brutalen Ideale ihres Mannes. Während Rudolf in der Villa eine Affäre mit einer politischen Gefangenen hatte, soll auch Hedwig eine Beziehung zu einer Häftlingsfrau unterhalten haben. Diese geheimen Verhältnisse trugen zur Zerbrechlichkeit ihrer Ehe bei, die schließlich unter dem Druck der Umstände litt.

Als die Rote Armee 1944 näher rückte, verließ die Familie die Villa und zog in ein anderes Lager. Nach dem Krieg versteckte sich Hedwig mit ihren Kindern, während Rudolf gefasst und hingerichtet wurde. Während er für seine Taten Reue zeigte, blieb Hedwig ungerührt und lebte in den folgenden Jahren ein Leben im Schatten ihrer Vergangenheit.

Bis zu ihrem Tod im Jahr 1989 lebte Hedwig in den USA, wo sie unter einem falschen Namen beigesetzt wurde. Ihr Grabstein trägt nur das Wort „Mutti“, ein Hinweis auf die Geheimnisse, die sie mit ins Grab nahm. Wie viel von ihrem Leben bleibt im Schatten der Geschichte verborgen?